Geschichte
Die Rettung der Glocke der Hagmooser Kapelle im Zweiten Weltkrieg

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Für das, was Josef Albrecht getan hat, drohte ihm einst die Todesstrafe. Dem 'Sattlers-Sepp' war das egal. In einer Nacht und Nebel Aktion setzte er 1942 sein Leben aufs Spiel, rette die Glocke der Hagmooser Kapelle vor dem Einschmelzen - und vergrub sie im Hornbachtal, bis der Krieg vorbei war.

Im Zweiten Weltkrieg geriet die Welt aus den Fugen. Und so kam es auch, dass aus friedlichen Kirchenglocken tausendfach Munition und Waffen wurden. Die Kriegsmaschinerie brauchte Metall zum Einschmelzen. Viele Glocken aus der Region standen damals in Marktoberdorf am Bahnhof und warten auf den Abtransport.

Der damals 51-Jährige Bertoldshofner Josef Albrecht arbeitete zu jener Zeit bei der Metallwarenfabrik Rösle in Marktoberdorf und kam täglich auf dem Weg zum Betrieb am Oberdorfer Güterbahnhof vorbei.

'Mir hat es leidgetan um diese Glocken", sagte Albrecht 1974 in einem Gespräch mit Helmut Kroneck, der die Bertoldshofner Ortschronik verfasste. Also hat er eines Nachts die Glocke nach seiner Schicht in seinen Rucksack gepackt und mit nach Hause genommen. 'Ich war damals auf dem Fahrrad unterwegs und kein Mensch war außer mir auf der Strecke zu sehen. Ich bin vorher keine einzige Nacht heimgehfahren, ohne dass ich nicht irgendjemanden getroffen habe". Noch in der gleichen Nacht hat 'Sattlers Sepp" die Glocke bei der Hammerschmiede im Hornbachtal rund einen halben Meter unter der Erde vergraben.

Dass er damit gegen eine Anordnung des Reiches verstieß, war ihm bewusst. 'Mir war bekannt, dass ich mit der Todesstrafe rechnen musste wegen Wehrkraftzersetzung, wenn ich die Glocke vom Bahnhof stehle und verschwinden lasse", sagte er. Das Gefühl, etwas unternehmen zu müssen, habe ihn aber nicht losgelassen.

Drei Jahre lang lag sie dort geschützt vor den Wirren des Kriegs. Erst im Herbst 1945 hat Albrecht sie wieder ans Tageslicht geholt und auf die Stufen der Hagmooser Kapelle gestellt. Wer sie dort hingebracht hat, darüber habe die Gemeinde lange gerätselt. Zurück an ihren angestammten Platz kam sie aber dennoch nicht sofort: In der Zwischenzeit war eine neue Glocke angeschafft worden. Erst 1999 fand die das von Albrecht gerettet Stück wieder in den Turm zurück.

'Nachdem ich die Glocke auf der Treppe abgestellt hatte, habe ich mich ausgeruht und da habe ich eine Stimme vernommen, die mich fragte was ich dafür wolle. Ich habe niemanden gesehen. Aber ich habe mir gedacht, ich wünsche mir ein langes Leben, und das ist bis heute in Erfüllung gegangen" erzählte er Helmut Kroneck.

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