Weihnachten
Der Traum von einer neuen Welt

Mit festlichen Gottesdiensten haben die Christen in Marktoberdorf die Geburt Jesu gefeiert. In der katholischen Christmette in der Stadtpfarrkirche St. Martin sagte Stadtpfarrer Wolfgang Schilling, dass «alle Jahre wieder» die altvertrauten Worte aus dem Lukasevangelium zu hören seien. «Alle Jahre wieder - und doch jedes Jahr neu», fuhr der Priester fort und erklärte, dass auch wir uns jedes Jahr ändern würden.

Wir hätten Positives, aber auch Negatives erfahren, das uns verändert habe. Die Geburt eines Kindes sei eigentlich nichts Besonderes, es würden immer Kinder geboren, sagte Schilling. «Doch die Geschichte der Geburt Jesu gewinnt besondere Bedeutung durch das, was am Anfang des Glaubens steht und ohne das wir Weihnachten nicht feiern können.» Weil Christus in seiner Auferstehung den Tod überwunden habe, feiern wir. «Die Lichter, die wir am Fest der Geburt Jesu entzünden, sind von der Osterkerze genommen und eigentlich Osterlichter.» Ostern sei das Urfest, und erst «dann hat sich langsam in der gläubigen Reflexion auf die Gestalt Jesu auch Weihnachten entwickelt».

«In diesem österlichen Licht dürfen wir sicher sein, dass der Tod nicht das Ende sei, sondern der Beginn einer Hoffnungsgeschichte.» Jesus von Nazareth habe in dieser Welt eine Spur der Gewaltlosigkeit und des Friedens gelegt. Nun sei es an uns, füreinander offen zu sein in Liebe und Erbarmen. Weihnachten bedeute, «dass wir träumen könnten von einer neuen Welt, in welcher der Mensch nicht der Gegner des Menschen ist, sondern Bruder und Schwester». Der Stadtpfarrer zitierte die Philosophin Hannah Arendt, die meinte: «Es zeichnet den Menschen aus, dass er eine Fähigkeit hat, etwas völlig Neues zu beginnen.» Gott werde uns beistehen, alles abzulegen, was das Leben schwer mache. Ein Satz durchziehe das Lukas-Evangelium, so Schilling: «Bei Gott ist nichts unmöglich.»

«Die kleinen Wunder des Alltags»

Im Familiengottesdienst in der evangelischen Johanneskirche führten drei Kinder- und Jugendgruppen ein Krippenspiel auf: Die trotzige Julia trifft an Weihnachten eine Artistengruppe mit ihren Tieren. Dort erfährt sie von der wunderbaren Heilung des Hirten Micha an der Krippe, kann aber mit dieser «Wundergeschichte» nichts anfangen. Doch dann erlebt sie selbst mit den Tieren eine wunderbare Begegnung. Pfarrer Harald Deininger betonte in seiner Predigt, dass wie im Spiel immer dann Weihnachten für uns werde, wenn Unerwartetes geschieht. Wir müssten nur aufmerksam die kleinen Wunder des Alltags sehen können.

Die Christvesper umrahmte musikalisch Hildegard Rabus an der Orgel, begleitet von Trompeter Andreas Vogt. Pfarrerin Antonia Mangold suchte in ihrer Predigt nach den «Wurzeln» von Weihnachten: Da seien zunächst die Erinnerungen der Kindheit mit den im Familienkreis vertrauten Ritualen des Festes. Ferner herrsche in den dunklen Tagen der Wintersonnenwende eine große Sehnsucht nach Licht und Leben, Halt und Sicherheit. «Oh Erd schlag aus!» heiße es in einem Weihnachtslied und Jesaja künde davon, dass aus der Wurzel eine Rose hervorgehe: Mitten in der Nacht der Welt habe Gott ein Zeichen für Leben und Frieden gesetzt. Nun könne uns bewusst werden, dass gleichsam Gott in uns Wurzeln geschlagen habe und wir ein Zuhause bei ihm gefunden haben. (gb, bau)

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