Porträt
Der Meister des Eises

Ein Eisstadion für Marktoberdorf. Holger Budjarek erinnert sich, dass ihn Freunde für betrunken hielten, als er ihnen von seiner Idee erzählte. Doch Budjarek war klar bei Sinnen. Zusammen mit 15 Gleichgesinnten gründete er 2006 den Verein «Allgäu Amigos» und übernahm den Vorsitz. Und tatsächlich wird das Eisstadion am Mühlsteig heute eingeweiht.

«Ich erfülle mir mit diesem Eisstadion einen eigenen Jugendtraum», schwärmt Budjarek (42). Denn er habe als Dreizehnjähriger in Marktoberdorf angefangen, Eishockey zu spielen. Überragend sei er aber nicht gewesen und so habe er als Aktiver beim Eishockeyverein Marktoberdorf mit 25 Jahren wegen eines Kreuzbandrisses aufgehört. Das Eis hat ihn jedoch nicht mehr losgelassen.

Dem Puck jagte er fortan noch im Hobbybereich hinterher. Dabei sei ihm aufgefallen, dass Hobbyspieler viel Geld fürs Eishockey ausgeben: 200 Euro müsse jeder Spieler pro Saison für die Miete des Eisstadions rechnen. Dieses Geld müsste doch reichen, um auch Eislaufen in Marktoberdorf möglich zu machen, dachte sich da Budjarek. Gelaufen wird im neuen Stadion jetzt über Kunsteis. Früher, als die Anlage noch mit Natureis betrieben wurde, habe es vier, fünf Tage gedauert, bis alles präpariert war.

Und mit einem Regen war das Eis wieder weg, erzählt Budjarek.

Die Hochzeit musste warten

Das wird jetzt nicht mehr passieren. Doch von der Idee bis zur Einweihung des Stadions war es ein hartes Stück Arbeit. Das wiederum sieht man dem gelernten Elektrotechniker Budjarek nicht an. Er strahlt übers ganze Gesicht und ist stolz auf die Leistung der Amigos. Er selbst hat sich sogar zwei Monate von seiner Stelle bei der Marktoberdorfer Kläranlage freistellen lassen - unentgeltlich. Soviel ist ihm sein Traum wert. Und ab 2. Dezember hängt Budjarek seinen Job dort ganz an den Nagel und wird hauptamtlicher Eismeister des Eisstadions. An die wärmeren, eisfreien Monate hat er ebenso gedacht: Da möchte er den Kiosk am Eisstadion betreiben und an der Baustelle weiterarbeiten.

Denn zu tun gebe es noch genügend.

Kein Wunder, dass die Kläranlage mit dem Eisstadion letztlich nicht mithalten konnte. Denn hier hat Budjarek ein zweites Zuhause gefunden, in das er seit Baubeginn im Oktober 2009 aber auch viel Zeit investierte. Seine Lebensgefährtin Sandra Stumpe habe ihm das nicht krumm genommen. Im Gegenteil: Nächstes Jahr im Juli soll geheiratet werden. «Heuer wäre für die Hochzeit keine Zeit gewesen», sagt Budjarek lächelnd. Das habe er seiner Sandra schon Anfang des Jahres zusammen mit dem Antrag eröffnet.

Der Vater unterstützt ihn

Unterstützung bekommt Holger Budjarek auch von seinem Vater Gerhard Budjarek (68). Der montiert gerade die Türbeschläge des künftigen Küchen- und Aufwärmraumes, als sich sein Sohn eine kurze Auszeit nimmt, eine Tasse Kaffee trinkt und eine Zigarette raucht. «Mein Vater hat mich als kleinen Bub mit dem Eishockey-Virus infiziert, als er mich zu den Spielen in Füssen mitgenommen hat», sagt Holger Budjarek.

Um die Buben (und Mädchen) geht es ihm heute selbst: «Ich möchte jedem die Möglichkeit geben, Eissport auszuprobieren.» Dafür haben er und die Amigos viel Geld in die Hand genommen. Doch Budjarek bleibt locker: «Obwohl wir jetzt einen Haufen Schulden haben, hat jeder von uns ein Lächeln im Gesicht.»

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