Porträt
Der Marktoberdorfer Autor Franz-Josef Körner (53) ist sehr produktiv: Fast jedes Jahr bringt er ein Buch heraus

'Wenn es eine Wiedergeburt gäbe, dann wäre Ludwig II. ein Michael Jackson.' Das sagt Franz-Josef Körner über die Popularität und Popstarqualitäten des berüchtigtsten König Bayerns. Ludwig II. ist ein Mythos und hat in diesem Jahr neben unzähligen Buchneuerscheinungen dem Haus der bayerischen Geschichte mit rund 570 000 Besuchern die erfolgreichste Ausstellung seit 1978 beschert. Auch Franz-Josef Körner arbeitet an dem Mythos mit. Der 53-jährige Marktoberdorfer hat pünktlich zum 125. Todesjahr einen Roman mit dem Titel 'Gold für den Märchenkönig' im Thalhofener Bauer-Verlag (Ostallgäu) herausgebracht.

Doch steht nicht seine Majestät selbst im Mittelpunkt, sondern ein Netz aus historischen und fiktiven Figuren, die in eine raffiniert eingefädelte Intrige verwickelt sind. Mit 40 zu 60 beziffert Körner das Verhältnis von Historischem zu Fiktivem seines knapp 320 Seiten fassenden Romans. Das Rätsel um den Tod des 'Märchenkönigs' ist Ausgangspunkt für Körners spannende, gut geschriebene Geschichte. Sie spielt ein halbes Jahr vor Ludwigs Tod, im Jahr 1886.

Eine Art Teufel

Auch Körner klärt das Rätsel nicht, aber er fabuliert, wie es hätte sein können. Ziel der das Buch dominierenden Intrige ist es, den König als unmündig erklären zu lassen und abzusetzen. Was auf Seiten der Politik mittels eines Geheimdienstagenten vorangetrieben wird, erledigt ein gewisser Friedrich, eine Art fahrender Magier, auf seine Weise.

Er will Ludwig für noch ausgefallenere Bauprojekte wie ein Wasserschloss begeistern und die nötigen finanziellen Mittel in Form von Goldgewinnung gleich mit dazu liefern.

Dieser spannenden Figur des Friedrich, einer Art Teufel, der Menschen wie Marionetten benutzt, ist der Autor Körner in einer englischen Sage über einen alten Seemann begegnet. Außerdem schwirrte dem Rolling-Stones-Fan immer deren Song 'Sympathy for the Devil' im Kopf herum. Zwei E-Gitarren stehen im Zimmer. Ab und zu mache er auch Musik, aber nur für sich, sagt der zweifache Familienvater.

In einer Art Finale des Romans heuert Friedrich eine Seiltänzerin an, die zur Unterhaltung von Ludwig und Sissi auf einem brennenden Seil ohne Netz über die Pöllatschlucht balanciert. Um dann die Brücke, auf der Ludwig und sein Gefolge stehen in die Luft zu sprengen. Der Anschlag misslingt dank Max, eines ehemaligen Assistenten des königlichen Architekten, der Protagonist eines weiteren Erzählstrangs ist. Angefangen habe Körner das Thema Ludwig zu denken, als er vor dreizehn Jahren der Liebe wegen ins Allgäu kam. Schnell war klar, dass er, was die Ludwig-Fakten betreffe, sattelfest sein müsse. 'Im Laufe der Zeit haben etwa 50 Bücher über Ludwig diesen Tisch gequert.

' Körner zeigt auf den Tisch vor sich, der in dem kleinen Wintergarten seines Reiheneckhauses steht. Seine Schreibwerkstatt. Mit Blick ins Weite und am Abend auf den Sonnenuntergang.

Vor fünf Jahren entstanden die ersten Kapitel des Ludwig-Romans. In diesen fünf Jahren allerdings haben sich mehrere Bücher dazwischengemogelt. Was Körner so bescheiden dahinsagt, beziffert sich auf fünf Bücher. Jedes Jahr ein Buch also.

Schreibblockaden kenne er nicht. 'Wahrscheinlich, weil ich nicht darauf angewiesen bin', sagt Körner, der als Gymnasiallehrer für Sport und Englisch an der FOS in Kaufbeuren arbeitet. 'Den ersten Satz, der Literatur werden sollte, habe ich mit 18 geschrieben.

' Von da an habe er immer geschrieben, doch alle eingereichten Manuskripte kamen mit Standardabsage zurück.

Misslungener Roman

Seit 2004 ist das anders. Seit diesem Jahr sind sieben Bücher, fast ausschließlich historische Romane von ihm erschienen, zwei davon im renommierten Piper Verlag. Warum weilt er schreibend immer in der Vergangenheit? 'Vielleicht ist das wie in der Malerei, dass man mit dem Konkreten anfängt und dann erst zum Abstrakten geht', erklärt er und erzählt von seinem ersten misslungenen, wohlgemerkt zeitgenössischen Roman über das Leben als Taxifahrer. Ein Leben, das er als Student selbst geführt habe.

Körner schaut hinaus ins schwächer werdende Licht. Dann lässt er die Katze herein. Sein nächstes Buch spiele im 14. Jahrhundert, sagt er. Es erzählt von der Flucht einer Nonne quer durch Europa

Hier arbeitet er: Franz-Josef Körner im Wintergarten seines Reihenhauses. Foto: Ernst

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