Porträt
«Das Stricken kann ich schier nicht lassen»

Es ist wieder in Mode gekommen - das Sockenstricken. Immer mehr schätzen die warme reine Wolle an den Füßen. Die Marktoberdorferin Auguste Linder ist dieser Handarbeitskunst stets treu geblieben - und stickt seit fast 20 Jahren für einen guten Zweck. «Für mich ist das ein schöner Zeitvertreib», erzählt die Rentnerin, die immer auch einen Stand beim Marktoberdorfer Weihnachtsmarkt hatte, an dem sie ihre Handarbeiten feilbot und danach jedes Jahr 500 bis 600 Euro an gemeinnützige Organisationen spendete. Mit 78 Jahren denkt sie allerdings ans Aufhören. Solch ein Basar werde ihr zu anstrengend, erzählt sie. Das Stricken selber aber könne sie «schier nicht lassen».

Vor etwa 40 Jahren kam Auguste Linder nach Marktoberdorf. Sie hatte einen Marktoberdorfer geheiratet und zog von ihrer Heimatstadt Isny ins Ostallgäu. Bis dahin hatte sie in verschiedenen Fabriken gearbeitet: bei einer Spulenfabrik in Kleinweilerhofen, beim Kraft-Käsewerk und beim Lieberherr-Flugzeugwerk in Lindenberg. Seit 1984 ist sie verwitwet. Das Haus, das sie und ihr Mann hatten, wurde ihr zu mühsam. Sie verkaufte es und bezog eine Wohnung im Service-Wohnen. «Hier bleibe ich, bis es nicht mehr geht», sagt die 78-Jährige, die mit sieben Geschwistern in Isny aufgewachsen ist. Trotz mancher gesundheitlicher Probleme, so sagt sie, sei sie sehr zufrieden mit ihrem Leben. «Ich möchte mir mein ganzes Leben nicht anders vorstellen.»

Als ihr die Zeit als verwitwete Frau zu lang wurde, stürzte sie sich aufs Handarbeiten. Unzählige Gobelins habe sie gestickt, erzählt sie. Sie habe Sektkorken umhäkelt und als kleine Blumenväschen verkauft: «Das war eine Zeitlang der Renner.» Aber die Nachfrage auf den Wohltätigkeitsbasaren habe, gerade was Gobelins anbelangt, nachgelassen. Am besten gingen seit geraumer Zeit eben die Socken, die sie im Jahr dutzendfach strickt. Und manchmal kämen Frauen zu ihr, denen sie zeigen soll, wie so eine Ferse zu stricken sei. Das macht Auguste Linder ein bisschen stolz. Auch dass sie mit ihrem Hobby eine erkleckliche Summe für soziale Zwecke zusammengebracht hat. Genau hat sie sie nicht ausgerechnet. Aber in etwa dürften es in den fast 20 Jahren weit über 10000 Euro sein. (sg)

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