Wirtschaft
BSE: Katastrophe fürs Ostallgäu

Falls in Deutschland ein BSE-Fall auftritt, wäre das für das Ostallgäu »eine Katastrophe«, sagte Remig Lutz, Obermeister der Fleischerinnung vor wenigen Tagen. Wenig später trat dieser Fall ein. Bei zwei in Deutschland geborenen Rindern in Schleswig-Holstein verliefen BSE-Tests positiv. Diese Nachricht schreckte gestern nicht nur Verbraucher auf: Denn Rinder stellen im Ostallgäu einen enormen Wirtschaftsfaktor dar.

In den hiesigen Ställen stehen 155.000 Rinder, die Firma Moksel in Buchloe gilt als einer der größten Rindfleischvermarkter Bayerns, in der Tierkörperbeseitigungsanstalt (TBA) Kraftisried werden Kadaver zu Tiermehl verarbeitet. Oberste Priorität für Veterinärdirektor Dr. Johann Ludwig hat die Gesundheit der Verbraucher.

Genau dafür ist Ludwig im Landratsamt verantwortlich. Doch die Diskussion der vergangenen Tage machte die Arbeit nicht einfach. Viele Themen standen im Raum: ein Verbot der Tiermehl-Verfütterung, die Einführung von BSE-Schnelltests, Importverbote. Von der EU wurde Deutschland schon lange als BSE-Risikoland klassifiziert. Grund dafür waren Rinder- und Tiermehlimporte in der Vergangenheit. Nachgewiesen wurde früher bereits bei sechs Tieren in Deutschland der Erreger der Rinderseuche, an der auch Menschen tödlich erkranken können. Doch betroffen waren bisher nur Tiere, die aus England oder der Schweiz importiert worden waren. Dies hat sich nun grundlegend verändert.

Stichproben in Kraftisried

Ohne BSE-Nachweis verliefen hingegen 61 Stichproben aus Rinderhirnen, die in jüngster Zeit in der TBA genommen wurden. In dieser Anlage werden kranke Tiere aus weiten Teilen Südbayerns zu Tiermehl verarbeitet. Darunter jährlich rund 6.000 Rinder. Doch der Standard dieser Anlage, so der Veterinärmediziner, sei mit den französischen Tiermehlfabriken nicht zu vergleichen. Das Fleisch werde bei 133 Grad unter hohem Druck 20 Minuten lang gekocht, so töte man auch BSE-Erreger ab. In Frankreich ist die Temperatur deutlich niedriger.

Über das ständige Hin und Her der Politiker ärgert sich Kreiskämmerer Hermann Thoma als Geschäftsführer des TBA-Zweckverbands. Denn erst vor kurzem machte eine neue Verordnung für BSE-Risikomaterial eine kostenintensive Neuorganisation der TBA-Landschaft Bayerns erforderlich. Thoma stellt sich nun darauf ein, dass die Verfütterung von Tiermehl generell verboten wird. Konsequenz: Das Tiermehl - bisher als Eiweißfutter verkauft- müsste verbrannt werden. Wichtige Einnahmen für die TBA würden wegfallen, die Gebühren würden - zu Lasten von Verbrauchern und Steuerzahlern - "nochmals explodieren".

Verunsichert sind auch die Fleischer. Obermeister Remig Lutz ärgert sich, dass die Politiker nicht früher durch eine "Wurzelbehandlung" die Gefahr gestoppt haben. Statt eines Importverbots für englische und französische Rinder habe man nur "Oberflächenkosmetik" betrieben. Skeptisch steht er auch den Schnelltests gegenüber. Denn nur 60 Prozent der Schlachttiere sind älter als zwei Jahre und damit in einem testfähigen Alter. Lutz rät den Kunden, bei bekannten Metzgern zu kaufen. Denn diese verwendeten nur heimische Tiere und auch die Wurst werde in einer handwerklichen Metzgerei zu 90 Prozent selbst hergestellt, so dass auch der Fleischer für die Herkunft der Rohstoffe bürge.

Die Herkunftsnachweise bayerischer Rinder stellt auch Bauernverbands-Kreisobmann Franz Unsin heraus: Es dürfe nicht sein, dass die deutschen Landwirte nun durch höhere Entsorgungs- und Testkosten für die Nachlässigkeit anderer EU-Länder bestraft werden. Denn der Fleischmarkt sei ohnehin völlig zusammengebrochen. Bei Moksel in Buchloe stand aus diesem Grund das Schlachtband vor kurzem für zwei Tage still. Denn vor allem der Export von Allgäuer Rindfleisch nach Italien und Frankreich sei ins Stocken geraten.

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