Prävention
Beratung in Marktoberdorf für Jugendliche mit Alkoholvergiftung gleich nach Einlieferung in die Klinik

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Eine ungesunde Modewelle unter Jugendlichen hält an. Jener Trend nämlich, in kürzester Zeit möglichst viel Hochprozentiges zu trinken. Das sagte Dr. Thomas Rubens, Chefarzt der Kaufbeurer Kinderklinik, als jüngst im Jugendamt die aktuell aufgelisteten Zahlen zum Alkoholmissbrauch von Jugendlichen in der Region präsentiert wurden. Seit 2009 wird festgehalten, wenn junge Menschen unter 18 Jahren alkoholisiert in den Ostallgäuer Kliniken beziehungsweise im Klinikum Kaufbeuren landen.

Gemeinsames Hilfsangebot

In der Kinderklinik erhalten sie und ihre Eltern zugleich ein Hilfs- und Beratungsangebot, das gemeinsam vom Landkreis Ostallgäu und der Stadt Kaufbeuren getragen wird. Es firmiert unter dem Namen 'Halt – Hart am Limit'.

Ein Projekt, das nach Ansicht der Experten gute Erfolge gebracht hat. Und das Angebot soll nach Angaben von Nikolaus Augenstein, dem Ostallgäuer Jugendschutzbeauftragten, nun auch immer weiter im Ostallgäu ausgebreitet werden.

Wie Rubens ausführte, sei nicht absehbar, wann die besagte Modewelle wieder abklingen werde. 'Viele Jugendliche wollen sich beweisen, dazu kommen Gruppenzwänge.

' Es sei allerdings eine wichtige Entwicklungsleistung des jungen Menschen, zu lernen, mit dem Alkohol, den es nun einmal in unserer Gesellschaft gebe, umzugehen. Waren früher vor allem Jungen stark betrunken, so hätten inzwischen die Mädchen aufgeholt.

'Es besteht in etwa Parität', so Rubens. Im Jahr 2011 waren die Mädchen bei Aufnahmen in der Kaufbeurer Kinderklinik, bei denen erheblicher Alkoholkonsum festgestellt wurde, etwas in der Mehrheit.

In den allermeisten Fällen kommen die Jugendlichen per Sanka. Dabei steht nicht selten der Alkoholkonsum gar nicht im Vordergrund. 'Manche haben sich verletzt, 70 Prozent der Fälle sind auch unterkühlt.

' Rubens betont, dass der Alkoholkonsum durch alle gesellschaftlichen Schichten zu beobachten sei. Es kommen also auch Jugendliche aus so genannten besseren Häusern. Besorgniserregend sei der frühe Alkoholkonsum von Mädchen. In der Altersgruppe 13 und 14 Jahre stellen diese die größte Gruppe der in der Klinik Registrierten.

Die meisten Besäufnisse, so zeigt sich, finden im privaten Kreis oder an unspezifischen Stellen im Freien (Plätze, Wege, Wald) statt – nicht aber bei großen Festen, wo ohnehin die Veranstalter mit Ordnungsdiensten und oft auch in Zusammenarbeit mit der Polizei kontrollieren.

Sensible Phase

Laut Werner Maurer, stellvertretender Leiter des Kaufbeurer Jugendamtes, wirkt das Halt-Projekt in Stadt und Landkreis erfolgreich: Seitdem es 2009 eingeführt wurde, sind über 130 Jugendliche aufgenommen worden – aber in dieser Zeit wurden nur zwei zum zweiten Mal aufgenommen.

Das Brückengespräch, das unmittelbar nach dem Trinkereignis stattfindet, fällt in eine sensible Phase, in der man offenbar den Jugendlichen gut erreichen kann, erläutert Dr. Hermann Seifert vom Förderkreis Schule und Jugend Oberbeuren, der vor allem versucht, über die Vereine das Thema Alkoholprävention anzugehen.

Aufklärungsbedarf besteht in jedem Fall, stellt Rubens in der klinischen Praxis fest. 'Viele Jugendliche wissen gar nicht genau, dass beispielsweise bestimmte Reflexe und auch das Erkennen von Gefahren wirklich stark beeinträchtigt sind.' Er erinnert sich sehr ungern an einen jungen Mann, den er vor Jahren in seiner Klinik behandeln musste.

Dieser hatte sich am Bahnhof in Kaufbeuren betrunken an einen Zug gelehnt. Er war dann gestürzt, worauf ihm vom Zug beide Beine abgetrennt wurden.

Nikolaus Augenstein möchte das Angebot nun nach den Erfahrungen in und um Kaufbeuren auch auf andere Bereiche des Ostallgäus ausdehnen. Bislang war das Haltprojekt an die Zusammenarbeit mit der Kinderklinik am Kaufbeurer Klinikum gekoppelt.

Als nächstes sei der Füssener Bereich vorgesehen. Dann sollen Jugendliche angesprochen werden, die betrunken im Füssener Krankenhaus landen.

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