Porträt
Benediktinerpater Karl Meichelbeck aus Markt Oberdorf zählt zu den bedeutendsten Söhnen der Stadt

 Im Stadtmuseum Marktoberdorf kann die Nachbildung eines Porträts von Karl Meichelbeck betrachtet werden, dessen Original sich in der Sakristei in Benediktbeuern befindet.
  • Im Stadtmuseum Marktoberdorf kann die Nachbildung eines Porträts von Karl Meichelbeck betrachtet werden, dessen Original sich in der Sakristei in Benediktbeuern befindet.
  • Foto: Stadtarchiv
  • hochgeladen von Camilla Schulz

Am 29. Mai vor 350 Jahren wurde im Markt Oberdorf Johann Georg Meichelbeck geboren. Als Pater Karl Meichelbeck ging er in die Geschichtsschreibung ein. Der wohl bedeutendste Mönch des Klosters Benediktbeuern prägte mit seiner zweibändigen Geschichte der Diözese Freising („Historia Frisingensis“) und der Chronik der Benediktinerabtei Benediktbeuern („Chronicon Benedictoburanum“) die wissenschaftliche Geschichtsschreibung im deutschsprachigen Raum nachhaltig.
Von der Bedeutung, die ihr Sohn einmal einnehmen sollte, konnten Georg Meichelbeck und dessen Ehefrau Rosina nichts ahnen, als Johann Georg am 29. Mai 1669 als ihr erstes Kind das Licht der Welt erblickte.

Obwohl Georg eine kleine Landwirtschaft betrieb und als Seiler einen Zuverdienst hatte, waren seine Eltern, wie Meichelbeck später in seinem Tagebuch festhielt, nie mit „Glücksgütern“ gesegnet. Sie fristeten ein ärmliches Leben, weshalb die Mutter ihren erstgeborenen Sohn schon sehr früh in die Obhut der eigenen Eltern Johann und Regina Carl nach Stötten gab, denen es aufgrund der Position des Vaters als Schulmeister und Mesner etwas besser ging. Um den hochintelligenten Jungen, der von seinem Großvater Elementarunterricht bekam, weiterhin zu fördern, brachte ihn seine Mutter im Sommer 1677 in die Benediktinerabtei nach Benediktbeuern, wo er als Chorknabe und Lateinschüler aufgenommen wurde. Im Jahr 1687 schloss Meichelbeck seine Ausbildung am Münchner Wilhelmsgymnasium erfolgreich ab, bevor er im Dezember 1688 das Ordensgelübde in Benediktbeuern ablegte und den Namen Karl annahm. Seine philosophisch-theologischen Studien absolvierte er in Benediktbeuern, Scheyern und Salzburg.

1694 empfing Meichelbeck in Augsburg die Priesterweihe. Über Landsberg erreichte er am 20. September seinen Heimatort Oberdorf, den er laut Tagebuch kaum wiedererkannte. Dort erwartete ihn ein herzlicher Empfang bei seinen Eltern und Schwestern sowie bei der Familie des Pflegers Herrn von Stein, der darauf bestand, dass Meichelbeck bei seinem zweitägigen Aufenthalt im Oberdorfer Schloss übernachtete.

Im Frühjahr 1696 übernahm Meichelbeck die Stelle des Bibliothekars in Benediktbeuern, bevor er 1708 zum Archivaren seiner Abtei ernannt wurde. Neben dem Führen der Annalen, also der Jahrbücher der Kongregation, als Geschichtsschreiber und dem Auswerten historischer Unterlagen für rechtliche Belange, bestand seine Hauptaufgabe in der Sichtung und Sortierung des Archives.
Dieses befand sich nach dem Dreißigjährigen Krieg in einem desolaten Zustand. Sämtliche Archivalien waren planlos in 421 Kisten verstaut. Meichelbeck reflektierte später, dass er innerhalb von zehn Jahren den Bestand dreifach durchgegangen sei, um eine Ordnung der Archivalien schaffen zu können. Während dieser Tätigkeit lernte er den Umgang mit den Quellen und deren Wert für die Geschichtsforschung intensiv kennen, was ihm für seinen weiteren Werdegang nützen sollte.

Für Aufsehen gesorgt

Denn auf Bitten des Freisinger Fürstbischofs Johann Franz Eckher siedelte er im Jahr 1722 nach Freising über, um anlässlich der Feierlichkeiten zum 1.000-jährigen Bestehen des Freisinger Bistums eine Chronik anzufertigen. Bereits nach zwei Jahren konnte er den ersten Teil der „Historia Frisingensis“, welche auf 440 Seiten die Geschichte des Bistums Freising von seiner Gründung bis in das Jahr 1224 hinein abhandelt, fertigstellen und in der Fachwelt großes Aufsehen erregen: Mit der „Historia Frisingensis“ hatte Meichelbeck ein für die Geschichtsschreibung im süddeutschen Raum bisher einzigartiges und überragendes Werk geschaffen, welches Einzug in alle bedeutenden Bibliotheken Europas finden sollte.

Im Gegensatz zu vorher erschienenen Chroniken stützte sich Meichelbeck nämlich nicht nur auf Legenden und bereits gedruckte Abhandlungen, sondern überprüfte jede seiner Aussagen und Thesen anhand der originalen Quellen, die er in zahlreichen Archiven zusammensuchte. Diese Methode, die sich an der Arbeitsweise der französischen Ordensgemeinschaft der Mauriner orientierte, war in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum noch neu und revolutionär. Die „Historia Frisingensis“ war das erste Werk im süddeutschen Raum, welches den Grundsätzen der Mauriner vollständig entsprach.

Durch dieses bis dahin einzigartige Werk wurden auch einige bedeutende Zeitgenossen auf Meichelbeck aufmerksam: So lud ihn der Abt des Stiftes Göttweig in Niederösterreich mehrfach nach Wien ein, um ihn als kaiserlichen Geschichtsschreiber zu gewinnen.

Doch Meichelbeck blieb seiner Heimat treu. Er kehrte 1727 nach Benediktbeuern zurück, schrieb den zweiten Teil der „Historia Frisingensis“ und verfasste nach gleichem Muster eine Chronik des Stiftes Benediktbeuern, die „Chronicon Benedictoburanum“, die ebenfalls hohe Anerkennung fand. Leider erlebte Meichelbeck die Veröffentlichung dieser um das Jahr 1751 nicht mehr. Er erlitt 1733 einen Schlaganfall und starb am 2. April 1734 in Benediktbeuern, wo er in der Gruft der Abteikirche beigesetzt wurde.

Mehr über das Thema erfahren Sie in der Mittwochsausgabe der Allgäuer Zeitung, Ausgabe Marktoberdorf, vom 29.05.2019.

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Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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