Soziales
Bedarf an Jugendsozialarbeitern im Ostallgäu steigt

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Ob psychische Probleme, Wohlstandsverwahrlosung oder der hohe Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund: «Der Bedarf für die Jugendsozialarbeit an Schulen nimmt zu», betont Silvia Schwarz und untermauert ihre Aussage mit Zahlen.

Im vergangenen Schuljahr waren die Sozialpädagogin und ihre zwei Kollegen demnach an der Mittelschule Marktoberdorf mit 111, an der Berufsschule Ostallgäu mit 89 Einzelfällen betraut.

Eine erhebliche Steigerung gegenüber dem Schuljahr 2006/2007 mit 34 Einzelfällen (Mittelschule) oder 38 (Berufsschule). An diesen Schulen feiert die Jugendsozialarbeit (JAS) fünfjähriges Bestehen. Im Herbst 2006 wurde für beide Schulen eine gemeinsame Stelle geschaffen, die sich zunächst die Sozialpädagoginnen Christine Mayer und Silvia Schwarz teilten. Im September 2008 wurde sie auf zwei ganze Stellen aufgestockt.

Das fünfjährige Bestehen der Jugendsozialarbeit nahmen Schwarz, Mayer sowie ihr Kollege Martin Klotz (seit 2008) zum Anlass, Zwischenbilanz zu ziehen. Diese fällt gemischt aus: Zu dritt könnten sie eine Einzelbetreuung nur << in den krassesten Fällen >>, so Schwarz, leisten. Deshalb müssten sie eine Auswahl treffen und es gebe mehr Akuthilfe als Prävention. Zumal sie sich laut staatlichem Auftrag nur um sozial Benachteiligte kümmern dürfen. Viele Schüler erreichten sie daher nur durch Projekte oder soziale Gruppenarbeiten.

Psychiatrische Auffälligkeiten statt Lernschwierigkeiten

Zugleich betonen Martin Klotz und seine beiden Kolleginnen die gute Kooperation miteinander. Sie berichten von gemeinsamen Projekten wie Sozial- und Bewerbungstrainings oder präventiver Schuldnerberatung. Auch bei Einzelfällen finde konstruktiver Austausch statt, wenn Beteiligte sowie deren Eltern einverstanden sind. << Es gibt Jugendliche, die begleiten wir von der fünften Klasse bis zum Abschluss an der Berufsschule >>, so Schwarz.

Laut der Sozialarbeiter steigt indes nicht nur die Zahl << ihrer >> Jugendlichen. Auch die Betreuung würde komplexer. Immer weniger ginge es um bloße Lernschwierigkeiten, sagt Christine Mayer. Vielmehr seien - etwa wegen der Zunahme psychischer Erkrankungen der Eltern - Familienhilfe und Begleitung im Alltag erforderlich.

Was psychiatrische Auffälligkeiten von Schülern angeht bis hin zum Selbstmordversuch, so Schwarz, hätten sich allein an der Berufsschule die Fälle innerhalb eines Jahres von acht (2009) auf 16 (2010) verdoppelt.

Fachkräftemangel führt zu mehr << nicht reifen >> Lehrlingen

Die Integration von behinderten Kindern in die Mittelschule (Inklusion) birgt laut Mayer weitere Probleme für Klassensituationen. An der Berufsschule führe der Fachkräftemangel zu immer mehr << nicht ausbildungsreifen >> Lehrlingen mit Betreuungsbedarf, sagt Schulleiter Remigius Kirchmaier.

Angesichts steigender Fallzahlen und Anforderungen findet es Kirchmaier unverständlich, dass die Jugendsozialarbeit nicht weiter aufgestockt wird: << Stattdessen entschied Seehofer, die Förderung der JAS für zwei Jahre auszusetzen. Für mich ist das ein Skandal. >> Und Stefan Leister von der katholischen Jugendfürsorge spricht von << suspekten Ministeriums-Rahmenbedingungen für die Jugendsozialarbeit >>.

Auch Schulrat Karl Wittek würde sich eine Aufstockung wünschen, sagt aber zugleich, dass mittlerweile jede Mittelschule im Ostallgäu Jugendsozialarbeiter habe (<< mit mindestens einer halben Stelle >>).

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