Eierfrauen
Auf dem Klöck-und-Hartmann-Hof bei Bidingen leben 1300 Hühner in Bodenhaltung

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Der Osterhase wohnt zwischen Ob und Bernbach im Moos. Seine bunten Eier verkaufen die Eierfrauen auf Marktoberdorfs Wochenmarkt. Das ist die eine Geschichte. Die andere – nicht kinderfreie – erzählt vom Einsiedlerhof in der Birkenau im Moos bei Bidingen und einem Stall mit 1300 Hennen. Deren Eier verkaufen Rita Klöck (72) und Martina Hartmann (36), Mutter und Tochter, auf dem Markt, wo man sie als 'die Eierfrauen' kennt. In der Zeit vor Ostern ist besonders viel los an ihrem Stand. Da bleibt kaum Zeit für ein Schwätzchen. Und weil die Direktvermarkterinnen vom Klöck & Hartmann-Hof ihr Handwerk beherrschen, geht es zack-zack. Die eigentliche Arbeit passiert aber im Moos in der Birkenau.

Dort im Stall legen die braunen und weißen Hennen auf zwei Etagen in Bodenhaltung ihre Eier – im Schnitt 1150 täglich. 'Wir dürften noch ein paar hundert Hennen mehr halten', sagt Martina Hartmann, die wegen der Hygiene nur im übergezogenen, grünen Schutzanzug in den Stall geht.

Drinnen fühlen sich die Hühner offenbar wohl, sie sind zutraulich: Die einen picken in ihrem Scharrraum, die anderen fressen in den Volieren – den Metallregalen, wo sie ihr Futter finden. Wieder andere Hennen legen gerade ein Ei – in dafür vorgesehenen Nestern mit weichem Noppengitter.

Über 40 Jahre alte Tradition

Hühnerhaltung hat bereits Tradition in der Birkenau. Die ersten Eier verkauften vor über 40 Jahren Martina Hartmanns Großeltern, seit 35 Jahren gibt es die Eier auf den Wochenmärkten in Marktoberdorf und Schongau. Heute leben und arbeiten auf dem Familienbetrieb drei Generationen: Martina Hartmann mit Mann Norbert und den drei Söhnen.

Im selben Haus wohnen auch Martina Hartmanns Bruder Bernhard Klöck und die Eltern der Beiden, Rita und Georg Klöck. Nur ein paar Meter vom Haus entfernt steht der Stall mit den Hennen, um die sich die Familie gemeinsam kümmert: Misten ist zum Beispiel Männersache. Außer den Hühnern halten die Landwirte 50 Jerseykühe und betreiben eine Biogasanlage. Diese liefert auch die Wärme für den Hennenstall: 'Unsere Hennen haben Fußbodenheizung', sagt Martina Hartmann lachend.

Die 36-Jährige ist reingewachsen in die Welt des Bauernhofes und macht ihre Arbeit mit Leidenschaft. Und das, obwohl ihr Arbeitstag von 6 bis 19 Uhr dauert. 'Aber mit Pausen', betont sie. Sie genießt es, ihr eigener Chef zu sein und viel Zeit mit den Kindern zu verbringen. Die wollen auch mal Bauer werden. Johannes (14) ist der Älteste, er interessiert sich gerade am meisten für die Hennen. Vielleicht steigt er mal mit ein ins Eiergeschäft.

Eigenes Futter

Selbst gemischt wird auf dem Klöck & Hartmann-Hof das Hennenfutter: aus Weizen, Körnermais, gepresstem Gras, Mineralen und nicht genmanipuliertem Soja. 'Durch den Dioxinskandal hat das Geschäft bei uns noch angezogen', sagt Hartmann. Die Kunden vertrauen ihrer Direktvermarkterin.

Auf den Wochenmärkten seien 90 Prozent Stammkunden, erzählt Rita Klöck. Und die freuen sich jeden Herbst schon auf die Suppenhühner. Denn mit zwei Jahren werden die Hennen in der Birkenau geschlachtet. 'Danach würden sie viel weniger Eier legen', erklärt Martina Hartmann. Deshalb endet dann das Leben der Hennen, die mit 18 Wochen von einer Zucht in Nördlingen auf den Hof gekommen sind.

Zum Färben nach Thannhausen

Ob die Eier nun aber der Osterhase färbt oder doch eine Firma in Thannhausen, das ist eine andere Geschichte. Heute am Karsamstag bleibt für Geschichten auf dem Wochenmarkt ohnehin nicht viel Zeit. Georg Klöck hat in Schongau schon am Gründonnerstag bunte sowie ungefärbte Eier verkauft. Und nach Ostern? 'In der Woche danach will erst mal keiner mehr Eier, aber dann spielt es sich schnell wieder ein', sagt Martina Hartmann.

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