Peru
Anna Probst will Kindern dabei helfen, mit Musik dem Elendsviertel zu entkommen

Nach dem Abi erst einmal «weg sein» und ins Ausland gehen: Das will Anna Probst aus Görwangs schon lange. «Mein Traum ist ein südamerikanisches Land», sagt sie. Um so glücklicher ist die 20-Jährige, dass sie am 14. September für ein Jahr nach Peru fliegen kann.

Dass ihr ehrenamtlicher Aufenthalt dort mit Musik zu tun hat, versteht sich fast von selbst: Schließlich ist sie eines von fünf Kindern des Vollblutmusikers Harald Probst. Sie singt und spielt in dessen Band << Funkahex >> sowie in der Frauengruppe << Jasm >> Bratsche und unterrichtet Geige. Mit ihrem Faible für Streichinstrumente hat sie sich indes vom Vater emanzipiert: << Ich wollte was spielen, von dem Papa keine Ahnung hat >>, sagt Anna, die nach ihrem Auslandsaufenthalt Musiktherapie studieren will. Seit der vierten Klasse lernt sie Geige, seit der neunten Bratsche.

Nun also erst einmal Peru: Anna, die auch im Orchester des Gymnasiums Marktoberdorf aktiv war, macht dort in Trujillo << oberhalb >> Limas mit Straßenkindern Orchesterarbeit. Für Mestizos und indigene Bevölkerung herrschen in Peru schlechte Lebensbedingungen, weiß Anna. Die Hälfte der Menschen lebe unter der Armutsgrenze. Das gelte auch für Trujillos Armenviertel << El Povenir >>: << Die Leute wohnen zum Teil in Lehmhütten. >>

Mit den Kindern dieser Menschen hat Anna bald zu tun. Im Orquesta de Barro, dem Jugendsinfonieorchester << aus dem Lehm >>, sowie im Nachwuchsorchester B spielen über 50 Peruaner von fünf bis 20 Jahren. Hinzu kommt die angegliederte Musikschule Arpegio.

Anna soll dort ganztägig Geige, Bratsche, Deutsch und Englisch unterrichten, im Orchester Stimmproben der Bratschisten leiten und die Musiker auf Konzertreise begleiten.

Riesige Chance

Für die Kinder des Armenviertels sei das Projekt, das sich über Spendengelder finanziert, eine riesige Chance, dem Leben im Slum zu entkommen. Viele von ihnen seien sonst auf der Straße, wo die Gefahr groß sei, in Banden und Drogengeschichten rein zu rutschen. << Durch die Musikschule, wo sie zusammen mit reicheren Kindern musizieren, können sie ganz anders leben. >>

Auch Anna selbst wird mit ihren vier Mitfreiwilligen in einer Wohngemeinschaft in der Musikschule leben. Da dort ausschließlich Freiwillige unterrichten - die Hauptamtlichen bestreiten die Verwaltung -, hat sie viel Eigenverantwortung.

Gut geschult

Dafür geschult wurde sie bei einem Seminar in Tübingen. Zudem lernte sie zwei Jahre lang Spanisch. Gefördert wird ihr musikalischer, entwicklungspolitischer Freiwilligendienst mit Geldern von << weltwärts >> und der << Freunde Waldorf >>. Apropos Sponsor: Seit Februar hat Anna selbst mit Freunden bei vier Benefizkonzerten Geld gesammelt, das ihrer Arbeit in Peru zugute kommt.

Jetzt ist ihre Vorfreude auf das für sie fremde Land und das nur 20 Minuten entfernte Meer groß, wie sie mit leuchtenden Augen betont. Dort kann sie übrigens sogar im Winter surfen. Denn auch dann ist die Luft- Tiefsttemperatur zehn Grad - plus wohlgemerkt. Und falls sie Heimweh bekomme, gebe es ja Telefon, Email und Skype, betont Anna.

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