Hausärzte
Allgemeinmediziner beklagen ständige Unsicherheit bei Einkünften

Raus aus dem kassenärztlichen System wollten Bayerns Hausärzte vor einem Jahr. Auch die Marktoberdorfer Ärzte gingen auf Konfrontation zur AOK, die den Hausarztvertrag gekündigt hatte.

Und heute? Es wird immer noch verhandelt - außerhalb des Hausarztvertrages auch um gängige Gehaltszuwächse. "Die Kassen wollen uns nicht mal ein Gehaltszugeständnis von knapp unter 2 Prozent gewähren", sagt Marktoberdorfs Ärztesprecher Dr. Markus Strieder.

Ohnehin würden die Probleme immer größer. Nachfolger zu finden, werde schwieriger, vor allem auf dem Land. 'Viele junge Kollegen wollen nicht mehr aufs Land gehen', sagt Dr. Christoph Nowak, seit 25 Jahren Hausarzt in Görisried. Gründe dafür hat er mehrere ausgemacht.

Auf dem Dorf müsse der Arzt mehr arbeiten, weil die Fachärzte weiter weg sind. Junge Ärzte mit Familie ziehe es zudem eher in die Stadt, weil dort dann auch alle Schulen für die Kinder angesiedelt sind. Noch müssen die Görisrieder aber nicht um ihren Arzt bangen: 'Ich werde ganz sicher bis 65 arbeiten', versichert der 60-Jährige.

Nowaks Tochter wird die Praxis eines Tages nicht übernehmen. Sie studiert zwar Medizin, 'geht aber andere Wege. Sie hat auch gesehen, dass der Vater selten da ist.' Außerdem werde die Vergütung immer schlechter. 'Wir bekommen eine pauschale Bezahlung für das ganze Quartal. Das macht die Kalkulation sehr schwierig.'

Und ein noch größeres Risiko habe natürlich ein Arzt, der sich neu ansiedelt. 'Wie soll der einen Kredit von 300 000 Euro aufnehmen, um eine Praxis einzurichten', fragt Strieder. 'Er hat ja nicht mal die Garantie, dass die Patienten kommen und mit sicheren Vergütungen für seine Arbeit kann er auch nicht kalkulieren.'

Noch gibt es im Ostallgäu einschließlich Kaufbeuren 136 Hausärzte. Laut Pressereferentin Verena Stich von der Kassenärztlichen Vereinigung besteht sogar Überversorgung (110,4 Prozent). Das heißt, dass derzeit keine neuen Arztpraxen eröffnet werden dürfen. Doch wie wird es in ein paar Jahren aussehen?

'Es gibt noch keinen Nachfolger', sagt Dr. Hans-Georg Zehrer (63) aus Stötten. 'Aber ich mache auf jeden Fall bis 65. Und wenn ich fit bleibe, kann ich mir vorstellen, auch ein bis zwei Jahre dranzuhängen.' Finanziell befinde sich der Hausarzt innerhalb der ärztlichen Bereiche aber am unteren Ende. Auf dem Land trage hierzu auch die geringere Zahl an Privatpatienten gegenüber der Stadt bei.

Auf Privatpatienten spezialisiert

Auf Privatpatienten spezialisiert hat sich seit Jahren Dr. Rainer Amling (56). Der Marktoberdorfer Neurologe wollte sich nicht mehr auf das Risiko einlassen, bei Budgetüberschreitungen in Regress zu geraten. 'Ein wichtiger Punkt war auch die Zeit. Jetzt kann ich mir eine Stunde für jeden Patienten nehmen.' Allein von der Privatpraxis könne er jedoch nicht leben. Amling verfasst auch Gutachten.

Doch aus dem Kassensystem auszutreten, sei kein allgemeiner Weg. 'Ein Hausarzt kann sich nichts mit Gutachten dazuverdienen.' Laut Strieder sind alle Marktoberdorfer Hausärzte im Kassensystem geblieben, trotz der ständigen Unsicherheit.

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