Heimatsound
35 Jahre Haindling – 35 Jahre Extra im Allgäu

Erkennungsmelodien: Es gibt keinen festgezurrten bestimmten Stil oder 'Den Heimatsound' schlechthin und auch keine einheitliche Szene. Aber es gibt eine neue Bühnenpräsenz der Musiker, die viel Gespür für ihre bayerischen, voralpinen Heimatklänge mit Einflüssen aus anderen Erdteilen mischen. Damit haben sie eine neue Szene etabliert.

Zu einem der Begründer zählt Hans-Jürgen Buchner mit seiner Band 'Haindling'. Nun begleitet seine Fans die Musik seit 35 Jahren und sein Bühnenjubiläum feierte er Ende Juni 2017 im Ostallgäuer Ort Wald vor einem begeisterten Publikum. Wir vom Wochenblatt Extra der Allgäuer Zeitung haben etwas gemeinsam mit 'Haindling'. Auch uns gibt es seit 35 Jahren. Dies hat die PR-Journalistin Gerlinde Reisach zum Anlass genommen und bei Hans-Jürgen Buchner angefragt ob er uns ein Interview für die Jubiläumsausgabe gibt.

Weil alle anderen immer nur wie Idole sein wollten, spielte Hans-Jürgen Buchner am Anfang alle Instrumente selbst zu seinen Stücken ein, dann gründete er eine Band - 1982. 'Haindling' gibt es auch heute, live im Konzertsaal genauso wie in einem großen Festzelt, wo ganze Familien anreisen, um Hans-Jürgen Buchners Gitarre, Trompete und Tenorhorn, aber auch seine afrikanischen Trommeln und asiatischen Klingeldinger, Muscheln, Sägen und vieles mehr zu hören.

Darüber freut sich der Bandleader sehr, weil er gerne sehr nah an seinem Publikum ist. Er mag die Reaktionen der Menschen auf seine Lieder. Viele davon sind nicht nur musikalische Ohrwürmer sondern haben einen tiefen Sinn und weisen auf Missstände hin.

Einer seiner größten Hits: 'Du Depp' zeigt auf, dass er etwas gegen einfältige Menschen in landesentscheidenten Positionen hat, sie gerne wachrütteln möchte. Seine Musik hat auch Serien bereichert, wie 'Gernstl unterwegs - 10 Grad östlicher Länge'.1983 begann die Reise im Allgäu und ging dann an die Ostsee; 'Irgendwie und Sowieso', der 'Kaiser von Schexing' und viele mehr, hat er den Akustik-Touch gegeben. Filme wie 'Xaver und der Außerirdische' und 'Margarete Steiff' sowie weitere wurden von ihm mit Musik untermalt. Seine Tonfolgen und Lieder sind unverkennbare Erkennungsmelodien für Bayern.

35 Jahre Tournee: Anlässlich des Bezirksmusikfests des ASM im Bezirk 4 Marktoberdorf in Wald Ende Juni und Anfang Juli 2017 hatte die Musikkapelle Wald e.V. ein besonderes musikalisches Schmankerl für die Eröffnung des Festes verpflichten können. Haindling, die Kultband aus Bayern, war mit ihren unverwechselbaren Klängen ein Höhepunkt im Musikkalender.

Schon vor Konzertbeginn ließ ein überaus reichhaltiges Instrumentarium auf der Bühne erahnen, welch eine musikalische Vielfalt dargeboten wird und den Abend bestimmte. Alphörner, Saxophone, Trompeten, afrikanische Trommeln, Tuba, große Klanghölzer, um nur einige der zahlreichen Instrumente zu nennen, wurden von den vielseitig begabten Musikern virtuos gespielt. So eröffneten die Organisatoren die Festtage im Zelt. Nach vielen, gerne gespielten Zugaben war es wieder klar: vom Haindling Heimatsound können nicht nur Musiker genug haben.

Tiefgründig sinnierte er die 35 Jahre Bühnenjubiläum 'Haindling' gegen 200 Jahre Musikkapelle Wald wobei man sich die Jahre wie 1917 und 1817 im Vergleich zu 2017 bewusst machen müsse, was schier unvorstellbar sei. Endgültiger Schlussakkord war der Dauerbrenner 'Hoab Di lang scho nimmer g’sehn' und die Aufforderung des Haindling-Mottos 'Seid's freindlich!'. 'Ihr duads uns so guad' war das Kompliment Buchners an die Fans und sein Versprechen: Es gehd no weida!

Also war dies auch für Hans Jürgen Buchner ein besonderer Anlass und so wird seine '35 Jahre' Jubiläumstour auch noch in 2018 mit einigen Terminen fortgesetzt.

Die Haindling-Band: das sind – neben Frontmann Hans-Jürgen Buchner –Michael Braun, Peter Enderlein, Wolfgang Gleixner (der auch seine Musikfreunde, wie den Marktoberdorfer Perkussionisten Max Kinker bei Auftritten in unserer Region begleitet), Reinhold Hoffmann und Michael Ruff – allesamt Multi-Instrumentalisten und teils seit 20 Jahren und länger dabei.

Unsere Fragen an Hans-Jürgen Buchner:

Extra Redaktion: Bereits aus frühester Kindheit haben Sie schöne Allgäu-Erinnerungen, wie das freie Gefühl des Voralpenlandes, seine saftigen Wiesen und sanften Hügel, diese Information konnten wir in ihrer Chronik nachlesen. Mit ihrem Vater besuchten sie gerne die Käsereien. Gibt es eine Lieblingssorte?

Hans-Jürgen Buchner: Ja, der mit den vielen Löchern im großen Laib. Der Emmentaler ist bis heute mein Lieblingskäse.

Extra Redaktion: Kühe auf grünen Wiesen, Menschen in Tracht und Alpen im Panoramablick. So wird sie gerne dekoriert, die Volksmusik. Hat Sie als Kind die Blasmusik mehr interessiert, oder waren es eher die leiseren, aber auch hintersinnigen Töne von z.B. Gstanzel-Sängern mit einer Diatonischen oder einer einfachen Gitarre?

Hans-Jürgen Buchner: Also mit vier Jahren habe ich das Klavierspiel lernen dürfen. Ein Klavier war bei uns im Haus, meine Mutter spielte es auch. Meine Großeltern hatten eine Brauereiwirtschaft, hier gab es Feuerwehrbälle und ich durfte auf einer -von meiner Tante aus Amerika geschickten- Indianertrommel mitspielen. Mit 13 Jahren wollte ich dann Trompete spielen, wie mein Vorbild Louis Armstrong.

Extra-Redaktion: Sie haben in den 80er Jahren erst Musik für sich selbst gemacht (…und sind diesem Plan ja auch die ganzen 35 Jahre treu geblieben) und haben dann Musiker für die Gründung ihrer Band 'Haindling' gesucht und auch recht schnell gefunden. Sind ihre Musikerfreunde für ihre große Spielfreude bei allen Auftritten mit verantwortlich, oder bringen diese auch ihren Part zum typischen Haindling-Sound ein?

Hans-Jürgen Buchner: Ja, natürlich kommt auch von den Bandmitgliedern eine spezielle Note hinzu. Deswegen klingen die Lieder im Konzert manchmal anders als auf der CD. Wenn ich ein Lied komponiere und einspiele, dann ist das Stück auf allen Tonspuren und Instrumenten, wie Klavier, Trompete, Tenorhorn und Gesang immer ausschließlich durch mich besetzt. Als Band 'Haindling' kommen wir nur zu Konzerten zusammen und das macht immer viel Spaß und hält mich auch irgendwie jung.

Extra Redaktion: Es ist faszinierend für ihre Fans, dass Sie sowohl die kleinen, wie die (auch ganz) großen Themen absolut glaubwürdig, aber nie mit erhobenem Zeigefinger beleuchten. Mit was erhalten Sie sich den Schalk im Nacken eines groß gewordenen und an Lebenserfahrungen reichen Lausbuben?

Hans-Jürgen Buchner: Ich habe schon immer meine 'Eigene Sach gmacht'. Es sollte ja immer etwas Besonderes sein. So habe ich zum Beispiel als Bub meine Holzskier selbst bemalt und Trommeln selbst gebaut. Ich wollte etwas Spezielles und weil es zu meiner Zeit nicht viel Geld für so etwas gab, hab ich es einfach selbst versucht. Dann habe ich mit 15 Jahren eine Ausbildung zum Keramiker absolviert, dass erfüllte mich. Wer das Kind in sich und den Entdeckergeist bewahren kann, ist ein glücklicher Mensch. Die Töpferei ist jetzt geschlossen, die Musik steht für mich im Vordergrund.

Extra-Redaktion: Sie haben einen ausgeprägten Sinn für unsere Natur, sind mehrfach für ihr Engagement ausgezeichnet worden und haben damit wohl auch an den entscheidenden Stellen 'Gehör' gefunden. Z.B. wurden Sie im April 2008 mit der Bayerischen Naturschutzmedaille des Bundes Naturschutz ausgezeichnet. Es ging hier um den Erhalt der freifließenden Donau bei Vilshofen. Glauben Sie an einen Effekt der Nachhaltigkeit durch ihre Lieder?

Hans-Jürgen Buchner: Ja, die Nachhaltigkeit ist ja nachweisbar. Als Horst Seehofer vor vier Jahren eine Einladung vom Bund Naturschutz ins Ruderhaus nach Deggendorf zum Thema 'Donauschleifen Erhalt in Niederbayern' bekam, wurde er mit einem von mir komponierten Lied für eine freifließende Donau überrascht. Er stand neben mir am Flügel, rund 200 Leute spendeten Applaus. Der 'König Horst' wie ich Ihn hier besang, erkannte die Brisanz der Lage und versprach auch 'keine Staustufe' bauen zu lassen. So konnte diese Donauschleife als letzte freifließend, natürlich und wild bleiben. Darauf bin ich auch stolz.

Extra-Redaktion: Haindling ist Haindling …und die Leute lieben die Musik die sie mit recht exotischen Klängen seit 35 Jahren bezaubert. Es gibt auch andere Musikgruppen, die man heute dem 'Alpinen Heimatsound' zuschreibt. Teilweise entfernen sie sich weit über die typischen Takte hinaus, experimentieren noch mehr als Sie, um dann doch wieder einzukehren - im traditionellen Bereich. Beobachten Sie Gruppen wie 'LaBrassBanda' oder das 'Herbert Pixner Projekt'?

Hans-Jürgen Buchner: Die einen machen Balkanbeat und haben Lederhosen an, andere vermischen die bayerische Musik, wie ich mit anderen Einflüssen. Ja die Musikerkollegen haben viele Ideen und da bleibt der Erfolg nicht aus, wenn es gut gemacht ist. Direkt verfolgt werden die verschiedenen Projekte von mir nicht, ich mache meine eigene Musik. Ich habe wieder viele neue Ideen und ich brauche auch immer meine Zeit bis es so passt, dass ich es veröffentlichen will.

Extra-Redaktion: Hat ihnen ihr Auftritt im Ostallgäuer Festzelt in Wald gefallen? -… und hatten Sie Gelegenheit etwas mehr aus unserer schönen Region mitzunehmen – Eindrücke aus der Landschaft und von den Menschen – und vielleicht einen Käselaib?

Hans-Jürgen Buchner: Also der Ort hat schon was. Ich hätte gar nicht gedacht, dass wir da so nahe an den Bergen sind. Ich spiele ja sehr gerne in Festzelten, weil da eben ein anderes, oft lockeres Publikum ist. Da kommt viel rüber wenn ganze Familien bei mir sind und es ihnen (jeden Alters) gefällt was wir anbieten. Die Leute in Wald waren richtig nett, die Veranstalter haben sich viel Mühe gegeben und es gab ein 'Gutes Essen'. Ja - und ich bekam tatsächlich ein großes Stück Bergkäse mit, zur Erinnerung.

Letzte Frage der Extra-Redaktion: Was ist es nach 35 Jahren, was sie mehr bewegt – die neue Musik die Sie für ihr Publikum komponieren oder die Resonanz ihrer Fans auf ihre Stücke aus der langen Zeit ihrer Bühnenauftritte?

Hans-Jürgen Buchner: Neue Musik – ja das bewegt mich tatsächlich sehr. Ich bin so voller Ideen und Inspirationen und arbeite an einer neuen CD. Aber natürlich bewegt es mich jedes Mal wenn ich ein Konzert gebe, dass die Menschen meine alten Lieder – auch die nicht so oft gespielten, so sehr lieben und sich mitreißen lassen.

Wir danken für das Interview und hoffen auf viele weitere Konzerte von 'Haindling' im Allgäu.

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