Gefahr
Serie von gelockerten Radmuttern im Allgäu setzt sich fort: schon 165 Fälle

Die Polizei im Allgäu beschäftigt seit 2013 eine rätselhafte Serie: Betroffene berichten immer öfter von lockeren Radmuttern an ihren Fahrzeugen. Am häufigsten ist das linke Vorderrad davon betroffen. In einzelnen Fällen kommt es zu Unfällen, weil sich ein Rad während der Fahrt gelöst hatte. Eine Horrorvorstellung für viele Autofahrer.

Eine rätselhafte Serie beschäftigt seit dem vergangenen Jahr die Polizei im Allgäu: Immer öfter berichten Betroffene von lockeren Radmuttern an ihren Autos - überwiegend am linken Vorderrad.

Noch keine Verdächtigen

Und die Serie reißt nicht ab: Allein in diesem Jahr wurden der Polizei in Kempten bereits 85 Fälle gemeldet, bei denen Radmuttern scheinbar gelockert wurden, sagt Polizeisprecher Christian Owsinski. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2013, als die Serie begonnen hatte, wurden 82 Vorfälle gemeldet. Häuften sich die Fälle im Vorjahr zunächst im Raum Buchloe/Kaufbeuren, so war in diesem Jahr vor allem das Unterallgäu betroffen. Wer oder was dahintersteckt, das sei der Polizei bis heute unklar.

"Es gibt keinerlei Spuren, die einen Zusammenhang der Fälle belegen", sagt Owsinski. Weder Ort, Zeit noch die Art und Weise, wie die Radmuttern gelockert wurden, stimmten in den gemeldeten Fällen überein. "Bis heute ist noch nirgends ein Täter beobachtet oder auf frischer Tat ertappt worden", erklärt Owsinski.

Straftat oder Radmuttern beim Wechsel nicht sorgfältig genug angezogen?

Die Polizei stelle sich deshalb die Frage, ob es sich bei allen 85 bislang gemeldeten Fällen auch tatsächlich um Straftaten handelt. Oder ob in einigen Fällen nicht der Autofahrer selbst "der Übeltäter" gewesen sein könnte. Etwa durch Nachlässigkeit beim Reifenwechsel. "Durch die Berichterstattung sind die Menschen sensibler geworden und schauen ganz besonders nach." Es sei bereits häufiger vorgekommen, dass Betroffene von gelockerten Radmuttern berichteten – kurz nachdem sie selbst ihre Reifen gewechselt hatten.

Warum die Radmuttern meist am linken Vorderrat gelöst waren, führt der Polizeisprecher auf "physikalische Umstände" zurück. Vor allem das linke Vorderrad neige dazu, sich schnell zu lockern. "Es kann sein, dass das Rad vor dem Wechsel nicht richtig gesäubert wurde oder die Schrauben nicht richtig angezogen waren", sagt Owsinski. Oder wenn nach einem Radwechsel und etwa 50 zurückgelegten Kilometern der Sitz der Schrauben nicht – wie vorgeschrieben – kontrolliert wurde. Gelockerte Radschrauben bemerkt man laut Polizei vor allem beim Kurvenfahren und durch ungewöhnliche Geräusche.

Doch auch wenn die Polizei mittlerweile nicht ausschließlich von Straftaten ausgeht, einige Fälle seien dann doch "etwas sonderbar". Beispielsweise wenn auf demselben Parkplatz gleich vier Autofahrer von gelockerten Radschrauben an ihren Reifen berichteten. Owsinski betont deshalb, dass auch weiterhin jeder Fall von der Polizei aufgenommen und bearbeitet werde. "So lange, bis wir wissen, was wirklich dahintersteckt."

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