Volkstrauertag
Im Atlantik fand Engelbert Endraß sein Grab

Der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft wird am morgigen Volkstrauertag vielerorts gedacht. Hinter jedem Namen, der auf den Mahnmalen zu lesen ist, steht ein Einzelschicksal. Hans Pfefferle aus Engratsried ist der Geschichte des U-Boot-Kommandanten Engelbert Endraß nachgegangen, dessen Namen in Stötten zu finden ist.

Stötten Schon seit zwei Jahren tobt der Seekrieg im Atlantik. Die deutsche Kriegsmarine führt gegen England Handelskrieg und versucht, deren Versorgung auf dem Seeweg mit einer U-Boot-Offensive zu stören.

Im Dezember des Jahres 1941 fährt auch Kapitänleutnant Engelbert Endraß mit seinem Boot U-567 aus dem Stützpunkt St. Nazaire an der französischen Atlantikküste durch die Biscaya in die Weiten des Ozeans. Er wird von dieser Fahrt nicht zurückkehren. Mit 46 weiteren Soldaten findet er nordöstlich der Azoren den Tod, nachdem das U-Boot von britischen Wasserbomben versenkt worden war.

30 Jahre war er alt, der Sohn eines aus Stötten stammenden Oberstudienrates. In Stötten fand auch die Trauerfeier für den U-Boot-Kommandanten statt. Zahlreiche uniformierte Angehörige der Kriegsmarine waren gekommen. Am Ehrenmal auf dem Stöttener Friedhof steht auch sein Name. Auch im deutschen U-Boot-Museum in Cuxhaven/Altenbruch, dem umfangreichsten Archiv weltweit zu der Dekade, ist ihm ein Raum namentlich gewidmet.

Bei der Heuernte geholfen

Engelbert Endraß wurde 1911 in Bamberg geboren, wo sein Vater, der ebenfalls Engelbert hieß, unterrichtete. Die Schulferien verbrachte die Familie oft im Allgäu in einem Wochenendhaus, und sie half auf dem elterlichen Hof mit, die Heuernte einzubringen. 'Bertl' wurde der Bub Engelbert Endraß genannt.

Eine seiner Cousinen, die in Stötten lebt, erinnert sich: 'Bertl war ein sehr gescheiter, besonnener und ruhiger Mensch.'

In München, wo die Familie nun lebte, besuchte Endraß die Realschule und schlug danach die Marinelaufbahn als Offiziersanwärter ein. Es folgten ab 1935 Lehrgänge in Flensburg-Mürwik, Wilhelmshaven und Kiel und zwei Jahre Handelsmarine. Auf dem Panzerschiff 'Deutschland' diente er im Spanienkrieg. Auf dem U-Boot U-47 war er als Erster Offizier eingesetzt. Unter Kapitänleutnant Günter Prien war das U-Boot 1939 in den gesicherten Flottenstützpunkt der Royal Navy, Scapa Flow, eingedrungen und versenkte dort das Schlachtschiff 'HMS Royal Oak'.

In der Münchener Abendzeitung, die damals darüber berichtete, wurde Endraß ein wesentlicher Anteil an diesem miltärischem Erfolg zugesprochen. Endraß erhielt nach weiteren Lehrgängen im Mai 1940 das Kommando auf dem U-Boot U-46, mit dem er acht Feindfahrten unternahm und unter anderem auch sechs Hilfskreuzer (bewaffnete Handelsschiffe) versenkte.

Im Mai 1941 wurde er zum Kapitänleutnant befördert, im Oktober erhielt er mit U-567 ein neues Boot. Der Seekrieg hatte inzwischen an Schärfe zugenommen, die Verluste der U-Boote stiegen rapide an, die 'Grauen Wölfe', wie die U-Boot-Fahrer im Volksmund genannt wurden, waren inzwischen von Jägern zu Gejagten geworden.

Zu diesem Zeitpunkt wusste die Marineführung nicht, dass mit der Kaperung von U-110 im Mai 1941 den Engländern eine Enigma-Dechiffriermaschine mit dem dazugehörigen Funkschlüssel der Marine in die Hände gefallen war. Innerhalb weniger Wochen hatten die Briten einen Überblick über sämtliche auslaufende Boote und deren Ziele.

24 Schiffe versenkt

Großadmiral Karl Dönitz als Befehlshaber der U-Boote schickte U-567 am 18. Dezember wieder in den Atlantik. Aufgabe war, Schiffs-Convoys aus dem Britischen Commonwealth und die US-Waffenlieferungen an Russland zu unterbinden, um die Landser an der Ostfront zu entlasten. Im Kampf mit zwei britischen Kriegsschiffen am 21. Dezember 1941 erfüllte sich dann auch für Endraß das Schicksal. Wie im Internet über ihn zu finden ist, hat er insgesamt 24 Schiffe versenkt und vier Schiffe beschädigt.

Drei Jahre nach seinem Sohn hat Vater Engelbert Endraß in diesem Krieg auch seine Frau Juliana bei einem Bombenangriff auf München verloren.

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