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Fußball
Menschen, Tore, Sensationen - Ein Rückblick auf die kleinen und großen Geschichten der Saison 201112

Die Zahl '11' spielt im Fußball eine wichtige Rolle. Elf Spieler, die im Idealfall laut Sepp Herberger eben auch elf Freunde sein sollten, stehen gemeinsam auf dem Platz – und wenn mal gar nichts läuft, dann ist vielleicht ein Elfmeter die rettende Lösung. Passend dazu haben wir elf kleine Geschichten, nackte Fakten und interessante Statistiken zur Saison 2011/12 ausgegraben.

Späte Karriere als Spielertrainer

Dieter Weinert gilt gemeinhin als ehrlich Haut. Darum wollen wir ihm einfach mal zugute halten, dass er schlicht nicht ahnen konnte, was auf ihn zukommen würde, als er in der Winterpause erklärte, den 'Spielertrainer Weinert' werde es 'definitiv nicht' geben beim FC Lindenberg.

Obwohl er sich kurz zuvor in einem Testspiel eingewechselt und das Siegtor erzielt hatte. In der Endphase der Kreisliga A musste der 43-Jährige wegen akuter Personalnot aber doch noch selbst ran: Zwei Einsätze mit 44 Minuten Spielzeit stehen in der Statistik.

Am letzten Spieltag verpasste sich Weinert dabei selbst die Höchststrafe, indem er sich zur zweiten Halbzeit ein- und, nachdem er noch eine gelbe Karte gesehen hatte, in der 87. Minute auch selbst wieder auswechselte. Die beiden Weinert-Einsätze endeten übrigens siegreich für den FC Lindenberg – doch ob das der Beginn einer unverhofften späten Karriere als Spielertrainer war, wird sich wohl erst nächste Saison zeigen.

FC Austria Scheidegg

Bei der Fußball-EM in Polen und der Ukraine sind sie nicht dabei, beim FC Scheidegg aber kaum wegzudenken: In allen 28 Saisonspielen der 1. Mannschaft und allen 27 Saisonspielen der 2. Mannschaft stand immer jeweils mindestens ein Österreicher bei den Rot-Schwarzen auf dem Platz.

Mit durchaus beachtlichem Erfolg: Stürmer Stefan Eienbach erzielte 24 Saisontore und wurde damit Vierter in der 'Westallgäuer Torschützenliste'. Und der 2. Mannschaft verhalf ein Österreich-Block mit drei bis vier Spielern in der Startformation zum dritten Tabellenplatz. Bislang ist es allerdings nur ein Gerücht, dass der Verein das Kreisliga-B-Team in der kommenden Saison in 'Scheidegg 1b' umbenennen will oder gar über einen Wechsel zum Vorarlberger Fußballverband nachdenkt.

Reifeprüfung ohne Aufstieg

Sie wollte wegen ihres Abis eigentlich gar nicht alle Spiele bestreiten, aber am Ende konnte sie es doch noch lassen: Simona Glasl (18) lief in allen 22 Saisonspielen des SV Maierhöfen-Grünenbach auf – und schoss unglaubliche 31 Saisontreffer. Eine Quote, die in der Geschichte der SVM-Frauenfußballerinnen einmalig ist – und das ganz ohne Elfmeter. Ihre sportliche Reifeprüfung hat die Stürmerin also mit Bestnote bestanden.

Nächste Saison kann sich Glasl daran machen, die Rekordmarke nochmals zu toppen: Die SVM-Frauen haben sich entschieden, trotz des Meistertitels nicht aufzusteigen und in der Regionenliga zu bleiben. Grund dafür sind die langen Fahrtstrecken in der Landesliga. 'Wir hätten alles komplett selbst finanzieren müssen', begründet Mittelfeldspielerin Christine Dreyer die Entscheidung.

Trainer beordert Team vom Feld

Dass sich ein Blick über die fußballerischen Grenzen des Westallgäus hinaus manchmal lohnt, zeigt eine Begebenheit vom letzten Spieltag der Kreisliga A II: Frank Trautwein, Spielertrainer des SV Nonnenhorn, der früher auch das Trikot des FV Rot-Weiß Weiler und des FC Wangen getragen hatte, konnte den Beginn der Sommerpause offenbar nicht erwarten – und beorderte seine Mannen nach 78 Minuten einfach vom Feld. Spielabbruch.

Auslöser war ein Freistoß für Gastgeber SV Achberg, bei dem sich ein Nonnenhorner zu früh in der Mauer bewegt hatte. Der Schiedsrichter pfiff, die mit 2:3 zurückliegendem Nonnenhorner regten sich auf und sahen dafür drei gelb-rote Karten. Da wurde es Trautwein zu bunt. Da es eh um nichts mehr ging, ging kurzerhand er – und nahm seine Mannschaft mit in die Kabine.

1140 Kilometer ohne Punkt

570 Kilometer hin, 570 Kilometer wieder zurück – und außer Spesen nix gewesen. Seine ersten 14 Auswärtsfahrten hätte sich Auf- und Wiederabsteiger FV Rot-Weiß Weiler II in der Bezirksliga Bodensee getrost sparen und stattdessen die Punkte per Post verschicken können. Alle Gastspiele gingen verloren, zum Teil mit heftigen Klatschen wie in Wangen (1:12), Tettnang (1:7) und Kißlegg (0:10).

Auf den letzten Drücker hat es dann aber doch noch geklappt. Ausgerechnet von der weitesten aller Auswärtsfahrten brachte der Tabellenletzte den ersten und einzigen Punkt mit: 2:2 bei der FG 2010 Wilhelmsdorf/Riedhausen/Zussdorf. Unnötig zu erwähnen, dass die anschließende 75 Kilometer lange Rückfahrt die fröhlichste der Saison war.

Der Rehwinkel als Festung

Auch wenn auf der Homepage des Vereins bis heute kein Wort darüber verloren wird: Der 1969 gegründete TSV Heimenkirch hat mit dem Aufstieg in die Bezirksliga den größten Erfolg seiner Vereinsgeschichte gefeiert. Ganz nebenbei haben die Männer von 'Burgherr' Fredy Huckenbeck die Sportanlage am Rehwinkel in eine uneinnehmbare Festung verwandelt.

Der Meister ist saisonübergreifend seit 16 Spielen und über einem Jahr daheim ungeschlagen – bei imposanten 15 Siegen, einem Remis und 54:9 Toren. Kommende Saison, eine Etage höher, wird sich die gelb-blaue Phalanx gegen wuchtigere Attacken behaupten müssen. Das dürfte gelingen – und wäre dann sicher auch auf der Homepage nachzulesen.

Torjäger als Aushilfstorhüter

Er war maßgeblich dafür verantwortlich, dass sich die Mannschaft überhaupt wieder gegründet hat. Er ist Jugendleiter, Kapitän und Spielmacher. Wenn es sein muss, auch Libero oder Torhüter. Und es würde niemanden wundern, wenn er vor dem Anpfiff auch noch das Spielfeld mähen und in der Halbzeitpause die Würstchen auf den Grill schmeißen würde. So ganz nebenbei hat Florian Imgrund für den TSV Ellhofen respektable 26 Tore in 28 Spielen erzielt – wohlgemerkt für den Viertletzten der Kreisliga B VII, der untersten Spielklasse.

Profitiert hat das 22-jährige 'Mädchen für alles' dabei von so kuriosen Ergebnissen wie 5:5 oder 6:7, die nicht nur Montag für Montag die Sportseiten der Heimatzeitung gefüllt, sondern vermutlich auch Trainer Torsten Lachajczyk einige Nerven gekostet haben.

Verletzt nach wenigen Sekunden

Andreas Hane hatte sich gerade erst hingesetzt und auf einen gemütlichen Nachmittag auf der Ersatzbank eingestellt, da wurde der 21-Jährige schon aufs Spielfeld beordert. Keine fünf Pässe waren beim Auswärtsauftritt des FV Rot-Weiß Weiler in Birkenhard (3:3) gespielt, als Torhüter Andreas Bathrei mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden lag.

Nach einem zu kurzen Rückpass prallte er mit einem gegnerischen Stürmer zusammen und musste verletzt ausgewechselt werden, noch ehe das Spiel richtig begonnen hatte. Für ihn ging Ersatzmann Hane zwischen die Pfosten – der wohl früheste Torwartwechsel in der Geschichte des Vereins. Und so richtig glücklich wurde Bathrei auch in den folgenden Wochen beim Landesligisten nicht. Schon in der Winterpause ging der 25-Jährige wieder zurück zum 1. FC Sonthofen, zu dessen Bayernliga-Aufstieg er wenigstens noch neun Rückrundeneinsätze beisteuerte.

(K)eine Spur von Bundesliga

Dass Dame Diouf in der Saison 2002/03 tatsächlich ein paar Mal für Hannover 96 in der Bundesliga gespielt hatte, ließen in der abgelaufenen Spielzeit weniger seine Fußballkünste erahnen, als vielmehr seine Autogrammkarten aus früheren Tagen, von denen der senegalesische Verteidiger noch einen großen Stapel zuhause haben dürfte.

Der inzwischen 34-Jährige bot die bunten Kärtchen bisweilen auch während des Spiels dem gegnerischen Stürmer an. Dass der erst ab der Winterpause spielberechtigte Ex-Profi dem FC Isny doch nicht den erhofften Schub in der Bezirksliga brachte, sah auch Trainer Werner Weber.

Beim Auswärtsspiel in Kißlegg setzte er Diouf nur auf die Bank – woraufhin der Hüne sich offenbar in seiner Ehre gekränkt sah, sich an Ort und Stelle seinen Spielerpass aushändigen ließ und davonbrauste.

Absturz nach der Winterpause

Der Herbstmeister stürzt ins Mittelmaß: Nach 12 von 24 Spielen durfte sich Vorjahresvizemeister TSV Stiefenhofen noch berechtigte Hoffnung auf den Aufstieg machen. Mit 27 Zählern thronte die Elf von Trainer Jürgen Urban auf Platz 1 der Kreisliga B. Doch anstatt in der Rückrunde den Turbo nach oben einzuschalten, war Sand im Getriebe. In der zweiten Saisonhälfte gab es nur noch fünf Siege. Platz 8 in der Rückrundentabelle bedeutet graues Mittelmaß. So fehlten dem Tabellenvierten am Ende acht Punkte zur Relegation und gar neun Zähler zum Titel.

Allein die letzten drei Auswärtsspiele gingen mit 0:3, 1:7 und 0:6 deutlich verloren.

Rote Karte nach einer Minute

Zwei Sekunden brauchte der walische Amateurkicker Lee Todd, um im Jahr 2000 den bisher schnellsten Platzverweis der Welt zu kassieren. Er sah die rote Karte, nachdem er sich etwas zu derb beim Schiedsrichter über die Lautstärke des Anpfiffs beschwert hatte. Immerhin auf eine Minute Spielzeit brachte es Fabian Eninger.

Der 22-jährige Abwehrspieler des FC Wangen wurde beim Verbandsliga-Auswärtsspiel in Aalen (1:2) nach 74 Minuten eingewechselt, brachte in seiner ersten richtigen Aktion einen durchgebrochenen gegnerischen Stürmer zu Fall und sah wegen dieser Notbremse sofort die rote Karte. Kurz vor Schluss kassierte Wangen in Unterzahl noch das 1:2 – und Eninger wünschte sich in diesem Moment sicher nach Wales oder noch weiter weg.

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