Rodeln
Wintervergnügen zum Nulltarif

Das Vergnügen dauert zwar nur zwischen zehn und 15 Sekunden, wer es aber darauf anlegt, der kann während dieser kurzen Zeitspanne seinen Allerwertesten mittels einiger Schanzen und Buckel schon gehörig malträtieren. Immerhin geht es auf dem Rodelhang von Landwirt Reinhold Milz im Scheidegger Ortsteil Brand auf einer Strecke von knapp 200 Metern satte 20 Höhenmeter talwärts. Der Hügel beim Kurhaus ist vor allem an sonnigen Winterwochenenden ein beliebter Ausflugspunkt für Kinder, Familien und Wintersportbegeisterte nicht nur aus der Region. Die Autokennzeichen FN, RV und OA zeigen, dass die Marktgemeinde nicht nur mit einem gepflegten Loipennetz Gäste anlockt, sondern auch mit ihrem Rodelhang Wintervergnügen zum Nulltarif anbietet.

Dass die Rodler beste Bedingungen vorfinden, darum kümmert sich seit Jahren Peter-Paul Reichart aus Oberstein. Der 70-Jährige ist im Scheidegger Gemeindegebiet nicht nur für das Spuren der Loipen sowie das Walzen und Räumen der Winterwanderwege zuständig, sondern macht zudem den Rodelhang zu einer kleinen, aber feinen Sportarena. Nach jedem Neuschneezuwachs fährt Reichart den Hang vier- bis fünfmal mit der gemeindlichen Pistenraupe rauf und runter, damit sich der Schnee verdichtet und Pistenqualität bekommt. «An Wochenenden mache ich die Abfahrt immer etwas breiter, weil da der Andrang am größten ist», so Reichart.

An Wintertagen pflegt der Ober- steiner innerhalb von knapp sechs Stunden rund 60 Kilometer Loipen und Wanderwege, wobei er - wenn ihn seine Route am Kurhaus vorbeiführt - auch den Rodelhang mitbearbeitet. 33500 Euro hat die Marktgemeinde im Jahreshaushalt für den Unterhalt ihrer Park- und Wanderanlagen sowie der Loipen vorgesehen.

Ein Betrag, der auch die kostenlose Benutzung der beiden Rodelhänge gegenüber dem Kurhaus und am Postferiendorf beinhaltet. Für Bürgermeister Ulrich Pfanner eine Selbstverständlichkeit im Werben um Gäste: «Das ist ein ganz wichtiger Teil unserer touristischen Infrastruktur im Winter.»

Einer, ohne dessen Entgegenkommen nichts gehen würde ist Grundeigentümer Reinhold Milz. Er erhält von der Gemeinde «ein kleines Nutzungsentgelt», wie er sagt, damit auf seinem im Sommer als Weidefläche genutzten Grundstück weiterhin gerodelt werden darf. Allerdings erwachsen ihm daraus nicht nur Vorteile.

Durch das Aufwalzen wächst das Gras im Frühjahr deutlich später, zudem muss er Zäune abbauen und das Gelände sichern, und er hat an Spitzentagen mit Parkplatzproblemen zu kämpfen, denn seine Zufahrt wird des Öfteren rücksichtslos zugeparkt. Um eines muss er sich allerdings nicht kümmern: Den Dreck, wie etwa Papiertaschentücher, kaputte Rodel, Windeln oder Brotzeitverpackungen räumen im Frühjahr die Mitarbeiter des Bauhofs weg.

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