Energiediskussion
«Windkraft wird wieder Thema» - auch im Westallgäu

Die Menschen standen der Kernenergie - auch im Westallgäu - noch nie so skeptisch gegenüber wie nach der Katastrophe von Fukushima. Eine (nicht repräsentative) Umfrage des Westallgäuers in Lindenberg erbrachte ein eindeutiges Bild: Alle Befragten sprachen sich für einen schnellen Atomausstieg aus.

Damit stellt sich aber die Frage: Womit kann der Atomstrom ersetzt werden? Vor zwei Jahren haben sich die Gemeinden im Kreis Lindau mit dem Thema Windenergie befasst - und durchwegs dankend abgelehnt. Jetzt wollten wir von Kommunalpolitikern wissen, ob diese Technologie heute anders bewertet werden muss. Die meisten sind sich einig, dass es eine neue Diskussion über Windkraft geben wird. Ob sich Bürger ihr aber auch öffnen, wenn Windräder vor deren Haustür geplant werden? - Da bleiben die Bürgermeister skeptisch.

Landrat Elmar Stegmann hat sich - obwohl CSU-Mitglied - schon vor seiner Wahl im Jahr 2008 grundsätzlich gegen Atomenergie ausgesprochen. Er bat ein Jahr später alle Gemeinden im Landkreis, ihre Haltung zum Thema Windkraft in einem Beschluss kundzutun. Dass sich daraufhin einzelne Gemeinderäte sehr ernsthaft damit auseinandergesetzt haben, beispielsweise Exkursionen zu Windkraftanlagen unternahmen und Bürgerversammlungen veranstalteten, wertet er bereits als einen Schritt in einem nicht aufhaltbaren Prozess. »Selbstverständlich wird das Thema wieder kommen», ist Stegmann sicher. Er werde es auch in der Bürgermeisterversammlung wieder anstoßen. «Inzwischen begreifen immer mehr Menschen, dass wir verstärkt auf dezentrale Lösungen setzen müssen», so der Landrat. Jede politische Ebene müsse sich damit befassen, welchen Beitrag sie leisten könne.

Stegmann nennt hier auch Photovoltaik, Geothermie, Wasserkraft, Biomasse sowie Energieeinsparung durch Sanierung von Gebäuden.

Martin Schwarz hat in Maierhöfen die Windkraft-Diskussion offensiver geführt als die meisten Bürgermeisterkollegen. Und dabei auch «schmerzhafte Erfahrungen» gemacht, wie er bekennt. Deshalb bezweifelt Schwarz, dass irgendein Gemeindechef das heiße Eisen freiwillig nochmals angreifen möchte. «Einige Bürger stehen dank der Informationen der vergangenen Wochen heute der Windenergie sicher offener gegenüber», sagt Schwarz. Aber: «Die Gegnerschaft ist hoch motiviert. Da schießt man schon auch mal über das Ziel hinaus.

» Beim Beschluss gegen die Windkraft in Maierhöfen haben die meisten Gemeinderatsmitglieder aus der Einsicht heraus entschieden, dass das emotional behandelte Thema den Frieden im Dorf nachhaltig stören würde.

Markus Reichart räumt ein, dass es für den Heimenkircher Gemeinderat vor zwei Jahren «relativ einfach» gewesen sei, nein zur Windkraft zu sagen. «Wir haben uns auf den Landschaftsschutz berufen und darauf, dass wir keinen großen Ertrag aus Windenergie erwarten.» Die Gemeinde Maierhöfen sei das Thema deutlich mutiger angegangen. Das nötige ihm im Nachhinein «allen Respekt» ab. Reichart geht davon aus, dass die Atomkatastrophe von Japan vielen die Augen geöffnet hat. «Ich selbst denke viel darüber nach», sagt er. Aktionismus hält er nicht für sinnvoll - eine erneute Diskussion über Windenergie aber schon. «Da kommen jetzt neue Argumente auf den Tisch.»

Johann Zeh, Bürgermeister der Stadt Lindenberg, ist ähnlicher Meinung. «Das Thema Windenergie wird wieder in den Vordergrund rücken. Die Planungsverbände müssen sich Gedanken machen, ob man diese Technologie nicht auch im südlichen Allgäu, im Bodenseeraum und in Oberschwaben nutzen kann.» Zeh vermutet, dass sich in der Denkweise vieler einiges geändert hat. In Lindenberg gibt es seiner Einschätzung nach kaum geeignete Standorte für Windkraftanlagen. «Unsere Gemarkung ist so klein, da wird es immer schwierig sein, die nötigen Abstandsflächen zu Siedlungsgebieten einzuhalten.»

Anton Wolf, Bürgermeister in Stiefenhofen, geht davon aus, dass eine grundsätzliche Ablehnung von Windenergie künftig nicht mehr durchzuhalten ist. «Es muss ein Konzept entwickelt werden für einen Mix aus regenerativen Energien», so Wolf. «Sonst ist die Energiesicherheit nicht herstellbar.»

Karl-Heinz Rudolph, Bürgermeister von Weiler-Simmerberg, sieht Windenergie nach wie vor als «sehr sensibles Thema». Er als Ingenieur, so Rudolph, habe Effektivität und die Wirtschaftlichkeit von Technologien im Blick. Entsprechend seien die Standorte für bestimmte Formen der Energieerzeugung zu wählen. Rudolph glaubt zwar, dass die Akzeptanz für Windkraft derzeit höher ist - dass dies allerdings anhält, bezweifelt er.

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