Brauchtum
Westallgäu: Kräuterweihe an Maria Himmelfahrt

Der Festtag Maria Himmelfahrt (15. August) spielt im katholischen Westallgäu seit vielen hundert Jahren eine bedeutende Rolle. Umfangreich erforscht und dokumentiert hat den Feiertag und die damit verbundenen Bräuche Dr. Otto Beck, ein aus dem württembergischen Allgäu stammender Theologe und Volkskundler.

2007 verstarb der Priester in Wangen. In zahlreichen Veröffentlichungen, die unter anderem im deutschen Nationalarchiv aufbewahrt werden, hat Beck den Schatz seines Wissens und Forschens festgehalten. Ein Artikel Otto Becks über die Kräuterweihe an Maria Himmelfahrt ist im Archiv des Westallgäuers aufbewahrt.

Demnach ist der Brauch im Westallgäu seit 1200 Jahren bezeugt. 'Er gibt dem Hohen Frauentag ein besonderes Gepräge', schreibt Beck. 'Wenn Mitte August der Frauendreißiger begann, in dem früher heilkräftige Pflanzen gesammelt wurden, brachten die Gläubigen den ersten Strauß zur Muttergottes.'

Diese Sträuße, in denen sich auch erste Erntefrüchte wie Kornähren befunden hätten, seien während des Festgottesdienstes vor den Marienaltar gelegt worden, wo sie der Pfarrer nach der Predigt segnete. Dies geschieht bis heute in ähnlicher Weise.

Häufig wird der Kräuterboschen später hinter das Kreuz im Herrgottswinkel gesteckt. 'Er ist ein Zeichen des Vertrauens auf Gott und seinen Segen', schreibt Otto Beck. Noch vor drei Generationen, so weiß Beck zu berichten, hätten Familien bei schlimmen Gewittern ein paar Blätter vom Kräuterboschen im Herd verbrannt.

Bei einem Todesfall wurde dem Verstorbenen ein paar Zweiglein des am 5. August Geweihten in den Sarg gelegt. 'Wie einst Maria in den Himmel aufgenommen wurde, sollten die Verstorbenen Anteil an der ewigen Herrlichkeit erhalten.'

Auch heute hoffen Gläubige auf Schutz vor Unwetter oder Krankheit, wenn sie einen geweihten Kräuterstrauß von der Messe an Maria Himmelfahrt mit nach Hause nehmen.

Nicht nur Bitte, sondern auch Dank verbinden Katholiken mit dem Bauchtum des Festtages. Blühende Kräuter und heilsame Pflanzen zu sammeln und zu binden ist ein Zeichen der Ehrfurcht vor der Schöpfung und ihren reichen Geschenken.

Ein Vers einer Oberstdorfer Dichterin zum morgigen Festtag ist dank Otto Beck übermittel. Er lautet: 'Ich habe noch Blumen aus der Wildnis im Arme; ich weiß noch, wie man die Gewitter fromm macht und das Wasser segnet.'

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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