Auszeichnung
Weitnauer Ehepaar rettet Radfahrer das Leben

Für ihren besonnenen und mutigen Einsatz wurden gestern Christa und Reinhard Lindner aus Weitnau ausgezeichnet. Sie erinnerten sich im Gespräch mit der AZ nochmals an den Abend im September 2007, als sie einem verunglückten Mountainbiker vermutlich das Leben retteten

Es wurde schon dunkel, als das Ehepaar sich auf den Rückweg machte. Lindners waren erst relativ spät zu einer Wanderung an einem Spetemberabend auf den Hauchenberg aufgebrochen, weil noch so viel für die Schule zu tun gewesen war. Ungefähr auf Höhe der sogenannten «Brotzeithütte» hörte das Paar plötzlich Schreie. «Zuerst habe ich mich geärgert und mir gedacht: Wer macht denn da so ein Geschrei?», erinnert sich Reinhard Lindner. Doch dann bemerkten er und seine Frau, dass es sich um Hilferufe handelte. «Die Schreie waren durchdringend. Uns wurde klar: Das ist ein Notfall», erzählt Christa Lindner. Die beiden fanden ein Fahrrad am Wegesrand und etwa hundert Meter weiter Roland Durner, der schwer verletzt am Boden lag. Später stellte sich heraus, dass seine Kniescheibe gebrochen war und einige Sehnen ab waren - er konnte weder gehen noch aufstehen.

Die Lindners handelten besonnen und ruhig. Sie riefen die Rettungsleitstelle an und trennten sich: Reinhard Lindner blieb bei dem Verletzten und hielt Kontakt zu den Rettungskräften, seine Frau machte sich auf den Weg zu einem nahe gelegenen Parkplatz, um die Helfer in Empfang zu nehmen und zur Unfallstelle zu lotsen. Ganz allein lief sie rund zwei Kilometer im Dunkeln durch den Wald. Angst habe sie aber keine gehabt. «Ich machte mir nur Sorgen, dass der Verletzte in der Zwischenzeit kollabieren könnte.» Es war bereits etwa 20 Uhr, als sie den Parkplatz erreichte. Kurz darauf kamen die Johanniter und ließen sich von Christa Lindner zum Unfallort leiten.

In der Zwischenzeit war es empfindlich kalt geworden. Doch Reinhard Lindner hatte in seinem Rucksack ein Sitzkissen dabei, das er Roland Durner unterschob. «Mein Mann ist immer bestens gerüstet», erzählt Christa Lindner lachend. Der nickt. Weil er oft mit seinen Schülern unterwegs ist, habe er vom Pflaster über die Taschenlampe bis zur Schnur immer die wichtigsten Utensilien bei sich, die man im Notfall gebrauchen könnte. Dazu zähle natürlich auch ein Handy mit vollem Akku. Froh waren die Lindners, dass sie gemeinsam unterwegs waren. Vor allem in den kritischen Momenten, bis sie den Verletzten fanden, habe sie ein mulmiges Gefühl gehabt, erzählt Christa Lindner. «Wir wussten ja nicht, was los ist.»

Das Ereignis ist schon drei Jahre her, Roland Durner (55), der seit einigen Jahren in Weitnau wohnt, geht es heute gut. Als Anerkennung für ihr vorbildliches Handeln erhielten Lindners von Landrat Gebhard Kaiser (im Auftrag des bayerischen Ministerpräsidenten) gestern die Medaille Patrona Bavariae.

 

Mit der Medaille Patrona Bavariae, einer Auszeichnung des bayerischen Ministerpräsidenten, wurde das Ehepaar Lindner aus Weitnau gestern im dortigen Rathaus geehrt. Die Beiden retteten 2007 den verunglückten Mountainbiker Roland Durner. Sitzend von links: Christa und Reinhard Lindner mit Landrat Gebhard Kaiser, der die Auszeichnung überreichte. Hinten links ist der gerettete Roland Durner zu sehen, neben ihm Weitnaus Bürgermeister Alexander Streicher. Foto: Martina Diemand

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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