Umwelt
Vorsorge gegen Hangrutsch - Gefahrenhinweiskarten für die Westallgäuer Gemeinden

Das Unwetter im Juli vergangenen Jahres hat augenscheinlich gemacht, dass auch im Westallgäu schon bei starkem Regen Hänge ins Rutschen kommen können und Menschen gefährden, wie zum Beispiel in der Hausbachklamm. In den Gemeinden Oberreute, Weiler-Simmerberg und Scheidegg werden bis Ende des Jahres von Geologen des Landesamts für Umwelt alle Steinschlag- und Hangrutsch-gefährdeten Gebiete in Siedlungs- und Straßennähe erfasst und in sogenannten Gefahrenhinweiskarten dargestellt.

«Die Karten haben keine unmittelbaren rechtlichen Auswirkungen», wie Robert Fischer vom Landratsamt (Leiter des Bereichs Bauen und Umwelt) bei der Vorstellung im Kornhausforum in Weiler sagte. Doch mittelbar ist die gemeindliche Bauleitplanung berührt. Es kann dazu kommen, dass geplante gemeindliche Baugebiete nicht ausgewiesen werden, weil die Karte Hinweise auf Gefährdungen gibt; denn die Gemeinde haftet bei Schäden. Und auch für private Häuslebauer könnte es Auswirkungen haben, denn Versicherungen schauen sich diese Karten genau an. Die Karten im Maßstab 1:25000 zeigen, wo neue Bebauung vermieden oder angepasst werden sollte oder wo Schutzmaßnahmen wie Fangzäune und Schutzwälle für Straßen notwendig sind.

Gefahren werden zunehmen

Peter Thom, Diplomgeologe vom Landesamt, fasste vor Vertretern der Gemeinden, des Landratsamts, der Forst- und Wasserwirtschaft zusammen: «Eine hundertprozentige Sicherheit kann es nicht geben. Aber das Risiko lässt sich deutlich verringern, wenn die Gefahr bekannt und einschätzbar ist. Und die Gefahren werden im Allgäu eher zu- als abnehmen.»

Die Karten weisen auf bisher unbekannte Gefahrenbereiche für Straßen und Siedlungen hin. Denn mit zig Millionen von Computer-Simulationen wurden Sturzbahnen überall da nachgezeichnet, wo ein Stein ins Rollen kommen könnte, bis dahin, wo er wahrscheinlich liegen bleibt. Ausdrücklich wurde festgestellt, dass Hochwasser, Muren und Lawinen nicht zu diesen sogenannten Georisiken gehören und somit auch nicht erfasst werden. Insgesamt sind bisher für drei Viertel der bayerischen Alpenfläche mögliche Georisiken in Gefahrenhinweiskarten erfasst.

Am Geld scheiterte bisher, den ganzen Landkreis Lindau aufzunehmen. Thoma hofft, dass es in einem Nachfolgeprojekt dazu kommt, denn es wurde mit Recht gefragt, warum nicht auch Maierhöfen und Grünenbach mit dem Naturschutzgebiet Eistobel kartiert werden.

Die Ergebnisse der Geologen werden im nächsten Jahr in den drei Gemeinden vorgestellt und anschließend ins Internet gestellt.

Das Landesamt ist angewiesen auf Hinweise von den Gemeinden, den Fachbehörden, aber auch von Bürgern, die in der Vergangenheit Beobachtungen über Hangbewegungen, -anbrüche, Rutschungen, Erdfälle, Erdlöcher, Felsstürze, Schuttströme, Steinschläge oder ähnliches gemacht haben. Denn «in 95 Prozent der Fälle tritt ein Ereignis ein, wo es schon mal war», so die Erkenntnis der Geologin Simone Patula. (ado)

Mehr Informationen unter:

www.lfu.bayern.de/geologie/massenbewegungen/gefahrenhinweiskarten/bayerische_alpen

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