Handwerk
Von Weiler in die Rocky Mountains

Zwischen Dezember und Februar, wenn manche Menschen schon den Frühling herbeisehnen, beginnt für die Gösweins die beste Zeit des Jahres. Fast jedes Wochenende wird dann das Auto voll besetzt, mit Oma, Sohn und Enkelsohn. Es geht zum nächsten Hornerrennen, diesmal an den Schwarzenberg im Vorarlberg, wie Georg Göswein stolz erzählt. Die Ausrüstung dazu ist für die Familie nicht schwer zu bekommen: Opa wirds schon richten. Und das schon ganz schön lange. Seit 61 Jahren baut der gebürtige Westallgäuer Hornerschlitten nach traditioneller Art - und ist gleichzeitig selbst leidenschaftlicher Rodler.

Mit 16 Jahren hat er seinen ersten Hornerschlitten gebaut, damals noch als Arbeitsgerät, zum Transport von Holz, Bergheu, Milch und Molke. «Von den alten Hornern einfach abgeschaut» habe er das Handwerk. Als vor rund 30 Jahren die Schlitten nicht mehr als Transportmittel genutzt, sondern als Sportgerät «zur Gaudi» populär wurden, meldete sich Göswein mit seinem Sohn zu seinem ersten Rennen an. Gereicht hat es damals zwar nur für Platz 14, aber seine Leidenschaft für die rasanten Fahrten war geweckt.

Mit bis zu 70 Stundenkilometern geht es bergab. «Ein bisschen Mut und Kribbeln im Bauch gehören natürlich dazu», sagt Göswein.

Fragt man ihn nach seiner Technik, mit der er beispielsweise vor 18 Jahren die Bayerische Meisterschaft in Garmisch-Partenkirchen gewonnen hat, nennt der heute 77-Jährige zwei Dinge: «Pilot und Beifahrer müssen zusammen passen. Und das Material muss natürlich stimmen.» Vielleicht verlässt sich Göswein deshalb nur auf seine eigenen Fertigkeiten, was das Fahrgerät angeht.

So entstehen in seiner kleinen Werkstatt die traditionellen Hornerschlitten aus Esche und Buche. Das Holz wird zwischen Dezember und Januar geschlagen, dann zwei Jahre luftgetrocknet. Rund 40 Arbeitsstunden stecken in einem Hornerschlitten, bis er fahrtüchtig ist. Jedes Stück ist ein Unikat, und nicht nur im Allgäu schätzt man die 350 Euro teuren Gefährte, die praktisch nicht kaputt gehen. «Einmal ging ein Hornerschlitten nach Amerika. Der Kunde wollte damit unbedingt in den Rocky Mountains fahren», erzählt Göswein.

Die waghalsigen Fahrten, der Horner und das Holz sind für die Gösweins eine Tradition, eine «Verbindung zwischen Mensch und Natur» und ein Stück Heimat, die sie inzwischen in der vierten Generation weiterleben. Selbst der Kleinste der Familie, der elfjährige Markus, fährt schon mit. «Wenn ich mit dem Holz und den Schlitten schaffen kann, bin ich glücklich», sagt Göswein und lacht. Sein Enthusiasmus macht sich auch in Schwarzenberg bezahlt: Beim dortigen Hornerrennen landen die Gösweins auf Platz 14 von 60.

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