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Verkehr im südlichen Allgäu bricht stellenweise zusammen

Nach stundenlangen Schneefällen ist gestern der Verkehr in Teilen des Westallgäus phasenweise zusammengebrochen. Nichts ging mehr zeitweise in Heimenkirch und in Lindenberg. Liegen gebliebene Laster blockierten zudem immer wieder die Alpenstraße.

'Für uns war es bis jetzt der stärkste Wintereinsatz', sagt Sebastian Habersetzer, beim Technischen Hilfswerk Lindenberg zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. Ab 11 Uhr waren ein Dutzend Helfer im Einsatz. Das THW rückte mit zwei speziell ausgerüsteten Allrad-Fahrzeugen aus, um auf der Alpenstraße zwischen Auers und Oberreute liegen gebliebene Lastwagen und Sattelschlepper anzuschleppen. Auch in Heimenkirch, wo in der schneebedeckten S-Kurve bei der Kirche mehrere Fahrzeuge nicht mehr weiterkamen, war das THW 90 Minuten lang im Einsatz, schleppte Lkw an und regelte den Verkehr. 'Der Ortskern war komplett dicht, vom Kreisverkehr in Riedhirsch bis hinter Meckatz', so Habersetzer.

Lindenberger Zentrum dicht

Probleme gab es auch in Lindenberg. Dort blieben Lkw in der Haupt- und der Blumenstraße liegen. Durch den Ausweichverkehr waren zudem benachbarte Straßen blockiert. Auch in der Stadt musste das THW zu Hilfseinsätzen anrücken.

Bis auf den tragischen Unfall bei Hergatz verlief der gestrige Tag aus Sicht der Polizei aber 'sehr glimpflich', wie Christian Wucher, Leiter der Inspektion Lindenberg, berichtet. Neben den unzähligen Fahrzeugen, die auf der B32 und der B308 hängen geblieben sind, gab es bis zum Abend nur vier Verkehrsunfälle mit zwei Leichtverletzten. Fünf Streifen waren im Einsatz. Nicht eingreifen mussten sie mittags, als bei Ebratshofen ein Schulbus stecken geblieben ist. Der Fahrer informierte die Gemeinde, woraufhin ein Schneepflug kam und den Bus wieder in die richtige Spur brachte.

Auch die Mitarbeiter der Straßenmeisterei waren mit zwölf Fahrzeugen seit halb drei Uhr morgens ohne Pause unterwegs, um die 235 Kilometer Bundes-, Staats- und Kreisstraßen im Landkreis freizuhalten. 'Es war eine Herausforderung', sagt Markus Eder von der Straßenmeisterei. Teils bis zu 1,20 Meter hoch lagen die Schneeverwehungen auf der Fahrbahn.

Länger als vorgesehen musste mittags ein Alex-Zug im Bahnhof Röthenbach halten. Kurz vor der Einfahrt hatte sich der am Triebwagen befestigte Schneepflug aufgrund der Schneemassen auf den Schienen verbogen. Zudem wurde eine Weiche beschädigt. Die Röthenbacher Feuerwehr, die mit neun Mann im Einsatz war, entfernte den Pflug. Der Zug konnte erst gegen 14.30 Uhr seine Fahrt nach München fortsetzen. Die rund 40 Fahrgäste mussten solange ausharren.

Die Bahnstrecke zwischen Hergatz und Immenstadt war in dieser Zeit gesperrt. Nachmittags kam es auf der Strecke zu weiteren Problemen. Ein Zug der Deutschen Bahn fuhr bei Oberstaufen in eine Schneewehe und musste abgeschleppt werden. Die sechs Insassen setzten laut einem Bahnsprecher ihre Fahrt mit Taxis fort. Andere Züge wurden dadurch nicht behindert, da sie auf dem Nebengleis vorbeifahren konnten. Am Spätnachmittag war dann die Strecke zwischen Immenstadt und Röthenbach wegen der starken Schneeverwehungen erneut gesperrt. 'Voraussichtlich bis 21 Uhr, genau wissen wir es jedoch nicht. Wir haben einen Schneepflug angefordert', teilte Christiane Hecht, Sprecherin der Vogtlandbahn mit.

Gemeinderatssitzung abgesagt

Der Versuch der Bahn für die Reisenden einen Ersatzverkehr mit Bussen einzurichten, scheiterte. 'Die Bahn hat bei uns angefragt, aber das war nicht möglich', sagt Hans Klose, Betriebsleiter der RBA (Regionalbus Augsburg). Denn auch für seine Fahrzeuge gab es über weite Strecken kein Durchkommen. 'Jeder Bus, den ich ins Westallgäu hoch schicke, ist weg', sagt Klose, der im Büro in Lindau sitzt. Denn genau so wie zahlreiche Pkw, steckten auch einige Busse im Stau. Grund waren vielerorts liegengebliebene Lkw. Die winterlichen Straßenverhältnisse seien für die Busse selbst kein Problem. 'Wir ziehen jedes Jahr neue Winterreifen auf.'

Mit allen verfügbaren Kräften waren gestern auch die Bauhöfe im Einsatz. In Stiefenhofen beispielsweise räumten vier Männer seit 4 Uhr in der Früh. 36 Kilometer Gemeindestraßen – das längste Netz aller Kommunen im Landkreis Lindau – versuchten sie, vom Schnee zu befreien. Sie waren mit Unimog, Radlader, Traktor und Handfräse im Einsatz. Laut Verwaltungsleiter Uli Endras fragte etwa eine Handvoll Bürger im Laufe des Tages im Rathaus nach, wann bei ihnen der Schneepflug wieder fahre. 'So wie heute war es in diesem Winter noch nicht', sagt Endras. Wegen der schlechten Straßenverhältnisse musste sogar die für gestern Abend angesetzte Gemeinderatssitzung abgesagt werden.

'Wir hätten einige auswärtige Referenten da gehabt', sagte Bürgermeister Toni Wolf, der diesen Schritt 'erstmals in 22 Dienstjahren' wählen musste.

Im Dauereinsatz waren gestern auch die Polizeibeamten im Landkreis Ravensburg, um Unfälle aufzunehmen. Die Polizei schätzt den ingesamt entstandenen Schaden auf über 100 000 Euro. Allein auf der A 96 ereigneten sich vormittags sieben Zusammenstöße. Brennpunkte waren auch die B 32 zwischen Ravensburg und Wangen und die B12 im Bereich der Eglofser Steige. Auf beiden Strecken stellten sich wiederholt Laster quer. (ins, bes, feß, pem, owi)

Winter-Impressionen: Dieter Brandner beim Schneeräumen in Scheffau, Postbote Hans Seibel beim Zustellen der Briefe in Lindenberg, Frau mit Kinderwagen auf der durch einen Lkw blockierten Lindenberger Blumenstraße und ein Quadfahrer in Heimenkirch. Fotos: Matthias Becker (3), Adi Ballerstedt

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