Trauer
Sylvia Frey-Herkle aus Argenbühl hat vor 21 Jahren ihren Sohn Felix verloren

Wunden verheilen. Manchmal dauert das Monate, manchmal Jahre. Und immer bleiben Narben. 'Es gibt Momente, da schmerzen auch verheilte Wunden', weiß Sylvia Frey-Herkle. Seit 21 Jahren lebt die 53-Jährige aus Eisenharz (Argebühl) mit einer solchen Narbe.

Anfang Oktober 1990 stirbt kurz nach der Geburt ihr Sohn Felix. Der Säugling leidet an einem Herzfehler. 'Es hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen', erinnert sich Frey-Herkle. Es gibt keinen Tag, an dem sie nicht an ihren Sohn denkt. Es gibt kein Jahr, an dem sie seinen Geburtstag vergisst. Es gibt keinen Augenblick, an dem sie sich nicht bewusst ist, dass sie nie eine vollständige Familie haben wird. Und jedes Jahr um die gleiche Zeit, am 29. September, zündet Sylvia Frey-Herkle eine Kerze an. Es ist der Geburtstag ihres Sohnes. 'Dieses Jahr wäre er 21 Jahre alt geworden', sagt sie.

Auch wenn es für sie ein Ende der Trauer nicht gibt und der Verlust immer Teil ihres Lebens sein wird – sagt Frey-Herkle heute: 'Ich habe gelernt damit zu leben, gut damit zu leben.' Nach vielen Jahren und unzähligen Gesprächen schaffe sie es heute, dankbar für das zu sein, was sie hat, und nicht mit dem zu hadern, was sie nicht mehr hat.

Zwei Jahre nach dem Tod ihres Sohnes gründete sie die Selbsthilfegruppe 'Verwaiste Eltern', die sich regelmäßig in kirchlichen Räumen in Eisenharz trifft. Es wurde geweint und gelacht. Zwischen zwei oder drei und 15 Menschen kamen zu den meist monatlichen Treffen. 'Keiner musste sich dort rechtfertigen oder verstellen.

' Ob jemand regelmäßig auf den Friedhof geht oder nie – 'Es wurde nicht gewertet, weil jeder seine eigene Art hat zu trauern.' Für Sylvia Frey-Herkle war die Gruppe unheimlich wichtig. 'Ich habe gemerkt, dass ich mich mit Menschen, die das gleiche erlebt haben, austauschen möchte, bevor ich in eine Sprachlosigkeit versinke', sagt Frey-Herkle heute. Auch um zu erleben, dass man mit einem solchen Schicksal 'leben und überleben' könne. Im Laufe von rund 18 Jahren lernte sie so auf bestimmt 100 Menschen kennen. Einige davon sind heute gute Freunde geworden. 'Wir treffen uns noch zwei, drei Mal im Jahr.'

Die Selbsthilfegruppe 'Verwaiste Eltern' gibt es heute nicht mehr. 'Ich habe vor vier Jahren gemerkt, dass Zeit ist, für etwas Neues', sagt Frey-Herkle. Sie unterricht wieder verstärkt als Lehrerin an der Sophie-Scholl-Schule in Leutkirch und singt in einem Gospelchor. Auch für die anderen, überwiegend langjährigen Teilnehmer der Gruppe war dieser Schritt in Ordnung. 'Es gab niemanden, der die Gruppe weiterleiten wollte.' Dass es die Gruppe nicht mehr gibt bedauert sie dennoch: 'Mir hat es damals sehr geholfen und so etwas in der Art gibt es hier jetzt gar nicht mehr.'

Für Sylvia Frey-Herkle ist dieser Teil ihres Lebens jedoch jetzt abgeschlossen. Sie hat auch durch die Selbsthilfegruppe und die zahlreichen Begegnungen wieder ins Leben gefunden. 'Wenn man mich heute fragt, sage ich, ich habe drei Kinder und bin die Mutter von vier.'

Kontakt, Sylvia Frey-Herkle, (07566)91252 oder Bunter Kreis Allgäu, hilft Familien mit verunglückten oder schwererkrankten Kindern, (0831)9601520

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen