Amtsgericht
Streit eskaliert - Opfer bewusstlos

Von Beleidigungen und verletztem Ehrgefühl war viel die Rede im Sitzungssaal 1 des Amtsgerichts Lindau, aber auch von gefährlicher Körperverletzung und zahlreichen einschlägigen Vorstrafen: Angeklagt war ein 25-jähriger Westallgäuer mit türkischem Pass. Vor genau einem Jahr hat er einen 49-jährigen Landsmann auf offener Straße so attackiert, das dieser zu Boden ging und kurzzeitig bewusstlos war. Das ist nach der Verhandlung unstrittig, denn der Angeklagte beendete sein Schweigen und gab auf Anraten seines Pflichtverteidigers die Tat zu.

Der Angeklagte und das spätere Opfer waren gut miteinander bekannt: «Ich habe ihn aufwachsen sehen», beschrieb der 49-jährige Türke mit Hilfe eines Übersetzers das Verhältnis. Doch es gab auch Konflikte zwischen den Familien. So schilderte es der Angeklagte. Sein Bruder war darin verwickelt, aber auch seine Schwester und die Tochter des Opfers.

Einige Zeit vor der Tat sei der 49-jährige zu seinen Eltern gekommen und habe sie bedroht, so der Angeklagte zur Vorgeschichte.

Seine Schwester habe er bei einem späteren Vorfall beleidigt. Das habe er mit dem 49-Jährigen klären wollen, als er ihn im November 2009 auf der Straße traf: «Ich wollte ein ruhiges Gespräch». Das habe ihm sein Gegenüber verweigert, sich stattdessen entfernt und ihn beleidigt. Da habe er das Opfer weggestoßen.

Auf Nachfragen räumte er ein, auch an die Beine getreten zu haben, sodass der ältere der beiden Kontrahenten zu Boden ging. In der Anklageschrift war jedoch von zusätzlichen Attacken in den Brustbereich, einem zweifachen Stoßen auf den Boden und nicht zuletzt davon die Rede, dass das Opfer zweimal mit voller Wucht mit dem Kopf auf dem Boden aufkam.

Die Folge: ein Gedächtnisverlust des Opfers über das Geschehen. Erst nach Stunden sei er im Krankenhaus wieder zu sich gekommen, sagte der 49-Jährige aus. Dort musste er zwei Tage zur Beobachtung bleiben. Neben der Amnesie bestätigten ihm die Gutachten eine Gehirnerschütterung sowie mehrere Prellungen.

Die Auseinandersetzung wäre möglicherweise noch weiter eskaliert, wenn nicht eine Ärztin darauf aufmerksam geworden und dazwischen gegangen wäre. Sie war als Zeugin geladen, konnte aber nur von einem einmaligen Zu-Boden-Gehen des Opfers berichten. Nun kommt es auf die Aussage einer zweiten Zeugin an, die am 8. Dezember gehört werden soll. Im Anschluss soll auch das Urteil gefällt werden.

Mitentscheidend ist auch das «Vorleben» des Angeklagten: Seit zehn Jahren ist der heute 25-Jährige wiederholt mit dem Gesetz in Konflikt geraten - und immer wieder ist von Körperverletzung, Diebstahl, Beleidigung, Nötigung und Bedrohung in den Urteilen zu lesen.

Eine mehrmonatige Haftstrafe und eine Therapie hat der Angeklagte bereits hinter sich. Viel habe er an sich gearbeitet, versicherte er vor Gericht. Auch die Aussöhnung mit seinem Opfer habe er inzwischen gesucht und sich bei ihm entschuldigt.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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