Finanzen
Oberreute investiert Millionen und wird schuldenfrei

So etwas nennt man wohl eine vermögende Gemeinde: Oberreute wird heuer zwei Millionen Euro in den Bau seiner Schultunrhalle samt Räumen für die Mittagsbetreuung investieren, gleichzeitig die Schulden bis auf einen kleinen Rest tilgen und am Jahresende immer noch mindestens eine halbe Million Euro auf der hohen Kante haben. Kein Wunder, dass Bürgermeister Gerhard Olexiuk im Gemeinderat von einer «sehr guten Haushaltslage» sprach.

Es ist in mehrerer Hinsicht ein besonderer Haushalt, den der Gemeinderat am Mittwoch verabschiedet hat. Erstmals überschreitet er die fünf-Millionen-Grenze, gleichzeitig investiert die Gemeinde erstmals fast drei Millionen Euro. 1,9 Millionen entnimmt sie dazu dem «Sparstrumpf». Sie kann das problemlos, weil seit 1996 die Rücklage stetig gestiegen, die Schulden gleichzeitig gesunken sind. Heuer werden noch einmal 38000 Euro getilgt, im März 2012 wird der Ort schuldenfrei sein.

Dickster Brocken bei den Ausgaben heuer ist die Schulturnhalle. Sie ist seit dem vergangenen Herbst im Bau. Noch einmal zwei Millionen Euro sind heuer für das Gebäude eingeplant. Am Ende wird die 1700-Einwohner-Gemeinde drei Millionen in das Jahrhundertbauwerk investiert haben. Im Herbst ist die Eröffnung geplant.

Die Halle ist heuer aber beileibe nicht die einzige größere Investition in Oberreute. 140000 Euro will die Gemeinde in die Gestaltung des Freibadplatzes stecken, 75000 Euro sind für den Kauf eines neuen Holders (Schmalspurtraktor) oder Radlagers für den Bauhof vorgesehen, für 70000 Euro sollen über die Flurbereinigung Wege angelegt werden - geplant ist die Straße in Irsengund Richtung Jugendheim, weitere 40000 Euro fließen in die Dorferneuerung. Sie wird einen Museumsgarten hinter dem Rathaus anlegen.

Sparsames Haushalten, aber auch die Zweitwohnungssteuer sind Erklärungen für die gute Lage des Ortes. Seit 2005 haben Zweitwohnungsbesitzer 1,5 Millionen Euro an die Gemeinde überwiesen - eine stete Einnahmequelle. Das lässt sich von der Gewerbesteuer nicht behaupten.

Sie ist über Jahre hinweg eher spärlich geflossen, auch heuer sind nur 70000 Euro Einnahme eingeplant. Deshalb spielen die Schlüsselzuweisungen, die das Land steuerschwachen Gemeinden überweist, im Oberreuter Haushalt immer eine tragende Rolle. Heuer werden 752000 Euro erwartet.

Zur besonders guten Lage im Haushaltsjahr 2011 hat auch das Jahr 2010 beigetragen. Von der Wirtschaftskrise blieb Oberreute «Gott sei Dank verschont» (Olexiuk). So flossen 260000 Euro mehr Gewerbe- und fast 80000 Euro mehr Einkommenssteuer als geplant ins gemeindliche Säckel. Eine unangenehme Überraschung bei den Steuern ist auch heuer nicht zu erwarten. Die Einnahmen sind traditionell sehr vorsichtig angesetzt.

Die Aussichten bleiben in finanzieller Hinsicht also rosig. Geht alles glatt wird die Gemeinde am Jahresende eine halbe Million Euro auf der hohen Kante haben. Dazu werden 2012 oder 2013 noch mehr als 300000 Euro Zuschuss für den Bau der Halle erwartet. Schließlich hat die Gemeinde auch noch Bauplätze im neuen Baugebiet Kremler III zu verkaufen, deren Erlös in den Zahlen noch nicht enthalten ist. Vorsichtig kalkuliert hat die Gemeinde Oberreute also 2012 eine Million Euro zur Verfügung.

Über eine Verwendung wird auch schon diskutiert. Die Feuerwehr - bisher im Schulhaus untergebracht - wünscht sich eine eigene Wache. Angegangen wird das Thema aber nicht sofort. «Nicht 2012, wenn dann frühestens 2013», blickte Olexiuk voraus. Schließlich braucht auch eine vermögende Gemeine Gelegenheit zum Atem holen.

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