Streueverwertung
Neue Marke im Allgäu soll die Vermarktung der Streue erleichtern

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Was von Landwirten oft als «Glump» bezeichnet wurde und wird, soll wieder an Bedeutung gewinnen: die Streue. Uwe Kießling (Erkheim), Leiter der Koordinationsstelle der Allgäuer Streueverwertung, pries das vielfach in Vergessenheit geratene Produkt vor dem Umweltausschuss des Lindauer Kreistages, der am Waldsee in Lindenberg tagte.

Die Streue, Endprodukt nach der Mahd einer Streuwiese und nicht zu verwechseln mit Stroh, ist durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft in den letzten 40 Jahren fast bedeutungslos geworden, weil das Verwertungsinteresse auf Null sank, so Kießling. «Das Landschaftsbild verliert an Qualität, wenn die Streuwiesen nicht mehr gepflegt werden und verloren gehen», mahnte er.

«Wer einen Bewirtschafter für seine Streuwiese sucht, an regionalem Streumaterial interessiert ist, es verkaufen will oder Hilfe bei der Pflege von Streuwiesen braucht, kann sich an uns wenden», stellte Kießling die neue Einrichtung vor. Sein ehrgeiziges Ziel: Er will, vielleicht schon im nächsten Jahr, eine Marke «Streue Allgäu» schaffen.

10 bis 18 Euro

Im ersten Jahr hat die Stelle 1350 Doppelzentner Streue vermittelt. Im Kreis Lindau halten sich Angebot und Nachfrage noch die Waage, in anderen Allgäuer Landkreisen ist die Nachfrage deutlich höher als das Angebot, wusste Kießling zu berichten. Landwirte und Pferdezüchter würden verstärkt den Wert der Streue (wieder) erkennen. Aber noch immer leide die Streue, wenn auch unverdient, unter einem schlechten Image, gab er zu. Deswegen sei noch kein angemessener Preis zu erzielen (10 bis 18 Euro pro Doppelzentner). Man habe mit Vorurteilen zu kämpfen, weil «die Qualität früher oft schlecht» gewesen sei.

Das rein ökologische Produkt sei geschätzt bei Biobetrieben wegen der leichten Handhabe und Saugfähigkeit. «Kühe fressen es mit Vorliebe», versicherte Kießling. Es lasse sich gut verteilen im Stall und rieche «wie im Kräuterbad». Streue werde zudem als gutes Futter für die Pferde entdeckt. Nicht zuletzt diene die Pflege der Streuwiesen dazu, die Landschaft zu erhalten.

Kreisrat und Landwirt Paul Straub ergänzte: «Jeder Bauer ist froh um Streue.» Er habe es von jeher dem Stroh vorgezogen. Wenn man von der gesetzlich vorgegebenen, starren Schnittzeit wegkomme, könne noch viel mehr Streue verkauft werden, legte Straub den Finger in die Wunde. Der Koordinator hofft, dass die Nachfrage nach Streue allein schon deswegen steigt, weil Stroh künftig wegen der Biogasanlagen knapper und teurer werde.

Der Streuwiesentag 2011, der das Naturprodukt in den Mittelpunkt rücken will, wird im Herbst in Oberreute stattfinden.

Streuwiesen prägen den Charakter des Allgäus. Kaum ein anderer Biotoptyp weist eine vergleichbar hohe Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten auf. Um das Interesse zu fördern, organisiert die Koordinationsstelle einen Streuwiesen-Wettbewerb. Alle Landwirte und Landschaftspfleger, die im Allgäu Streuwiesen nutzen und pflegen, können daran bis Ende Juli teilnehmen. Die Preisverleihung ist auf der Allgäuer Festwoche.

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