Schneeschuhe
Leise wandern im Schnee

Lautlos schwebt der schwarze Heißluftballon am hellblauen Horizont. Die Eiskristalle auf der unberührten, weißen Schneedecke funkeln mit der Sonne um die Wette. Kein Motorengeräusch, kein Straßenlärm durchbricht die Stille. Nichts ist zu hören. Nur das leise Knirschen, wenn die Schneeschuhe ihre Spuren in der märchenhaft glänzenden Landschaft hinterlassen. Und der ruhige Atem der neun Wanderer, der in der kalten Luft zu kleinen Wölkchen gefriert.

«Das Schneeschuhwandern ist eine ganz ruhige Sportart, da kann man sich erholen», erzählt Anton Kulmus. Der 62-Jährige führt für das Gästeamt Oberreute regelmäßig Wanderer durch die Schneelandschaft rund um den Ort. Am heutigen, sonnenverwöhnten Wintervormittag sind es sieben. Unterstützt von seinem Nachbarn Günter Bougé (40) nimmt Kulmus die drei Frauen und vier Männer mit auf eine zweistündige Tour. Nachdem die großflächigen, mit Stahlkrallen versehenen Schuhe festgezurrt und die Stöcke an die Körpergröße angepasst sind, geht es auch schon los. «Lauft einfach ganz normal, wie beim Wandern oder Nordic Walking», rät er.

Bereits nach den ersten Metern offenbart sich auch den Neulingen der Reiz des Schneeschuhwanderns: Von der kleinen Anhöhe aus, die den ersten Halt darstellt, hat man einen freien Blick über das schneebedeckte Oberreute. «Es gibt Orte, da kommt man im Winter ohne Schneeschuhe gar nicht hin», sagt Kulmus. Es ist die Bewegung in der unberührten und unerschlossenen Natur, die den Sport für viele so attraktiv macht. «Ein tolles Erlebnis», findet auch Urlauberin Nicol Windel aus Tübingen. Schon lange haben sie und ihr Freund das Schneeschuhwandern einmal ausprobieren wollen.

Der Weg der Gruppe wird von einer Fuchsspur gekreuzt. «Es ist wichtig, dass man sich auskennt, wenn man mit den Schneeschuhen unterwegs ist», warnt Kulmus und zeigt auf einen kleinen Tümpel, den man vor lauter Schnee fast übersehen könnte. Auch dass das Schneeschuhwandern nicht zur ungewollten Belastung für die Natur werden darf, betont er nachdrücklich. «Besser ist es, in freiem Gelände zu laufen, nicht im Wald», rät Kulmus zum Schutz der Lebensräume von Wildtieren.

Die Gruppe zieht ihre Spur durch das Schneefeld weiter. Dass das Schneeschuhwandern mehr als ein bloßer Winterspaziergang ist, merken die Teilnehmer spätestens beim ersten steilen Anstieg. «Mit dem Doppelstockeinsatz geht es hier leichter», gibt der Tourenführer technische Tipps. Die weißglänzende Landschaft fesselt seinen Blick hinter der verspiegelten Sonnenbrille.

«Schau dort oben, wie die Sonne durch die Tannenwipfel funkelt.» Immer wieder weist er auf die schönen Bilder, die die Natur der Wandergruppe bietet. «Manche Leute sehen das gar nicht mehr.»

Zwei Frauen kommen der Gruppe entgegen - ebenfalls auf Schneeschuhen. Man grüßt sich. «Vor ungefähr zwei Jahren hat das Schneeschuhwandern angefangen zu boomen», erinnert sich Kulmus. Seitdem leitet er auch die Wanderungen für das Gästeamt. Der heutige Trendsport ist jedoch keine moderne Erfindung. Bereits in der Steinzeit haben sich Jäger und Sammler im Winter mittels Schneeschuhen fortbewegt.

Geheimer Trunk

An der «Kanzel», einem steilen Hang mit Aussicht auf den Hochgrat, macht die Gruppe noch einmal Pause. Zur letzten Stärkung kredenzt der Rentner den Schneewanderern einen Schluck seines Geheimtrunkes aus der silbernen Thermoskanne. Schon mahnen dumpf die Kirchenglocken die Frischgestärkten zum Aufbruch. Es geht zurück in den Ort. «Das machen wir bestimmt mal wieder», meint Windel beim Abschied. Im Hintergrund sind bereits die ersten Autos zu hören.

 

Anton Kulmus (rote Jacke) führt seit zwei Jahren Urlauber und Einheimische auf Schneeschuhen rund um Oberreute. Der 62-Jährige genießt das intensive Naturerlebnis jedes Mal wieder aufs Neue. Foto: Aimée Jajes

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