Interview
Landzunge: «Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser»

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Ein Pakt zwischen Landwirten und Gastronomen, der gewährleistet, dass in den besten Wirtschaften der Region das beste aus der Region auf den Tisch kommt. Mit dieser Idee des Journalisten Rudi Holzberger hat vor zehn Jahren alles angefangen. Heute gilt das Projekt Landzunge in Allgäu-Oberschwaben als bundesweit einmalig. Mit ihm gelang, was in anderen Gebieten scheiterte: Bauern, Wirte und Gäste in Einklang zu bringen.

Herr Holzberger, was genau brachte sie auf die Idee für die Landzunge?

Holzberger: Viele halten mich für einen Ökofreak. Aber das war nicht der Grund. Ich wollte schlicht etwas Sinnvolles für die Region tun, und ich wollte nicht mehr beruflich Tausende Kilometer fahren. Ich wollte mir einen Traumjob schaffen

Also haben Sie ein Magazin kreiert, indem Sie primär über regionale Gasthöfe berichten?

Holzberger: Genau. Ohne Wirtschaft ist ein Dorf tot, ihm fehlt die Seele. Unsere Ziel war aber auch, dass die ausgewählten Gasthöfe eine gute Küche mit möglichst vielen regionalen Produkten anbieten. Auf diesem Weg soll bei den Landwirten mehr Geld ankommen, damit ihre Arbeit rentabel bleibt und sie weiter die Landschaft pflegen können. Und die Landzunge dient als einheitliche Dachmarke.

Erschienen ist das erste Landzunge-Magazin 2001 mit 30000 Exemplaren. Wie viele Wirte waren damals dabei und wie viele sind es heute?

Holzberger: Am Anfang waren es 55 Gasthöfe aus dem Kreis Ravensburg. 40 davon sind bis heute dabei. 2003 kam das Allgäu dazu. Heute vereinen sich mehr als 80 Gasthöfe unter dem Siegel Landzunge. Fast 20 Kandidaten stehen Gewehr bei Fuß. Viel mehr können wir nicht mehr stemmen. Dazu kommen 17 Partner, wie Brauereien, Metzgereien, Käsereien aus dem Allgäuland.

Das klingt nach einem Erfolgsprojekt, das in ähnlicher Form andernorts aber misslang. Warum klappt es im Allgäu und in Oberschwaben?

Holzberger: Das wollen viele wissen. Meine These: Weil andere es mit Bürokratie versuchten. Bei mir war alles freiwillig und demokratisch. Der Deal war Werbung gegen regionalen Einkauf. Ich habe den Wirten Berichte in meinem Magazin und damit mehr Gäste geboten, wenn sie regionale Produkte verwenden. Ein Kontrollsystem gab es nicht. Das haben die Wirte erst später selbst entwickelt. Anfangs war das Motto: Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser.

Gibt es weitere Erfolgsgeheimnisse?

Holzberger: Ja. Vor etwa zehn Jahren war einfach die Zeit reif für ein solches Projekt. Damals vollzog sich ein Wertewandel. Die Leute begannen zum Beispiel zu überlegen, was sie essen. Landzunge-Menschen wollen nicht elitär speisen, sondern etwas Gutes genießen, von dem sie wissen, woher es kommt.

Außerdem waren nie Touristen die erste Zielgruppe. Dadurch entsteht zu schnell Kitsch. Mit Einheimischen müssen wir Klartext reden. Wer sie aber gewinnt, muss sich um die Urlauber keine Sorgen mehr machen. Sie folgen dem Rat der Leute vor Ort.

Wie geht es weiter?

Holzberger: Wir sind zum Beispiel gerade dabei, in den Gasthöfen Landzunge-Schränke einzurichten. Dort sollen alle regionalen Produkte verkauft werden, die auch in der Küche verwendet werden. Am schönsten wäre, wenn irgendwann alles, was in den Küchen eingesetzt wird, aus der Region stammt.

www.landzunge.info

 

Rudi Holzberger

 

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