Kalligraphie
Kurs in Scheidegg gibt Einblicke in die chinesische Schönschrift

Die korrekte Pinselhaltung entspricht keineswegs dem Halten eines Bleistifts oder Kugelschreibers, wie wir es in unserer westlichen Kultur praktizieren. Vielmehr sollte der Kalligraphie-Pinsel senkrecht nach unten gehalten werden, wobei der Ellenbogen in der Luft bleiben muss und nicht aufgestützt werden darf.

<< Der Pinselstrich ist wie ein Gefühl, wie ein schwereloses Fliegen durch die Luft >>, erläutert Fu Dechao von der chinesischen TCM-Uniklinik in Tianjin. Im Rahmen der derzeit in Scheidegg stattfindenden chinesischen Sommer-Kulturwoche nahm sich Fu Dechao die Zeit, Kursleiterin Annelie Mackinnon bei einem Kalligraphie-Seminar beiseite zu stehen.

<< In China werden statt Buchstaben sogenannte Charakter verwendet - entweder als Einzelcharakter oder als Reunion >>, erläutert Annelie Mackinnon den Kursteilnehmern und weist darauf hin, dass das nachzubildende Zeichen << dào >> (der Weg, die Methode, der Leitfaden) in exakt zwölf Einzelschritten gezeichnet werden muss: << Absolut authentisch, wie in China. >>

Dass es aber nicht alleine damit getan ist, zwölf verschiedene Pinselstriche zu einem harmonischen Ganzen zusammenzufügen, wird den Kursteilnehmern schnell klar, als Fu Dechao zusätzliche Feinheiten erläutert: << Es muss alles aus einem Guss gemacht werden, das heißt, leise und gleichmäßig atmen, keine Stoßatmung. >> Oder wie es Annelie Mackinnon poetisch umschreibt: << Es ist eigentlich ein meditatives Schreiben mit dem Pinsel als Verlängerung der Hand. >>

Nachdem die Grundstruktur des Zeichens schließlich sitzt, gilt es die nächste Hürde kaligraphischer Schönschrift zu meistern. Jedes Schriftzeichen muss exakt quadratisch ausgerichtet werden. Das geht sogar soweit, dass auch ein Reunion-Charakter (also zwei miteinander kombinierte Zeichen) soweit zusammengeschoben werden muss, dass letztlich wieder ein exaktes Quadrat entsteht. Nicht umsonst weist Fu Dechao darauf hin, dass ein guter Kalligraph auch immer ein guter Maler sei.

Ständiges Üben

Zwar schreibe die chinesische Jugend bereits mit Kugelschreibern, so Fu Dechao weiter, aber in der Grundschule sei der korrekte Umgang mit dem Kalligraphie-Pinsel das A und O. Auch zum bloßen Zeitvertreib genießt das ständige Üben der Schriftzeichen große Wertschätzung.

Laut Fu Dechao wird in chinesischen Parks von vielen Leuten einfach bloß ein mitgebrachter Pinsel in Wasser getaucht und dann auf der Oberfläche großer Steine damit << geschrieben >>.

Insgesamt haben es die Chinesen mit mehr als 10000 Schriftzeichen zu tun, erläutert der Gast aus dem Reich der Mitte, wovon aber rund 4000 für den täglichen Gebrauch ausreichen würden. Und sollte sich ein chinesischer Schüler einmal im Dschungel der 10000 Schriftzeichen verirren - kein Problem, wie Fu Dechao versichert: << Es gibt ein großes, dickes Wörterbuch zum Nachschlagen. >>

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