Ausstellung
Jüdisches Museum Hohenems fordert auf, Fragen über Juden zu stellen, die man noch nie zu formulieren wagte

Vorurteile, Unwissenheit oder Interesse: Es gibt viele Gründe, Fragen zu stellen. Rund um das Judentum geistern die unterschiedlichsten Fragen in den Köpfen von Menschen – und werden doch oftmals nicht formuliert. Das Jüdische Museum Hohenems geht jetzt in die Offensive: Mit der Ausstellung 'Was Sie schon immer über Juden wissen wollten aber nie zu fragen wagten', fordert es auf, sich auseinanderzusetzen mit unklaren Vorstellungen, diffusen Bildern, Tabus, Mythen, Ängsten, der eigenen Ignoranz, Hilflosigkeit oder auch Neugier im Bezug auf das Jüdische.

Ziel ist es, den Umgang mit Juden und dem Judentum zu entkrampfen. Was dank der klugen, mehrdeutigen, teilweise ironischen und oft konfrontativen Antworten durchaus gelingt.

Aneinandergelehnte, überdimensionale Spielkarten bilden die Schau. 24 Stationen – 24 Fragen. Es sind provokante darunter und peinliche, solche, die geradezu von Dummheit zeugen, und solche, die politischen Problemen auf den Grund zu gehen versuchen. Hanno Loewy, Direktor des Jüdischen Museums Hohenems, und Kurator Hannes Sulzenbacher haben die Fragen gesammelt.

Bei den Führern in jüdischen Museen oder auch in Internetforen erfuhren sie, was die Menschen am meisten bewegt. Ausgewählt wurden solche, die – erstens – häufig vorkommen und – zweitens – mit den Mitteln einer Ausstellung beantwortet werden können. Alles, was Interessenten per Internet (Wikipedia) klären können, blieb außen vor.

Ganz direkt, ganz einfach sind die gebotenen Antworten nicht. Die Stationen zeigen künstlerische Positionen: Objekte, Videos, Fotoarbeiten. Die Werke der zehn beteiligten, jüdischen Künstlerinnen und Künstler sind keine Auftragsarbeiten, sondern sie wurden den jeweiligen Themen zu geordnet.

Da gibt es ironische Darstellungen wie ein im medizinischen Fachhandel erhältliches Trainingsset für die Beschneidung von Buben, erschütternd-makabre wie den (nie produzierten) Lego-Bausatz 'Konzentrationslager' oder auch nüchterne wie den schlichten Stempel, mit dem Lebensmitteln bescheinigt wird, koscher zu sein. Zitate von mehr oder weniger bekannten Persönlichkeiten bieten zudem verschiedene Richtungen an, aus denen man sich den Fragestellungen nähern kann.

'Man wird vielleicht gar nicht so viel über Juden erfahren – aber viel über sich selbst', sagt Museumsdirektor Hanno Loewy über die Schau. Tatsächlich sind viele der 24 Fragesätze entlarvend. Sie führen vor Augen, welch eigenartige Vorstellungen es zum Judentum gibt, und wie viele subtile Vorurteile – im harmloseren Fall – aber auch antisemitische Ressentiments in der Gesellschaft noch immer vorhanden sind.

Die Kartenform hat Ausstellungsmacher Hannes Sulzenbacher nicht allein wegen des spielerischen Zugangs zum Thema gewählt. Er verbindet damit eine Hoffnung. Dass das Kartenhaus aus Befangenheit, Unsicherheit und Engstirnigkeit in sich zusammenstürzen könnte, wenn es die Menschen ins Auge fassen.

Weitere Fragen können Museumsbesucher schriftlich stellen, sie werden ab April beantwortet im Blog:

überJudenwissenwollten.at

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