Modellbau
Josef Gsell aus Wigratzbad bastelt in seiner Freizeit kuriose Fluggeräte aus Holz

Wigratzbad wird auch das Lourdes des Westallgäus genannt. Da verwundert es zunächst nicht, dass dort öfter mal ein fliegender Teppich, ein fliegender Rasenmäher und eine fliegende Untertasse mit Maßkrug über der Gebetsstätte gesichtet wird. Doch das ist kein Wunder, sondern die besonders ausgefeilte Bastelarbeit des ideenreichen Schreiners Josef Gsell.

Gsell, der mehr als 40 Jahre als Labormöbelschreiner in einem Wangener Industriebetrieb beschäftigt war, ist ein Modellflugzeugbauer mit ungewöhnlicher Leidenschaft.Urlaub hat er noch nie gemacht. Seine Freizeit verbringt er mit dem Bauen und Fliegen seiner Holzmodelle. Hannover war die weiteste Entfernung von seinem Geburtsort Opfenbach - zu einer mehrtägigen Flugschau mit seinen Modellen.

Als 15-Jähriger begann seine «Karriere». Warum soll ich mir was kaufen, wenn ich es selber herstellen kann, dachte er sich. Ehrensache, dass alles selbst gemacht und nichts gekauft ist. «Das hat mehr Reiz», sagt der Vater von drei Söhnen und einer Tochter. Zudem gibt es heute nur noch Flugzeuge aus Styropor, weil das leichter ist als Holz. Doch das ist nicht seine Welt. Als erstes entstanden Freiflugmodelle ohne Motor.

Das außerordentlich leichte Balsaholz aus dem tropischen Amerika hat sich als idealer Werkstoff erwiesen, den Gsell im Großhandel erwirbt.

Gsell, ein typischer Allgäuer Mechler, hat das Talent geerbt. «Der Vater war ein Tüftler», erzählt Gsell. Ebenfalls Schreiner, machte er zum Beispiel ein Schaukelpferd, das heute noch von der Familie in Ehren gehalten wird. Seine Spielsachen waren «nur vom Feinsten», schwärmt der Sohn noch heute.

Vom Lindenberger Modellsportclub ist er vor Jahren nach Wangen gewechselt. Bei Kißlegg hat der Club einen eigenen Flugplatz, der ganzjährig genutzt wird. Dort verbringt Gsell die meisten Wochenenden. Am Vatertag, dem 2. Mai, ist wieder Flugtag, wo auch Gsell seine Schau vor bewundernden Blicken abziehen kann.

Neuerdings ist Enkel Timo dabei. Der Siebenjährige könnte mal in die Fußstapfen von Opa Josef treten. Darum will er dem Dreikäsehoch heuer beibringen, wie man mit einer Funksteuerung umgeht, damit man das Gerät wieder heil zu Boden bringt. Denn von seinen an die zwei Dutzend Modellen, die er im Laufe von 45 Jahren in seiner Werkstatt fertigte, hat er das eine oder andere «geschrottet», wie er sagt. «Besonders leid tat mir der Absturz eines Doppeldeckers.» Und warum? - Weil es vor vielen Zuschauern passierte.

Zeitweise packte Gsell der Ehrgeiz und er ging auf Rekordjagd. Er bastelte das größte Modellflugzeug aus Holz, mit einer Spannweite von fünf Metern, einem Gewicht von 20 kg und dem umgebauten Motor aus einer Kettensäge.

Der erste Gang des 62-Jährigen früh morgens um sechs geht allerdings nicht zu den Schiffen oder Fluggeräten, sondern in den Keller, um seine riesige Modellbahnanlage in Gang zu setzen. Ein tägliches Ritual. Josef Gsell fegt damit den Staub von den Gleisen, wie er sagt. «Sonst müsste ich viel mehr Schienen putzen», schmunzelt er. Und die Zeit braucht er doch zum Tüfteln, denn er hat noch viele Ideen. Nicht nur die selbst entwickelten, praktischen Kaminanzünder (Sägespäne im heißen Wachs) oder die Solaranlage für den eigenen Swimmingpool.

«Ich hatte noch keine Minute Langeweile», strahlt Josef Gsell. Sein Hobby hält ihn fit: «Das ist das Schönste, was es gibt», stellt er fest. Wen wunderts.

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