Probenbesuch
Irgendwie steht Athene auf Odysseus

Die Göttin Athene hat Odysseus, den König von Ithaka, ganz besonders gern - irgendwie steht sie sogar auf den Helden. Während seiner 20-jährigen Irrfahrt mit zahlreichen Gefahren und Prüfungen hat sie ihn immer wieder beschützt und zu guter Letzt sogar heim geleitet. Doch Athene ist auch die Tochter von Zeus.

Und wie Zeus liebt sie Spiel, Neckereien und - auch ein bisschen fiese - Possen. Ganz schön viel Spannung also zwischen den beiden. Ebendiese versucht Regisseur Alexander Irmer herauszukitzeln, indem er Nina Laubenthal (Athene) und Daniel Jenz (Odysseus) anstachelt, sich in die Figuren hinein zu versetzen. << Was bist du für ein freches Ding! >>, sagt er zu Laubenthal, die ihren Partner reizen soll. Es ist Probenzeit im Kurhaus Scheidegg. Die intensive Phase vor der Premiere der Monteverdi-Oper << Die Rückkehr des Odysseus >> hat begonnen.

Zwischen Kurhaus und Ruhmühle

Dieser Tage pendeln die zwölf Solistinnen und Solisten zwischen Kurhaus und Ruhmühle, dem Wohnhaus von Wolfgang Schmid. Während hier Regisseur Irmer mit ihnen Gestik, Mimik, Handlungsabläufe und Szenenaufbau erarbeitet, feilt dort Professor Wolfgang Schmid, Initiator und musikalischer Leiter der Scheidegg-Oper, an der gesanglichen Ausgestaltung. In einem ausgeklügelten Probenplan von 13 Stunden täglich sind die intensiven Arbeitszeiten festgelegt.

Im Kurhaus hat sich Daniel Jenz den schweren, tief roten Königsmantel übergeworfen. Darunter trägt er Jeans und ein weißes Hemd. Nina Laubenthal ist doppelt verkleidet. Denn die Göttin Athene gibt sich als Hirtenjunge aus und trägt ein schlichtes Leinengewand. Mit luftigen Flötentönen und koketten Koloraturen reizt sie den aus tiefem Schlaf erwachenden Odysseus.

Auch dieser will seine Identität nicht preisgeben - und so entwickelt sich ein Katz-und-Maus-Spiel, an dem die Darsteller zunehmend Gefallen finden.

<< Ist hier noch eine etwas längere Pause möglich? >> ruft Regisseur Irmer dem am Klavier sitzenden Professor Georg Pammer zu. Pammer hat mit Wolfgang Schmid jahrzehntelang an der Kunstuniversität Graz zusammengearbeitet. Bei der Scheidegger Opernproduktion erfüllt er die wichtige Funktion des Korrepetitors und begleitet mit dem Klavier die Solisten - << die linke Hand spielt das Orchester, die rechte Hand die Sänger >>, erklärt Irmer. Die Anregungen des Regisseurs zu musikalischen Abläufen wird er am Abend mit Wolfgang Schmid besprechen. Er ist das Bindeglied zwischen Schauspiel- und Gesangsarbeit.

Viel Raum für Schauspielerei

Für die Schauspielerei bietet Claudio Monteverdis 1641 uraufgeführtes Werk weit mehr Möglichkeiten als die viel häufiger gespielten Opern aus der Romantik. << Die Partitur steuert bei Monteverdi vielleicht die Hälfte bei - eine Oper wird es erst, wenn wirs spielen >>, erklärt Irmer. In der Barockoper sei es üblich, aus Gründen der Spannung Pausen einzufügen - << da wird das Orchester improvisieren >>, so Irmer. An so viel Handlungsspielraum müssen sich die Sänger erst gewöhnen. << Man fühlt sich ein bisschen getrieben von der Musik >>, gesteht Sopranistin Laubenthal, bevor sie den Anregungen des Regisseurs vertraut, der sie ermuntert: << Das ist hier anders. Du kannst Dir Zeit lassen und schauspielern. >>

Typisch für barocke Oper sind auch die Kontraste zwischen tragisch-melancholischen Stimmungen und komisch-übermütigen. Die hat Claudio Monteverdi zwar in seiner lebendigen Komposition angelegt, aber vermitteln müssen sie die Interpreten. Vor allem die feine Ironie, die Wolfgang Schmid bei seiner Übersetzung aus dem italienischen Original-Libretto ins Deutsche übertragen hat, bedarf einer Unterstreichung durch pfiffiges Spiel.

<< Ein Grieche bin ich, und bin aus Kreta gekommen >> singt Odysseus, als er vom vermeintlichen Hirten nach seinem Namen gefragt wird. << An dieser Stelle lachst Du - nicht wie ein Hirte, sondern wie Athene >>, ruft Irmer der Sängerin zu. Nina Laubenthal wirft keck den Kopf zurück und lacht den Ithaker-König aus. Schließlich weiß die Göttin, dass ihr geliebter Held sie anlügt.

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