Neue Chance
Hoffnungsvoller Ausblick nach steinigem Weg

Katharina möchte sie genannt werden, wenn ihre Geschichte in der Zeitung steht. Weil die 17-Jährige eine Laufbahn zu erzählen hat, die auch ein paar Stolperstellen und Verirrungen umfasst, soll ihre Identität nicht öffentlich preisgegeben werden. Momentan blickt Katharina hoffnungsvoll in die Zukunft. Sie hat eine Arbeitsstelle, die ihr viel Freude macht, und wo sie häufig gelobt wird: in der Gärtnerei Scheffler in Ruhlands (Gemeinde Opfenbach). Ohne das vom Kreisjugendring getragene Programm «Fit for Job» würde Katharina womöglich ganz anders dastehen. <%img scl_width='720' scl_height='395' align='right' id='534496'%>

Die Firma Scheffler ist ein Familienbetrieb mit zehn Mitarbeitern. Ihr Praktikum in der Gärntnerei hat Katharina begonnen «in der Geranienzeit», wie sie erklärt, also im Mai. Ihre Chefin Birgit Scheffler sagt: «Sie war so engagiert, freundlich, offen und kraftvoll - sie hat einfach gut reingepasst bei uns.» Deshalb übernahm sie Katharina im September in die einjährige EQ (Einstiegsqualifizierungsmaßnahme). Wenn die Leistungen in Betrieb und Berufsschule passen, kann Katharina anschließend eine reguläre Lehre beginnen.

Nach der Arbeit Nachhilfe

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«Von der Praxis her - kein Problem», sagt die zufriedene Chefin. Und für die Schule legt sich Katharina auch ordentlich ins Zeug. Klaglos nutzt sie den jeweils zweistündigen Nachhilfeunterricht, den sie zweimal wöchentlich abends nach der Arbeit erhält. «Rechnen muss man eben auch können», sagt Gärtnerin Scheffler lachend. «Sonst rührt man eine Brühe falsch an und vernichtet den ganzen Bestand.»

Katharina ist eine jener jungen Menschen, für die «Fit for Job» immer wieder eine eigene, passende Form der Unterstützung gesucht und gefunden hat, bis sie so stabil war wie jetzt. Und die dabei auch Rückschläge erlebt hat.

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Ihre zehnjährige Schullaufbahn absolvierte die Westallgäuerin großteils an der Antonio-Huber-Schule, die korrekt Sonderpädagogisches Förderzentrum zur individuellen Lernförderung heißt. Im Sommer 2009 hat sie die Schule mit dem Förderschulabschluss verlassen.

Katharina kam an der Antonio-Huber-Schule mit «Fit for Job» in Kontakt. Arbeitserzieher Helmut Schock versucht hier auf verschiedenste Weise, die Jugendlichen auf das Arbeitsleben vorzubereiten. In einer Arbeitsgruppe bringt der gelernte Baumöbelschreiner den Siebt- und Achtklässlern handwerkliche Fähigkeiten bei, was der beruflichen Orientierung dienen soll. Gemeinsam bauen sie Spielgeräte oder streichen die Klassenzimmer. Im Rahmen des «Projekts Zukunft» behandeln Achtklässler Fragen wie «Wo stehe ich?» und «Wo will ich hin?».

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In der neunten Klasse steht das Mittwochspraktikum an. Jeden Mittwoch arbeiten die Jugendlichen einen ganz normalen Arbeitstag lang in einem Betrieb. Schock versucht, mit ihnen den Platz zu finden «der ihren Fähigkeiten entspricht.»

Katharina erhielt eine Praktikumsstelle in einem Supermarkt - und wurde gelobt für ihren überdurchschnittlichen Einsatz. Als sie später in die Lehre übernommen werden sollte, gab es - wie schon öfter zuvor - Ärger mit der Mutter, die den Lehrvertrag zunächst nicht unterschreiben wollte.

Situation eskaliert

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Nach zwei Monaten Lehrzeit waren Katharinas Vorgesetzte überrascht, wie krass ihre Leistung abfiel. Als irgendwann Telefonkarten fehlten, wurde der jungen Frau gekündigt. Helmut Schock erklärt die Krise mit den heftigen innerfamiliären Auseinandersetzungen. «Sobald es zuhause kritisch wurde, wurde es auch in der Arbeit kritisch», sagt er. Katharina: «Ich konnte nach all dem Zoff nicht mehr denken und nicht arbeiten.» Nach der Kündigung wurde es chaotisch. Katharina riss von daheim aus, kam in ein Heim, dann wieder zu ihren Eltern. Als die Situation eskalierte, schaltete sich die Jugendhilfe ein. Im Frühjahr kam Katharina zu einer Pflegefamilie. So fand sie ihr Gleichgewicht wieder.

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Helmut Schock war der Jugendlichen bei all dem Auf und Ab immer ein wichtiger Vertrauter. Obwohl er auch mal klar machen musste: «Wenn du so weiter machst, kann ich dich nicht mehr halten.» Der 29-Jährige Arbeitserzieher sagt, die Elternarbeit sei oft mindestens so wichtig wie die direkte Unterstützung der Jugendlichen. Er hat - im Gegensatz zu Katharina - noch Kontakt zu ihrer Mutter.

Zwei Rostenstöcke

Katharina liebt am meisten die Rosen. Zwei Rosenstöcke hat sie mal besessen, die sind aber in ihrem alten Daheim eingepflanzt. Die junge Frau möchte die Gärtnelehre schaffen. Dafür bringt sie einen Einsatz, der auch Birgit Scheffler Respekt abverlangt. Kommt pünktlich, leistet fleißig und mitdenkend ihre Arbeit in Gärtnerei und Schule. «Die lateinischen Ausdrücke wollen nicht im Kopf bleiben», sagt Katharina.

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Aber Pflanzen herrichten und topfen, das gefällt ihr. Katharinas Vorbild ist ihre Kollegin Inge. Die feiert dieser Tage ihren 60. Geburtstag im Betrieb - und hat mit 16 die Lehre bei Schefflers begonnen.

 

Katharina (links, Name geändert) möchte gerne Gärtnerin werden. Birgit Scheffler lobt den Fleiß der jungen Mitarbeiterin. Sie gab der 17-Jährigen eine Chance, obwohl sie bei ihrer letzten Lehrstelle gekündigt worden war. Begleitet wird Katharina von «Fit for Job», deren Mitarbeiter halfen, manche Klippe zu umschiffen. Foto: Matthias Becker

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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