Mobilfunk-Ausbau
Heimenkircher Bürger und Gemeinderäte hören Experten und äußern Sorgen - Anwohner von Oberhäuser skeptisch

Vodafone will im Heimenkircher Ortsteil Oberhäuser LTE-Technik installieren, die Telekom plant einen UMTS-Sender in Berg. Beides bereitet einigen Bürgern Sorgen und sie äußerten die Bedenken bei der Bürgerversammlung. Bürgermeister Markus Reichart griff sie auf und lud mit Clemens Mehnert einen Experten des Bayerischen Landesamtes für Umwelt in die jüngste Gemeinderatssitzung ein. Gut drei Stunden nahm sich das Gremium für Vortrag und Diskussion Zeit. Doch auch am Ende äußerten insbesondere Anwohner aus Oberhäuser weiterhin Bedenken.

Steigende Nachfrage

Zu Beginn hatte Mehnert auf die stetig steigende Nachfrage nach mobiler Datenübertragung verwiesen. Wurden 2005 noch 0,2 PetaByte mobil übertragen, waren es 2010 bereits 70 PetaByte (eine Zahl mit 15 Nullen). Eine weitere Verhundertfachung sei in den nächsten vier Jahren zu erwarten, so der Diplom-Physiker. LTE (Long Term Evolution) werde zunächst zwar als DSL-Ersatzlösung für Zuhause angeboten, mittelfristig aber ebenso für den mobilen Internetzugang genutzt wie UMTS (Universal Mobile Telecommunications System). Beide Systeme seien aufgrund immer größerer Datenmengen nicht geeignet, langfristig die stationäre Versorgung von Privatpersonen und Gewerbe sicherzustellen. Sein Fazit: «Man wird auch in Heimenkirch um Glasfaser für die stationäre Nutzung nicht herum kommen.»

Ausführlich waren auch seine Informationen zu den festgelegten Grenzwerten, die im Umfeld von Mobilfunk-Standorten üblicherweise zwischen fünf und 30 Prozent erreicht würden. Mehnert nannte auch den Vergleich, dass die Belastung durch ein Handy am Ohr bis zu 2,5-millionenfach höher liege als durch einen Mobilfunkmast. Sein Fazit: «Unterhalb der Grenzwerte gibt es keine Nachweise auf eine schädliche oder negative Wirkung von Mobilfunkstrahlung.»

In der anschließenden Diskussion kamen Gemeinderäte und Bürger zu Wort. Gut 20 Zuhörer waren gekommen. Gemeinderat Michael Übelhör verwies darauf, dass die LTE-Technik noch recht neu sei und fragte nach vorliegenden Studien. Sie gäbe es noch nicht, antwortete ihm Mehnert. Allerdings: «LTE nutzt nahezu die gleiche Frequenz wie bisherige GSM-Handys und eine ähnliche Leistung.

» Folglich sei aus seiner Sicht als Physiker davon auszugehen, dass es ebenfalls keine Auswirkungen auf den Menschen gäbe.

Auf Nachfrage von Siggi Spieler bestätigte Mehnert, dass der neue LTE-Sender eine zusätzliche Strahlenbelastung mit sich bringe: «10 oder 20 Prozent mehr sind zu erwarten.» Diese und weitere ähnliche Nachfragen führten am Ende zum Beschluss des Marktgemeinderates, eine Vorher-/Nachher-Messung in Auftrag zu geben.

Mehrfach geäußert wurde die Sorge, dass sich erst langfristig Folgen der Mobilfunkstrahlung zeigen könnten, so auch von Sölve Kanetzki.

Mehnert verwies darauf, dass die Technik inzwischen seit 20 Jahren und aktuell von fünf Milliarden Menschen genutzt werde: «Gäbe es gesundheitliche Effekte, müssten sie inzwischen auftreten.» Georg Bockhart fasste nach: «Wir wissen nicht, was in 20 oder 30 Jahren ist.» Darauf Mehnert: «Man kann nichts ausschließen.» Aber er verwies darauf, dass es mindestens 1000 Studien zur Mobilfunktechnik gäbe, aber keinen Beweis einer gesundheitlichen Gefährdung. Der Mensch setze sich bei vielen anderen Neuheiten auch Gefahren aus. Dies geschehe freiwillig, stellte Birgit Maidhof fest. «Jeder kann sich entscheiden, ob er eine Mikrowelle oder ein DECT-Telefon nutzt. Ich als Anwohnerin in Oberhäuser werde aber bestrahlt, ob ich will oder nicht.»

Mit Aussagen nicht zufrieden

Auch Andrea Übelhör, die mit ihrer Anfrage bei der Bürgerversammlung das Thema ins Rollen gebracht hatte, äußerte ihre Sorgen: «Aus gutem Grund werden keine Funkmasten in der Nähe von Kindergarten zugelassen. Aber in Wohngebieten mit schwangeren Frauen werden sie errichtet.» Mit den Aussagen von Mehnert war sie nicht zufrieden: «Man wird als Dummchen dargestellt, wenn man sich Gedanken um die Gesundheit macht.» Darauf stellte Bürgermeister Markus Reichart fest, dass bewusst ein neutraler Experte eingeladen wurde: «Clemens Mehnert ist vom Landesamt und vertritt keine Mobilfunkanbieter.»

 

Diesen Sender-Standort im Heimenkircher Ortsteil Oberhäuser will Vodafone voraussichtlich Ende 2011 mit LTE-Technik ergänzen - was für lange Diskussionen im Marktgemeinderat sorgte. Foto: Olaf Winkler

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