Handwerk
Hans-Joachim Jentzsch seit 24 Jahren Besitzer einer Goldschmiede und Fasserwerkstatt in Opfenbach

Er hat wesentlich öfter Gold in den Händen als die olympischen Sportler: Das Edelmetall gehört zum Arbeitsalltag vom Hans-Joachim Jentzsch seit über 30 Jahren dazu. Wie viele Kilo dieses wertvollen Materials der Goldschmied aus Opfenbach schon in seinen Händen hatte, weiß er nicht.

Seit 24 Jahren hat er im Westallgäu seine Goldschmiede und Fasserwerkstatt. Im ersten Stock seines Hauses ist sein Reich. Auf dem Tisch liegen Feile, Hammer, Pinzette und eine Vielzahl weiterer kleiner Werkzeuge. Auf der anderen Seite des Raumes steht eine auf den ersten Blick altertümliche Esse.

Dabei ist sie regelmäßig im Einsatz. Inzwischen funktioniert sie allerdings mit Gas und kein Lehrling muss mehr neben dem Meister stehen und fleißig den Blasebalg treten. So wurde sie vor knapp 100 Jahren betrieben, doch das war auch deutlich vor Jentzsch’ Zeit. In einer Vitrine liegen Erinnerungsstücke.

Kleine Schmuckstücke aus seiner Lehrzeit oder Geschenke von befreundeten Goldschmieden. Kleine Plättchen aus Metall, auf die er kleine Kupferquadrate aufgelötet hat.

Sein erstes Schmuckstück hat der Goldschmied während einer Schnupperlehre gefertigt, danach war es um ihn geschehen. 'Ich wollte eigentlich schon immer Goldschmied werden', erinnert er sich.

Den Siegelring, den er damals entworfen und ausgearbeitet hat, besitzt er noch immer. 'Mein Chef hat ihn in die Auslage gelegt zum Verkauf, da habe ich ihn gefragt, ob ich ihn abkaufen darf.'

Gekostet hat er 60 Mark, ein ganzes Monatsgehalt für den jungen Jentzsch. Als er mit seiner Lehre angefangen hat, gab es viele Goldschmiede. 'Inzwischen wird viel Schmuck maschinell hergestellt, da ist die Konkurrenz sehr groß.'

Alles was er macht ist Handarbeit. Dabei arbeitet er nicht nur mit Gold und Silber, sondern auch mit Edel- und Farbsteinen. Denn neben seiner Ausbildung zum Goldschmied hat er auch noch Fasser gelernt.

Hier sitzt er dann mit einer Lupe an seinem Arbeitsplatz oder schaut durch ein Mikroskop auf das Schmuckstück. Mit einer ruhigen Hand nimmt er die Steine und setzt sie auf den Ring oder das Armband.

Vor allem Trauringe fertigt Jentzsch an, der ursprünglich aus dem Saarland stammt. Die Liebe hat ihn ins Westallgäu geführt. Seine Aufträge bekommt er vor allem von anderen Juwelieren oder auch Privatpersonen.

Ab und zu werden durchaus außergewöhnliche Wünsche an den Opfenbacher herangetragen. So etwa ein Schmuckstück für einen Jäger: ein kleiner Fuchs aus Silber hält dort zwei original Fuchszähne fest.

Ein anders Mal wollte ein Mann Ohrstecker für seine Frau anfertigen lassen, in Form eines Wohnmobils. Auf die Frage, ob er ein Bild dabei habe, antwortete der Mann: Nein, aber ich habe das Fahrzeug mitgebracht.

Für Jentzsch macht der Reiz an seiner Arbeit die Abwechslung aus. Gelernt hat er sein Handwerk – Sowohl Goldschmied als auch Fassermeister – in Hanau an der Goldschmiedeschule, dort hat er nach seinem Meister auch als Lehrer gearbeitet.

Eigene Eheringe sind gekauft

Mit einer Flamme verflüssigt er das Gold oder Silber, die helle Flamme zischt, während das Material langsam zählflüssig sich in dem Schälchen bewegt.

Dann gießt er die schimmernde Flüssigkeit in eine Form und kühlt es in einem Becher mit Wasser ab. Je nach dem ob er ein Blech oder einen dicken Draht braucht schiebt er es immer wieder durch eine Walze bis es die richtige Stärke hat.

'Aus einem dicken Draht werden zum Beispiel Trauringe gemacht', erzählt er. Bevor er jedoch mit den teuren Materialien hantiert, macht er zunächst einen Entwurf. Eine Zeichnung auf Papier und ein Modell aus Wachs.

'So kann man es sich besser vorstellen, wie es einmal aussieht', erklärt Jentzsch. Dann erst formt er den Ring aus Gold, lötet, klopft und bearbeitet das Schmuckstück, bis es ihm und auch dem späteren Besitzer gefällt.

Auch seine Frau Gabriele ist Goldschmiedin, gekauften Schmuck findet man im Hause Jentzsch daher nicht. 'Nur die Eheringe, die hat ein bekannter Goldschmied gemacht. Uns hat man damals gesagt, das soll man nicht selbst machen', erinnert sich Gabriele Jentzsch.

Das Handwerk im Internet: www.goldschmiede-jentzsch.de

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