Einweihung
Gutes Ende einer konfliktreichen Geschichte

Was Bruno und Dominik Bernhard vor Jahren nicht für möglich gehalten hätten, ist jetzt wahr geworden: Als gut spielbares Instrument mit warmem, feinen Klang wartet die restaurierte Steinmeyer-Orgel in der Weilerer Kirche St. Blasius auf ihre Weihe in Gegenwart von Bischof Konrad Zdarsa am 30. Januar. 450000 Euro hat die Restaurierung der denkmalgeschützten Orgel gekostet, die sich über zwei Jahre erstreckte. Die Summe wurde erbracht durch Zuschüsse, Erlöse verschiedener Aktionen der Gemeindemitglieder, Mitgliedsbeiträge des Orgelfreundevereins und Privatspenden.

Im Sommer 2007 waren Bruno Bernhard, der sich seit den 1990er-Jahren für eine neue Orgel in Weiler engagiert, und sein Sohn Dominik, der als Organist in München lebt und arbeitet, noch der Überzeugung, das wurmzerfressene und bei früheren Eingriffen beschädigte Instrument lasse sich nicht restaurieren.

Damals entwickelte sich eine Auseinandersetzung zwischen Pfarrei und Landesdenkmalamt. Die beiden Positionen: Die Weilerer wollten eine neue Orgel auf der Empore bauen - unter Verwendung von Teilen der alten. Und zwar aus Weißtanne, um Zuschüsse aus dem EU-Fördertopf Leader zu erhalten.

Das Landesdenkmalamt dagegen machte deutlich, dass die im Jahr 1897 von der Werkstatt Georg Friedrich Steinmeyer gebaute Orgel als Denkmal über die Region von Bedeutung und damit zu erhalten sei.

In den Konflikt schalteten sich verschiedene Stellen ein: vom Landratsamt Lindau bis hin zu Thomas Goppel, damals Minister für Wissenschaft und Kunst. Die Gemeinde setzte ihre für eine Restaurierung zugesagte finanzielle Unterstützung erstmal aus, «um den Beteiligten Zeit zu geben, nochmals zu kommunizieren», wie Bürgermeister Karl-Heinz Rudolph damals gegenüber dem Westallgäuer erklärte.

Diese Zeit wurde offenbar konstruktiv genutzt. Im März 2008 war ein Kompromiss gefunden. Das Landesdenkmalamt, das in Augen der Bernhards zuvor eine eher dogmatische Haltung eingenommen hatte, stand den Erneuerungsvorschlägen des beauftragten Orgelbauers Siegfried Schmid jetzt deutlich moderater gegenüber - so dass Schmid für seine Arbeit auch eine Gewährleistung übernehmen konnte. Und die Orgelfreunde, die ursprünglich der Meinung gewesen waren, ihre Mitgliedsbeiträge nur für ein neues Instrument gesammelt zu haben, leisteten ihren Beitrag nun doch auch für die Restaurierung, ebenso wie das Amt für Landwirtschaft Kempten als Leader-Förderstelle. Der anfangs schwierige Konflikt hat wohl auch dazu geführt, dass sich andere Stellen wie auch Privatpersonen besonders großzügig zeigten.

Im September 2008 schließlich spielte Dominik Bernhard ein letztes Konzert auf der alten Orgel, bevor die Fachleute damit begannen, das Instrument zu zerlegen. Das Weihekonzert am Sonntag, 30. Januar, bestreitet ebenfalls Kirchenmusiker Dominik Bernhard, der nach ersten Proben auf der Empore von St. Blasius in den höchsten Tönen schwärmt von der neuen-alten Orgel: «Ich bin begeistert», sagt er und lobt vor allem Orgelbaumeister Siegfried Schmid und Intonateur Stefan Niebler. Die Traktur (Verbindung zwischen den Tasten und den Pfeifenventilen, Anm. d. Red.) sei ausgesprochen präzise, und aus den Registern sei eine erstaunliche Klangqualität herausgholt worden. Bruno Bernhard überschreibt ein Kapitel in der zur Orgelweihe erscheinden Festschrift: «Ende gut, alles gut.»

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