Papstbesuch
Gläubige im Westallgäu hoffen auch auf Impulse des Kirchenoberhaupts Papst Benedikt

Eigentlich würde Dekan Franz Xaver Schmid die kommenden Tage am liebsten vor dem Fernseher verbringen und den Besuch von Papst Benedikt in Deutschland verfolgen. Doch das geht nicht. 'Ich habe ein paar wichtige Termine, die im Vordergrund stehen', bedauert der Heimenkircher Pfarrer.

Die abendliche Zusammenfassung werde er sich auf keinen Fall entgehen lassen. Dabei ist er nicht nur gespannt auf die Bilder und Berichte, er hofft auch, dass der Besuch etwas bewirken wird bei den Leuten im Land. 'Ich habe ihn als gewinnenden Menschen erlebt und denke, dass er durchaus das Bild, das manche von der Kirche haben, verändern kann.' Er persönlich erwartet auch Worte zu den 'bekannten Themen', wie Ökumene und Missbrauch. 'Ich denke, dass die Begegnung des Papsts mit den Missbrauchsopfern eine große Hilfe sein wird.'

Er selbst hat Papst Benedikt an der Universität in Tübingen kennengelernt. 'Ich war Student dort und er ein junger Professor', sagt Schmid. Und auch vor ein paar Jahren, beim Weltjugendtag in Köln, habe er ihn erlebt. 'Es war schön zu sehen, dass seine Botschaft wichtig ist für die jungen Menschen.'

Die Diskussionen bezüglich der Rede des Papsts im Bundestag findet er unangebracht. 'Ich habe kein Verständnis für einen Boykott', sagt Schmid und fügt in Richtung der Kritiker hinzu: 'Lasst den Mann doch erst einmal kommen und hören, was er zu sagen hat.' Er habe 'größten Respekt' davor, was sich Papst Benedikt im Alter von 84 Jahren zumute, sagt Schmid im Hinblick auf das Programm seiner Deutschland-Reise. Noch bis Sonntag ist Papst Benedikt in der Bundesrepublik unterwegs. Neben Berlin besucht er Eichsfeld, Erfurt und Freiburg.

'Zölibat öffnen'

In vielen Westallgäuer Pfarrgemeinden ist der Besuch des Papstes ein Thema. In den Sitzungen der Pfarrgemeinderäte wird darüber diskutiert und viele verfolgen die Berichte, andere wiederum konzentrieren sich mehr auf die Arbeit vor Ort in ihren Gemeinden.

Über was der Papst sprechen wird, darauf ist auch die Lindenberger Pfarrgemeinderatsvorsitzende Lucia Giray gespannt. Sie hat auch ein paar ganz konkrete Wünsche an den Papst. 'Mir ist wichtig, dass sich die Pfarrer auf die Seelsorge konzentrieren können und nicht so viel mit Bürokram belastet werden', sagt sie. Sie bedauert auch, dass es immer weniger Pfarrer gibt. 'Ich fände es deshalb gut, das Zölibat zu öffnen, so dass jeder selbst entscheiden kann, wie er leben möchte.'

Über die Kritik an der Rede Benedikts im Bundestag kann Giray nur den Kopf schüttelt. 'Im Kleinen versucht man doch auch, dass Kirche und Politik zusammenarbeiten, dann sollte es doch auf Bundesebene auch funktionieren.' Auch Elisabeth Rotter, Pfarrgemeinderatsvorsitzende in Weiler freut sich auf den Besuch des Papsts. Sie hofft, dass die Menschen dadurch 'mehr zu Gott finden.' 'Ich denke, der Papst kann da auch ein Vorbild sein', sagt Rotter.

Nicht nur die katholischen Gläubigen im Westallgäu beschäftigen sich mit dem Besuch des Kirchenoberhaupts. Der Besuch von Papst Benedikt war auch Thema im evangelischen Religionsunterricht bei Pfarrerin Ingrid Ossig. 'Ich habe mit den Dritt- und Viertklässlern einen Zeitungsartikel über den Papstbesuch gelesen', sagt Ossig.

Die Mädchen und Buben haben sich mit dem Thema Ökumene auseinander gesetzt. 'Wir haben ein Plakat gemalt mit den Gemeinsamkeiten und Unterschieden der evangelischen und katholischen Kirche', erzählt Ossig. Ökumene – dieses Thema ist ihr ein wichtiges Anliegen. 'Ich bin deshalb sehr gespannt auf den Besuch in Erfurt', sagt sie und fügt hinzu: 'Auch wenn ich weiß, dass man die Erwartungen nicht zu hoch setzen sollte.'

Einig ist sie sich, was die Kritik der Rede im Bundestag anbelangt mit ihren katholischen Kollegen: 'Ich kann die Diskussionen nicht nachvollziehen.'

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