Konzept
Fachklinik Prinzregent Luitpold nutzt den Skywalk für therapeutische Zwecke

Mit leicht gebeugten Knien steht das Mädchen mit den dunkelblonden Haaren auf einer hölzernen Plattform. Die Hände von sich gestreckt, versucht das Mädchen die schwankende Fläche, die in der Mitte am Boden verankert ist, unter Kontrolle zu bringen..

Ein Junge im blauen Sweatshirt erklimmt die Plattform, die sogleich wieder stärker zu schwanken beginnt. „Du musst dich dorthin stellen“, ruft das Mädchen. Nach und nach klettern alle zwölf Kinder der Gruppe auf die Holzplatte – es dauert ein bisschen, doch dann schwebt die Holzplatte beinahe bewegungslos über dem Waldboden

'Anfangs war es gar nicht so einfach, wir mussten uns richtig verteilen, damit alles im Gleichgewicht ist', berichtet der 13-jährige Raphael nach der Übung. 'Teamwippe' nennt sich die Plattform aus Holz im Wald neben dem Skywalk Allgäu bei Scheidegg.

Sie ist eine von fünf Elementen, die überwiegend von der nahe liegenden Kinder-Fachklinik Prinzregent Luitpold für therapeutische Zwecke genutzt wird. Die Scheidegger Klinik der katholischen Jugendfürsorge behandelt unter anderem Kinder und Jugendliche, die an Asthma, Adipositas, Neurodermitis, ADHS, Traumata oder Depressionen leiden.

Immer wieder war die katholische Jugendfürsorge wegen des Baus des rund zehn Millionen Euro teuren Baumwipfelpfads von verschiedenen Seiten kritisiert worden. Dies sei nicht Aufgabe der gemeinnützigen Organisation, die sich in ihren rund 80 Einrichtungen jährlich, nach eigenen Angaben, um etwa 55 000 Kinder und Jugendliche kümmert.

Konzept entwickelt

Dem widerspricht der Verwaltungsleiter der Fachklinik und Geschäftsführer des Skywalks, Thomas Schmoltner. 'Im Rahmen der Planungen haben wir ein Konzept entwickelt, wie wir den Skywalk auch therapeutisch nutzen können', sagt er. Daneben diene er natürlich auch der Standortsicherung der Klinik, da er ein Alleinstellungsmerkmal darstelle, und habe auch eine wichtige touristische Bedeutung.

Teamfähigkeit und Selbstbewusstsein, sowie Konzentration und motorische Fähigkeiten sollen geschult werden bei den verschiedenen Übungen auf Kletterplatten oder gespannten Stahlseilen. 'Viele Patienten, die zu uns kommen, haben wegen ihrer Erkrankung wenig Selbstvertrauen', erläutert Chefarzt Dr. Thomas Hermann.

Vermehrt werden auch Mädchen und Jungen mit Depressionen behandelt. 'Diese sind oft sehr antriebslos, wir wollen ihnen hier wieder Freude an Bewegung vermitteln,' sagt Hermann.

Zwischen vier und sechs Wochen verbringen die Kinder und Jugendlichen in Scheidegg. 'Unser Konzept ist von den Kostenträgern als medizinische Rehabilitation genehmigt', fügt Schmoltner hinzu.

Balance halten

Überwiegend nutzen die jungen Patienten gemeinsam mit den Psychologen, Therapeuten und Lehrern die fünf Stationen im Wald neben dem eigentlichen Skywalk. 'Hier geht es darum, dass die Kinder die Balance halten und sich auch absprechen, um sich richtig auf der Platte zu verteilen', erklärt Diplom-Motologe Willi Zellmann die 'Teamwippe'.

Ein Stück weiter im Wald balancieren Kinder über ein gespanntes Drahseil. 'Es geht heute einfach darum, dass sie sich kennenlernen und als Gruppe zusammen- wachsen', sagt Lehrer Paul-Michael Wingert.

Doch auch Physik und Mathematikunterricht hält er teils unter oder auf dem Skywalk ab. 'Da gibt es viele mögliche Aufgaben, zum Beispiel können sie über Winkelfunktionen die Höhe der Stahlmasten berechnen.'

Doch auch der Baumwipfelpfad selbst bietet laut Hermann für die Patienten mehr als nur eine schöne Aussicht. 'Für viele ist es zunächst eine Überwindung hochzusteigen, wenn sie es dann geschafft haben, ist das eine tolle Bestätigung.'

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