Scheidegger Gespräche
Ex-Ministerpräsidenten zu Gast in Scheidegg für guten Zweck

'Das ist unser Ministerpräsident'. Heinz und Hilde Auch schütteln Erwin Teufel vor dem Scheidegger Rathausbrunnen begeistert die Hand. Bei seinem Besuch im Westallgäu bleibt der frühere Landeschef von Baden-Württemberg nicht unerkannt.

Obwohl er seit sieben Jahren nicht mehr im Amt weilt, ist der 72-Jährige für die Urlaubsgäste aus Vaihingen immer noch ihr Landesvater. Die Veranstaltung "Scheidegger Gespräche"hat Teufel ins Westallgäu geholt. Ihn und seinen sächsischen Kollegen Georg Milbradt.

Prominente Menschen, die etwas zu sagen haben in die Provinz holen und gleichzeitig etwas Gutes tun - das ist die Idee der Scheidegger Gespräche. Die dafür nötigen Kontakte hat Manfred Przybylski als ehemaliger Leiter der politischen Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Neben Milbradt und Teufel hatte er Bayerns-Ex-Ministerpräsidenten Günther Beckstein zur Premiere eingeladen. Der Franke hatte aber am Morgen erkrankt abgesagt. 'Da steckst Du nicht drin', sagt Scheideggs Bürgermeister Uli Pfanner und zieht das geplante Programm durch.

Der Eintrag ins Gästebuch der 4300-Einwohner-Gemeinde steht für die früheren Ministerpräsidenten an, Kaffee mit den Ehefrauen und ein Ausflug in den Baumwipfelpfad 'Skywalk'.

Trotz der Absage von Beckstein spricht Pfanner von einer gelungenen Premiere. Das hat seinen Grund: Alle 80 Plätze im Gasthaus 'Zum Hirschen' sind besetzt - was knapp 5000 Euro für den Kauf von Spielgeräten für die Kindertagesstätte 'Sankt Gallus' einbringt.

Denn wer die beiden Ex-Ministerpräsidenten sehen und hören will, muss 100 Euro auf den Tisch legen. Vor allem lokale Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Kirche tun das. Zwischen Allerlei von Bodensee-Fischen, Kalbsrücken am Stück rosa gebraten, Allgäuer Krautkrapfen und Quark-Marillen-Knödel mit Mohnzucker nehmen Milbradt und Teufel zu Europafragen Stellung.

Milbradt übernimmt dabei die Rolle des Euro-Skeptikers. Der Applaus zeigte es: Sie sind an diesem Abend in der Mehrheit. So schildert Milbradt die aus seiner Sicht falsch gelaufene Entwicklung. Deutschland sei nun 'Gewinner der Krise, aber nicht Gewinner des Euros'.

Denn: 'Niemand investiert mehr in den Südländern, das Geld fließt nach Deutschland.' Zudem seien die Beziehungen in Europa durch die Hilfspakete vergiftet, da Schuldbeziehungen entstanden seien. 'Mancher in Europa fürchtet sich vor einem vierten Reich und sieht Deutschland als Lehr- oder Zuchtmeister Europas', so Milbradt.

Sein Fazit: 'Wir müssen die Regeln ändern'. Und das wiederum bedeutet für ihn eine Währungsunion mit weniger Mitgliedern. Das sei letztlich kein Problem, denn: Der Fortschritt Europas sei nicht durch den Euro gekommen, sondern durch den Freihandel.

An den Gedanken des friedlichen Miteinanders erinnert Erwin Teufel. Jedoch müsse nach dem Subsidiaritätsprinzip gehandelt werden, also möglichst eigenverantwortlich von unten nach oben. Europa solle nur jene Aufgaben übernehmen, die kleinere Einheiten wie Gemeinden, Länder oder Staaten überfordern.

Przybylski denkt indes schon an die nächste Auflage der Scheidegger Gespräche.

Günther Beckstein hat zugesagt, seinen Besuch im Westallgäu nachzuholen. Und vielleicht wird auch er dann als 'unser Ministerpräsident' begrüßt werden.

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