Gebetsstätte
Diözese verbietet Buch über Wigratzbad

Die Diözese Augsburg hat per Dekret das Buch «Sieg der Sühne - Marias Botschaft an den Menschen» aus dem Verkehr gezogen. In ihm schreibt der Esslinger Autor Alfons Sarrach über die Westallgäuer Gebetsstätte Wigratzbad. Seit seinem erstmaligen Erscheinen vor rund einem Jahr wurde das Werk über 5000 Mal verkauft. Derzeit ist es vergriffen, eine dritte Auflage wurde angekündigt. Laut kirchlichem Verbot darf diese nicht erscheinen. Das ist ein einzigartiger Vorgang. Üblicherweise beschränkt sich die Kirche auf die Warnung vor bedenklichen Schriften.

Wundersame Ereignisse

Das bischöfliche Dekret ist adressiert an Thomas Rimmel, Direktor der Gebetsstätte und Miteigentümer der «Kirche heute Verlags-gGmbH», in der das Buch erschienen ist. «Sieg der Sühne» erzählt die Entstehungsgeschichte der Gebetsstätte Wigratzbad und die Biografie der Gründerin Antonie Rädler (1899-1991). Sie wird beschrieben als Seherin, «durch die der Himmel in die Weltgeschichte eingegriffen hat», wie ein Wigratzbader Werbetext behauptet. Von Botschaften Mariens ist die Rede und von vielen wundersamen Ereignissen wie Heilungen durch Wigratzbader Quellwasser oder einer wunderbare Kiesvermehrung beim Bau der Sühnekirche.

Solche Legenden beurteilen Generalvikar Karlheinz Knebel und Domkapitular Harald Heinrich in dem von ihnen unterzeichneten Dekret als «zu hinterfragende religiöse Vorstellungen» und «zweifelhafte Tatsachenbehauptungen», die «die Wundersucht der Gläubigen fördern». Sie berufen sich beim Verbot des Buchs auf kanonisches Recht, Paragraph 823, in dem es heißt: «schließlich haben sie (die Hirten der Kirche, Anm. d. Red.) Schriften zurückzuweisen, die dem rechten Glauben oder den Sitten schaden.» Diözesanpressesprecher Markus Kremser formuliert konkreter. Viele Gläubige würden durch Sarrachs Schrift «verunsichert und in die Irre geführt», sagt er.

Der über 80-jährige, in Danzig geborene Autor Sarrach wertet das Verbot als persönlichen Angriff: «Ich wurde als Kind in einem Konzentrationslager gefoltert. Und jetzt erlebe ich Ähnliches - in geistigem Sinne», sagt er unserer Zeitung. Sein Buch sei keine «primitive Heiligenlegende». Genau dies aber werfen die Augsburger Theologen Sarrach vor. Das Werk erinnere an Heiligenlegenden, schreiben sie, bestimmte Vorgänge würden «als authentische wunderbare und übernatürliche Ereignisse behauptet».

Vor allem wendet sich die Diözese gegen einen drohenden Unterton in Sarrachs Buch.

Es versuche, «die Leser zu zwingen, die Phänomene von Wigratzbad als übernatürlich anzuerkennen» und bezeichne die kritische Auseinandersetzung mit solchen Erscheinungen als «Werk des Teufels». Das Dekret wörtlich: «Aus pastoraler Sicht ist äußerst bedenklich, dass Gegnern von Wigratzbad ein schlimmer Tod verheißen wird.» Nach Kirchenmeinung sind Privatoffenbarungen - selbst kirchlich anerkannte - niemals verpflichtender Inhalt des Glaubens.

Gebetsstättenleiter Thomas Rimmel gibt sich auf Anfrage unserer Zeitung einsichtig. «Ich bin der Meinung, die Anmerkungen der Diözese sind berechtigt», sagt er.

Gleichzeitig aber verweist er auf den früheren Augsburger Bischof Josef Stimpfle, der das Buch in Auftrag gegeben und wiederholt gesagt habe: «Ich weiß, dass Wigratzbad echt ist.» Zum Urteil Augsburgs über Sarrachs Buch sagt Rimmel: «Das sind innerkirchliche Angelegenheiten, die es zu klären gilt.» Die Diözese sieht das anders. Laut Pressesprecher Kremser steht keine kirchliche Untersuchung von wundersamen Begebenheiten rund um Wigratzbad an: «Es gibt jetzt schon begründete Zweifel in Bezug auf die Echtheit.»

Nein zu dritter Auflage

Ungeachtet dessen hofft der Direktor der Gebetsstätte weiterhin, die dritte Auflage von «Sieg der Sühne» doch noch herausgeben zu können. «Wir sind gerne bereit, mit dem Autor und der Diözese an Änderungen zu arbeiten und so eine Form zu finden, mit der alle Beteiligten einverstanden sind» so Rimmel. Aus Augsburg kommt dazu ein klares Nein. «Das Dekret ist endgültig», sagt Pressesprecher Kremser. Eine Beschwerde dagegen könne Rimmel nur in Rom einlegen - «bei geringer Aussicht auf Erfolg».

Buchautor Alfons Sarrach will sich auf jeden Fall an den Vatikan wenden. «Der Papst kennt mich ja», sagt er.

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