Kneipp
Deckel drauf oder Seerosen rein

Rund viereinhalb Jahre ist es her, dass Heimenkircher Gemeinderäte und der damalige Bürgermeister Rudi Janisch die Hosenbeine hochkrempelten und ins kalte Wasser stiegen. Im Storchenschritt weihten sie die neue Kneippanlage am Freibad ein. Damit war ein Wunsch vieler Bürger erfüllt, die ihrem Anliegen sogar mit einer Unterschriftenliste Nachdruck verliehen hatten. Mit besagtem Tretbecken hat sich am Montag auch der Haupt-, Personal- und Finanzausschuss des Marktgemeinderats beschäftigt. Grund: Die Anlage erfordert laut Bürgermeister Markus Reichart einiges an Pflegeaufwand und wird vergleichsweise wenig genutzt. Er stellte die Überlegung zur Diskussion, das Becken außer Betrieb zu nehmen.

«Das geht mir auf den Keks»

«Das Tretbecken geht mir auf den Keks», sagte Bürgermeister Markus Reichart salopp, um dann seinen Ärger zu konkretisieren. Immer mal wieder höre er Klagen, «das Becken sei verschmutzt oder ach so böse Jugendliche verschmutzten es», so Reichart. «Aber ich sehe niemanden, der die Anlage wirklich regelmäßig nutzt oder gar bereit wäre, sich darum zu kümmern.» Gleichzeitig müsse der Bauhof einen «nicht geringen Aufwand» betreiben, um sie in Ordnung zu halten.

Bei Eröffnung der Heimenkircher Kneipptretanlage, für die im Rathaus immerhin 100 Unterschriften - vorwiegend von Bürgerinnen - eingereicht worden waren, war noch davon die Rede, einen Kneippverein zu gründen, mit dem Ziel, das Becken zu nutzen und zu pflegen.

Weil dies noch immer nicht geschehen ist, und der Bauhof die Wartungsarbeiten leistet, hat Bürgermeister Reichart im «Heimenkircher Boten» einen Aufruf gestartet. «Niemand hat sich gemeldet», beschrieb Reichart im Hauptausschuss enttäuscht die Resonanz.

In der Diskussion nannten Ausschussmitglieder einige Nachteile der Kneippanlage. Die Lage sei nicht glücklich gewählt, hieß es, und das Wasser sei nicht kalt genug. Gespeist wird das Becken mit Wasser von der Wasserversorgung Heimenkirch-Opfenbach (WHO), wofür die Gemeinde jährlich pauschal 100 Euro bezahlt.

Rund 40000 Euro hat der Markt vor vier Jahren für die Anlage ausgegeben, jetzt trägt er sich ernsthaft mit dem Gedanken, sie zu schließen. Anton Volkwein sieht die Bürger in der Pflicht. «Wenn sie etwas von der Gemeinde fordern, müssen sie auch ein wenig Einsatz zeigen», sagte er. Die Verwaltung wird seine Anregung umsetzen und anhand der alten Unterschriftenliste die damaligen Kneippianer zu einem Gespräch ins Rathaus einladen mit dem Ziel, eine Gruppe zu bilden, die sich für das Becken verantwortlich fühlt.

«Das ist unser letzter Versuch», sagte abschließend Bürgermeister Reichart. Für den Fall, dass sich auch dieses Mal niemand meldet, sehen die Ausschussmitglieder zwei Möglichkeiten für das Tretbecken: Deckel drauf oder Seerosen rein.

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