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Center Parcs Allgäu

Freizeit
Center Parcs Allgäu in Leutkirch: Ein neues Dorf fürs Allgäu

Die kleinen Ferienhäuser im Center Parcs Allgäu, in denen ab Oktober die Gäste Urlaub machen können, sind modern ausgestattet – teils mit Kamin, Sauna und Küche samt Geschirrspüler.
  • Die kleinen Ferienhäuser im Center Parcs Allgäu, in denen ab Oktober die Gäste Urlaub machen können, sind modern ausgestattet – teils mit Kamin, Sauna und Küche samt Geschirrspüler.
  • Foto: Ralf Lienert
  • hochgeladen von Pia Jakob

Eine frisch geteerte Straße, gesäumt von jungen Bäumen, führt einen kleinen Hang hinauf. Dort oben, umgeben von Wald, entsteht derzeit der neue Center Parcs Allgäu in Leutkirch – das größte Tourismusprojekt in der Geschichte des Allgäus. Von weitem blitzen vereinzelt Kräne durch die hohen Wipfel, viel mehr ist von der Riesen-Baustelle nicht zu erkennen.

An einer Zufahrtsschranke ist dann Schluss. Der Pförtner lässt nur Baufahrzeuge und Berechtigte durch. Da nützt auch ein Anruf bei der Pressestelle nichts. Denn Führungen über das Feriendorf-Gelände gibt es erst wieder nach der Eröffnung im Oktober. Jetzt sei dafür keine Zeit mehr, teilt Sprecherin Sabine Huber mit. Um sich trotzdem einen Eindruck machen zu können, schickt sie Bilder von einigen Ferienhäusern und dem zentralen Gebäude, aus dem sich grüne, blaue und rote Wasserrutschen schlängeln. Hier ist in fast zwei Jahren ein neuer Stadtteil entstanden.

Knapp sieben Kilometer weiter sitzt Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle in seinem Rathaus. Er hat das Feriendorf ins Allgäu geholt. Die Idee kam ihm, als er 2008 einen Zeitungsartikel über ein umstrittenes Center Parcs Allgäu-Feriendorf in Ansbach las, das später nie realisiert wurde. Als Ersatzgrundstück brachte Henle das 184 Hektar große ehemalige Bundeswehr-Munitionsdepot in Leutkirch ins Gespräch.

Eigentlich war auf dem Gelände ein Sägewerk geplant. „Das war zwar so entschieden, ließ sich aber nicht umsetzen“, blickt Henle zurück. Ein Ferienpark sei also „die Lösung“ gewesen. Nach einigen E-Mails und Anrufen kam es im März 2009 zu konkreten Gesprächen mit Center Parcs Allgäu. „Sie hatten damals Angebote aus halb Süddeutschland“, sagt Henle.

Bei einem ersten Ortstermin im April mit Gerard Brémond, Chef der Unternehmensgruppe Pierre & Vacance, zu der Center Parcs Allgäu gehört, präsentierte sich das Allgäu von seiner besten Seite: „Die Nagelfluhkette war zu sehen, der Himmel war blau und der Löwenzahn auf den Wiesen gelb“, erinnert sich Henle. Das gefiel den Konzernvertretern, und die Planungen wurden konkreter. Um sich auch die Zustimmung der Leutkircher zu sichern, gab es im September 2009 einen Bürgerentscheid. Dabei sprachen sich 95,1 Prozent der Stimmberechtigten für das Projekt aus. „Eine Wahnsinns-Zustimmung“, sagt Henle.

Das bestätigen die Leutkircher auch heute noch: „Wir freuen uns auf die Eröffnung“, sagt eine Frau, die seit zehn Jahren in der Stadt wohnt. Zum einen sei es toll, ein solches Erlebnisbad in unmittelbarer Nähe zu haben, und zum anderen böten sich für Verwandte oder andere Besucher neue Übernachtungsmöglichkeiten. „Viele haben sich auch dort beworben“, sagt Margot Hildebrand. Sie hofft, dass durch den Ferienpark auch wieder mehr Geschäfte in der Stadt aufmachen.

13 Kilometer weiter im beschaulichen Markt Altusried (Landkreis Oberallgäu) sind die Meinungen geteilt. Eine 78-jährige Dorfbewohnerin fürchtet zum Beispiel, dass noch mehr Fahrzeuge die Straßen belasten. Schon jetzt sei der Wunsch nach einer Umgehung groß, erzählt sie und beobachtet die vorbeifahrenden Autos und Lastwagen.

Klaus Hackler, der gerade vor dem Kultur- und Verkehrsamt an der Hauptstraße steht, glaubt hingegen nicht an negative Auswirkungen. Die Hauptstrecke zum Center Parcs Allgäu führe über Leutkirch, sagt der frühere Gemeinderat. Außerdem würden auch die Altusrieder vom Freizeitangebot des Center Parcs Allgäu profitieren. Sie bekommen zum Beispiel ebenso wie die Einwohner von Leutkirch 20 Prozent Nachlass auf den Eintritt ins Erlebnisbad. Hackler findet auch: „Man muss froh sein, dass es Investoren gibt, die so ein Areal nutzen.“

Denn bevor auf dem ehemaligen Munitionsdepot überhaupt gebaut werden konnte, mussten für mehrere Millionen Euro Altlasten der Militärzeit beseitigt werden. Das Munitionsdepot wurde 1939 zwischen Leutkirch und Frauenzell angelegt und bis in die 1990er Jahre genutzt. Auf Kosten von Center Parcs Allgäu befreite eine Spezialfirma das Gelände zum Beispiel von Patronenhülsen und Granaten. 200 Bunker wurden rückgebaut. Nur das 20 Kilometer lange Straßennetz blieb großteils erhalten und wurde verlängert.

Im Sommer 2016 fiel der Startschuss für den Bau des Allgäuer Parks. Vorausgegangen war eine achtjährige Vorbereitungszeit – allein der Bauantrag für den Ferienpark füllte 150 Aktenordner. Kompliziert war vieles deshalb, weil der Center Parcs Allgäu nicht nur auf Leutkircher, sondern zu 15 Prozent auch auf Altusrieder Flur entstand, erzählt Leutkirchs Oberbürgermeister Henle: „Zwei Landkreise, zwei Gemeinden, zwei Bundesländer und zwei Regierungsbezirke. Man musste alles doppelt machen.“

Seither sind 1.000 Ferienhäuser sowie das zentrale Gebäude der Anlage, der sogenannte Market Dome, errichtet worden. Alles fertig zu sehen und besichtigen zu können, darauf freut sich Henle schon sehr. Ein solches Großprojekt begleite man im Leben wohl nur einmal, sagt der Oberbürgermeister.

Mehr über das Thema erfahren Sie in der Montagsausgabe unserer Zeitung vom 16.07.2018.

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Autor:

Katharina Müller aus Kempten

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