Bier-Kultur
Bayerns scheidender Brauerbund-Präsident Michael Weiß aus Meckatz über den Imagewandel weg von der Masse und hin zur Klasse

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Dieser Mann hat keinen Beruf. Dieser Mann hat eine Berufung. Michael Weiß will Bier aus der Dimpfl-Ecke holen und endlich als Kult- und Kulturgetränk verstanden wissen.

Bier als Genussmittel - der scheidende Präsident des Bayerischen Brauerbundes und Chef der Meckatzer Löwenbräu im Westallgäuer Heimenkirch geht für seine Mission auch mit Berufskollegen hart ins Gericht: << Wo sind da oft die Liebe zum Produkt, Kreativität und Mut geblieben? >>, macht Weiß die eigene Branche mit dafür verantwortlich, den Weg weg von der Masse und hin zur Klasse noch nicht konsequent und weit genug gegangen zu sein.

Zehn Jahre Präsident des Bayerischen Brauerbundes. Warum hören Sie auf?

Weiß: Ich hatte mir von Anfang an vorgenommen, nicht mehr als drei Amtsperioden zu machen. Ich habe das einmal hochgerechnet: Die Verbandsarbeit hat mich im Jahr 35 bis 40 Tage gebunden, das sind sieben bis acht Arbeitswochen. Irgendwann ist dann auch gut. Ich habe ja schließlich auch noch Kinder, Frau und ein eigenes Unternehmen.

Sie sind angetreten mit dem Anspruch, Bier imagemäßig aus der Ecke des reinen Durstlöschens rauszuholen. Ist das gelungen?

Weiß: Wir sind da, glaube ich, ein gutes Stück vorangekommen. Früher wurde automatisch Wein mit Genuss und Bier mit Saufen gleichgesetzt. Da hat sich einiges getan.

Ein Kampf an vielen Fronten?

Weiß: Wahrlich. Nehmen Sie nur die Politik. Da gibt es genügend Standesvertreter, die Alkoholmissbrauch automatisch mit Bier verbinden. Dass die Jugendlichen mit Wodka-, Gin- oder Rum-Flaschen durch die Städte torkeln, wird einfach übersehen. Oder das Thema Besteuerung: Bei Bier werden 10 Euro Steuer pro Hektoliter fällig - bei Wein Null Komma null Euro. Wo liegt da die Logik?

Sie haben sich ja als Brauerbund-Präsident auch bei manch eigenem Kollegen nicht unbedingt beliebt gemacht.

Weiß: Mir geht es um die Sache. Und wenn es da nach wie vor Branchenvertreter gibt, die glauben, das Heil liege darin, immer noch durchschnittlichere Qualität zu immer noch billigeren Schleuderpreisen anbieten zu müssen, gehört das deutlich angesprochen - das schadet der gemeinsamen Sache.

Sie selbst sind den entgegengesetzten Weg gegangen.

Weiß: Ja, gegen den Rat manchen Branchengurus war ich fest davon überzeugt, dass die Kunden bereit sind, für hohe Qualität, für ein Produkt, mit dem sie sich identifizieren können, auch einen entsprechenden Preis zu bezahlen. Der Erfolg unseres Unternehmens hat diese Philosophie voll bestätigt: Klasse statt Masse wird honoriert. Es geht um den bewussten Genuss, so, wie er jedem gut tut.

Mit dem Motto haben Sie ja das ein oder andere Mal für gehörig Wirbel gesorgt.

Weiß: Als ich Bier in 0,1- und 0,2-Liter-Gläsern als Apéro vorgestellt habe, haben Münchner Boulevard-Blätter << Ja, wo samma denn? >> getitelt. Unterm Strich ist dabei aber immer ein gewaltiger Image-Gewinn herausgekommen. Heute setzen die Gastgeber bei immer mehr Empfängen auf eine kleine, kühle Bier-Spezialität statt auf den ewig gleichen halbschalen und lauwarmen Prosecco.

Noch einmal: Die eigene Branche hat es Ihnen nicht immer leicht gemacht?

Weiß: Man macht sich nicht nur Freunde, wenn man ab und an öffentlich den Verlust der Brauerehre anprangert. Für mich gehört zum Brauerberuf Leidenschaft. Die Leidenschaft für das, was Bier ausmacht. Es geht um Wertigkeit: Ich kann ein Produkt nur genießen, wenn ich weiß, dass es etwas wert ist. Kultur heißt Pflege des Preises, der Qualität sowie der Identität einer Marke und ihrer Bedeutung für die Menschen.

Wie wird der Biermarkt der Zukunft aussehen?

Weiß: Da wird es zum einen die Großen geben. Deren Biere kosten allesamt gleich viel, schmecken fast gleich und vermitteln ähnliche Life-Style-Welten. Gegen diesen Trend der Nivellierung werden andere, zumeist Mittelständler wie wir, den Trend der Profilierung setzen.

Das heißt: eigenständige Kommunikation, eigenständiger Geschmack und eigenständige Preispolitik. Wie hat ein Kollege es einmal so treffend formuliert: << A g ´scheits Bier ist der Luxus des kleinen Mannes. >>

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