Kanadier
Anglo-Stammtisch-Vorsitzender Reginald Fues aus Simmerberg legt nach 16 Jahren eine Schnaufpause ein

Reginald Fues lädt die Mitglieder per Ansichtskarte zum Stammtisch ein. Geschrieben in englisch, auf einer uralten Schreibmaschine, 'die noch eine Reichsmark-Taste hat', erzählt der Rentner mit kanadischem Pass. Vor 16 Jahren hat er in Wangen, vor sieben Jahren in Simmerberg (daher die Bezeichnung 'Simmermountain'), wo er wohnt, einen Anglo-Stammtisch ins Leben gerufen, der nach mehreren Wanderungen durch die Ortschaften seit vier Jahren in der Alten Backstube in Ellhofen eine Bleibe gefunden hat. Karten schreibt er, weil er kein Internet hat (und braucht), und weil er die aus der Mode gekommene Korrespondenzform liebt.

Im Schnitt sind es 15 Männer und Frauen, es können auch mal drei Dutzend sein, die ungezwungen die englische Sprache durch Konversation pflegen. Reginald Fues greift selten ein. Unterricht gibt er nicht. Wenn er grobe Fehler korrigiert, 'dann nur sanft', weiß Birgitt Richter aus Heimenkirch, die über ihr Studium in Kempten den Stammtisch entdeckte.

'Wir sind nicht in der Schule oder in einem Kurs eines Bildungswerks', erklärt er. 'Aber wir sind besser als die VHS', lässt sich Fues dann doch entlocken.

Der in Heidelberg geborene Fues war als junger Mann Anfang der Fünfzigerjahre, nachdem sein Vater aus russischer Gefangenschaft nach Deutschland zurückgekommen war, nach Nordamerika ausgewandert. Nach 35 Jahren, 1986 kam er zurück. Als 'native speaker', wie er sich bezeichnet, erteilte er Unterricht in englischer Sprache an Volkshochschulen und lehrte technisches Englisch in Betrieben, wie der Firma Liebherr.

Beim Stammtisch werden Filme gezeigt, oder Vorträge gehalten von Teilnehmern, die private Reisen gemacht haben, wie Weiler-Simmerbergs Bürgermeister Karl-Heinz Rudolph nach Australien. Alle paar Monate kommt der Gitarrist Peter Ehrmann vorbei, und es werden Lieder gesungen. Im Oktober wird Party mit einer Band gefeiert.

Hanne Bryxi wollte ihr Schulenglisch auffrischen vor der Reise in die Partnerstadt Lindenbergs, Saline. Als sie das Städtchen in den USA besuchte, stellte sie erstaunt fest: 'Ich brauchte kein Wörterbuch.'

Reginald Fues legt nun 'eine Schnaufpause' als Vorstand ein. Ein junger Mann ais Indien namens Bobby wird ab Januar den Stammtisch leiten. Ob und wann Reginald Fues wieder mit Ansichtskarten einladen wird, lässt er offen.

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