Amtsgericht
Zum zehnten Mal vor Gericht

Zum zehnten Mal seit 2004 stand ein 21-jähriger Westallgäuer nun vor dem Lindauer Amtsgericht. Und zum letzten Mal gab es für ihn eine Bewährungsstrafe. «Die nächste Tat führt Sie unweigerlich hinter Gitter», kündigte Richter Paul Kind an. Nicht zuletzt seinem späten Geständnis vor Gericht verdankte es der Angeklagte, dass es nicht schon diesmal eine Gefängnisstrafe für ihn gab. Denn angeklagt war er aufgrund einer vorsätzlichen und schweren Körperverletzung, sowie wegen des unerlaubten Anbaus von Betäubungsmitteln.

Die Stimmung in Lindenberg hätte kaum besser sein können an jenem Samstagabend im Juli 2010: Deutschland hatte gerade das Viertelfinale bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika mit 4:0 gegen Argentinien gewonnen. Ein Autokorso zog durch die Bergstadt. In einem Fahrzeug: das spätere Opfer, ein 25-jähriger Lindenberger. Er sah eine Bekannte, stieg aus dem Auto und sprach sie an. Das allein genügte dem Freund der Frau, dem 25-jährigen einen Tritt ins Gesäß zu verpassen - das räumte der Angeklagte nach einigen Rückfragen durch Richter und Staatsanwalt ein. Bei der Polizei hatte er noch angegeben, das spätere Opfer habe seine Freundin beleidigt. Es kam zu einer Schlägerei zwischen den beiden Kontrahenten, in deren Verlauf der Täter auch noch Bekannte hinzu rief.

Namen genannt

Und ebenfalls erst auf die eindringliche Ermahnung von Richter Paul Kind nannte der Angeklagte die Namen von drei Beteiligten. Das Opfer trug offene Wunden, Prellungen und zwei angebrochene Rippen davon: «Mein Körper fühlte sich an wie ein riesiger Bluterguss», sagte er vor Gericht. Noch heute leide er unter den Ereignissen, vor allem psychisch.

Zweiter Anklagepunkt: Im Frühjahr 2010 hatte der Westallgäuer im Keller seiner Wohnung Cannabis-Pflanzen angebaut. 140 Gramm waren es, was den Staatsanwalt zweifeln ließ, dass ausschließlich Eigenkonsum vorgesehen war: «Aber was ich glaube, ist nicht entscheidend. Beweisen kann ich ihnen die Absicht, damit zu handeln, nicht.» So kam es zur Verurteilung wegen des unerlaubten Anbaus.

Der Auszug aus dem Bundeszentralregister war lang: Neun Vorstrafen, darunter mehrere wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie aufgrund von Körperverletzungen und Sachbeschädigung, standen darin. Zuletzt war der Angeklagte im September 2010 wegen eines Einbruchdiebstahls verurteilt worden. Damals verhängte das Gericht erstmals eine Bewährungsstrafe. Auf diesen «Warnschuss» (Richter Kind) dürfe keine weitere Tat mehr folgen. Die jetzt zur Aburteilung anstehenden Taten beging der Westallgäuer allerdings davor. Nur dies habe nach eingehender Beratung mit den Schöffen dazu geführt, dass es diesmal noch bei einer Bewährungsstrafe bleibe, zumal die Sozialprognose positiv sei, so Richter Kind: Der 21-jährige hat eine feste Anstellung und gemeinsam mit seiner Freundin ein Kind.

Knapp unter dem Antrag des Staatsanwaltes von zwei Jahren blieb das Gericht: Verhängt wurden ein Jahr und zehn Monate - durchaus vor dem Hintergrund, dass eine weitere Anklage bevorsteht für eine vor fünf Jahren begangene Tat. Zudem hat der Angeklagte seinem Opfer ein Schmerzensgeld in Höhe von 2000 Euro zu zahlen.

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