Amtsgericht
Zeuge entpuppt sich als Täter

Einen ungewöhnlichen Verlauf nahm eine Verhandlung vor dem Lindauer Amtsgericht gegen einen 21-jährigen Westallgäuer. Ursprünglich wegen einer gefährlichen Körperverletzung beschuldigt, erhielt er letztlich nur ein Bußgeld in Höhe von 750 Euro aufgebrummt - das Verfahren gegen ihn wurde eingestellt. Einen der Zeugen erwartet indes eine Anklage, denn bei ihm dürfte es sich nach Auffassung des Gerichts um den eigentlichen Haupttäter handeln.

Wie sich vor Gericht herausstellte, vereinbarten die beiden, dass der jetzt Angeklagte die Beschuldigung im Raum stehen lassen würde, um den eigentlichen Täter zu decken, denn dieser hat bereits einige Vorstrafen vorzuweisen und fürchtet bei einer erneuten Verurteilung eine Haftstrafe. Der 21-Jährige hoffte, dass es nicht zu einem Verfahren gegen ihn kommen würde, denn er hatte sich bislang nichts zu Schulden kommen lassen. Als dann doch die Anklageschrift ins Haus flatterte, widerrief er seine erste Aussage bei der Polizei und nannte dort den eigentlichen Täter. Dieser hatte zwischenzeitlich Einfluss auf andere Zeugen der Tat genommen. In der Verhandlung präsentierte eine Zeugin ein Handy mit eindeutigen Kurznachrichten. Zudem sollen Androhungen wie «Bevor du vor Gericht etwas sagst, schneide ich dir die Zunge raus» und «Dein Grab ist schon geschaufelt» gefallen sein.

Der so von anderen Zeugen Beschuldigte war in der Verhandlung gegen den 21-Jährigen ebenfalls Zeuge, machte jedoch von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch, da er sich selbst belasten könnte. Auch der Hinweis des Richters, dass nach einer Tat entscheidend sei, wie ein Täter dazu stehe, fruchtete nicht. So wurde der Zeuge mit dem Hinweis auf die anstehende Anklage aus dem Zeugenstand entlassen.

«Denkzettel» vom Richter

Für Richter Paul Kind war der Fall dennoch klar: Ausschließlich wegen des Wegstoßens und der Ohrfeige sollte es nicht zu einer Verurteilung kommen.

Dass das mit der Einstellung des Verfahrens verbundene Bußgeld mit 750 Euro recht hoch ausgefallen ist, schuldet der Angeklagte seinem Verwirrspiel: «Sie haben unnötigen Aufwand und Ärger produziert und mir mehr Arbeit gemacht. Dafür gibt es diesen Denkzettel», gab ihm Richter Kind mit auf den Weg.

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