Kirche
Weißensberger Pfarrer legt Amt nieder – aus Liebe zu einer Frau

Der Weißensberger Pfarrer Helmut Guggemos will heiraten und wünscht sich eine Familie. Dafür legt er sein Amt nieder. Das hat der 45-Jährige am Ende des Kinderfest-Gottesdienstes bekannt gegeben.

Im vergangenen Jahr hatte sich Martin Steiner aus dem gleichen Grund überraschend aus Wasserburg verabschiedet.

Es ist der Gottesdienst zum 76. Kinderfest in Weißensberg. Pfarrer Helmut Guggemos steht mit klopfendem Herzen vor seiner Gemeinde. Eben hat er sich offenbart: Er werde heiraten. Und er werde eine Familie gründen. Ein paar Sekunden ist es, als halte die versammelte Kirchengemeinde den Atem an. Und dann gibt es Applaus. Laut, langanhaltend und nachdrücklich.

Auf Nachfrage erzählt der 45-Jährige nach dem Gottesdienst: 'Das war so intensiv, dass ich eine Gänsehaut bekommen habe.' Und: 'Ich fühle mich erleichtert und froh, dass ich nun offen und ehrlich zu meinen Gefühlen und zu der Frau, die ich liebe, stehen kann. Es tut sehr gut, die Zuneigung und Zustimmung der Kirchengemeinde zu erfahren.' Worte, die erahnen lassen, wie schwierig die Zeit bis zur Entscheidung war.
Am Freitag habe Guggemos mit Bischof Konrad Zdarsa gesprochen und wurde von ihm sofort aus dem Dienst entlassen. Der Gottesdienst, den er eben gehalten hatte, war also der letzte, den er als katholischer Priester halten durfte. 'Wenn ich mit Frau und Familie Seelsorger bleiben dürfte, wäre ich es natürlich geblieben. Ich war gern Priester', sagt er.

Seine Lebensgefährtin, die 37-jährige Elisabeth Kantek, stammt aus Niedersachsen, wohnt aber bereits seit einem Jahr in Weißensberg. Gemeinsam wird das Paar nun an einem anderen Ort, der noch nicht feststehe, neu beginnen.Dass Guggemos Weißensberg Ende August verlässt, war allerdings schon länger bekannt. Bislang hieß es, dass er aus gesundheitlichen Gründen eine Stelle als Seelsorger ohne leitende Funktion in Starnberg übernehmen wird.

'In mir ist eine große Dankbarkeit, dass die Menschen in der Gemeinde ihm und mir so positiv, mit viel Respekt und Verständnis begegnen', sagt Kantek nun. Es sei ein Akt der Befreiung, zueinander stehen zu dürfen. 'Es ist dennoch weiterhin eine Nachfolge in der Liebe zu Jesus Christus, der eines unserer verbindenden Elemente ist. Dass es das Zölibat gibt, müssen wir akzeptieren, auch wenn es schmerzhaft ist.' Guggemos fügt hinzu: 'Und es ist etwas Großartiges, dass wir gemeinsam jetzt noch Kinder bekommen und eine Familie gründen können.'
Nach dem Gottesdienst und während des Kinderfestes ist die Nachricht des beliebten Priesters natürlich das Gesprächsthema Nummer eins in Weißensberg: Zustimmung sowie Respekt für seine mutige Entscheidung - und ein 'nur schade, dass die Kirche so einen Mann ziehen lässt' sind allgemeiner Tenor.

Der ehemalige Wasserburger Pfarrer Martin Steiner indes ist mittlerweile verheiratet und lebt mit seiner Frau in Memmingen.

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by Gogol Publishing 2002-2019