Special Fasching im Allgäu SPECIAL

Fasnacht
Weißensberger Narrenverein besteht 33 Jahre

«Es ist die Lust unerkannt Schabernack treiben zu können». So beschreibt Melanie Flax, Vizezunftmeisterin des Weißensberger Narrenvereins, den Antrieb, bei Narrensprüngen mitzumachen. Die «Monster» und «Weihergeister» treibt das Wochenende für Wochenende auf die Straße. 33 Jahre besteht der Verein, ein närrisches Jubiläum. Das wird am Wochenende gefeiert. Mindestens 3000 Hästräger werden in der 2700-Einwohner-Gemeinde am Samstag zum Dämmersprung erwartet.

Wer etwas über die Weißensberger Narren wissen will, ist bei Hans Altmannsperger an der richtigen Stelle. Er war schon vor der Gründung des Vereins dabei, als in Lindau und Umgebung noch ein Wagenfasching anstelle der heute üblichen schwäbisch-alemannischen Fasnacht gefeiert wurde. 1972 von Lindau nach Weißensberg gezogen, kümmerte sich Altmannsperger um eine Jugendgruppe. Mit wechselnden Themen und Fahrzeugen nahmen sie am Fasching teil. Da gings schon mal mit einem dampfgetriebenen Flugzeug bis nach Nonnenhorn. Ganz problemlos war die Reise nicht. «Niemand hatte daran gedacht, die Tragflächen einklappbar zu bauen», erinnert sich Altmannsperger. Bei einer Spannweite von 3,50 Metern ein Problem.

Seit 1978 bilden die Narren einen festen Verein. «Weihergeister» und «Monster» haben hier ihre Heimat. Sanftmütige Wesen die einen, wilde Gesellen die anderen. Während die «Weihergeister» ganz in der Tradition der schwäbisch-alemannischen Fasnacht stehen, sind die Monster «weniger starr an ein herkömmliches Häs gebunden», wie es Hans Altmannsperger, Gründungs- und Ehrenmitglied des Vereins, formuliert. Er hat den Monstern quasi ein Gesicht gegeben. Als eine Maske gesucht wurde, drückte er kurzerhand sein Gesicht in den Schnee, goß den Abdruck mit Gips aus, modellierte ihn etwas - fertig war das Urmonster. Das besondere an der Maske: Jeder kann das Gesicht individuell gestalten, so ist jedes Monster ein bisschen anders.

Bei 26 Umzügen dabei

Beide Gruppen sind während der Saison viel unterwegs. 26 Umzüge stehen heuer im Kalender der Weißensberger Narren. Zwischen dem Schwarzwald und dem Bodensee springen sie bei Umzügen mit. Wobei der Begriff springen die Fortbewegung ziemlich genau beschreibt. «Der Narr soll nicht stur von vorne nach hinten laufen, er soll ein springendes und hüpfendes Wesen sein», sagt Melanie Flax, die genauso alt wie der Verein ist. Nebenbei treiben vor allem die Monster den einen oder anderen Spaß. Da werden schon mal Umzugsbesucher im Spinnennetz gefangen oder sie landen im «Monster-Pack». Über eine Rampe gehts in eine Christbaumwickelmaschine - wie ein Weihnachtsbaum verschnürt landen die Gäste am Straßenrand.

Alle zwei Jahre veranstalten die Narren in der eigenen Gemeinde einen Umzug. Anfangs zogen sie durch fast leere Straßen, erinnert sich Hans Altmannsperger. «Weißensberg ist halt eine Schlafstadt von Lindau. Da ist das Interesse am Gemeindeleben nicht immer so groß wie in anderen Orten», sagt er. Immerhin haben die Narren 2008 ein eigenes Heim beziehen können. 46000 Euro und viel Eigenleistung haben die Mitglieder investiert. Davor waren sie von Unterkunft zu Unterkunft gezogen, von einem Provisorium ins nächste. Auch eine eigene neun mal zwölf Meter große Halle hatten die Narren schon mal in Ravensburg gekauft, abgebaut und nach Weißensberg gebracht. Freilich fand die Gemeinde keinen Platz, an dem ein Bau genehmigt worden wäre - bis das Holz verfault war.

Bei allem Schabernack, den die Narren treiben, wenns bei Umzügen Ärger gibt, liegt das in der Regel an «Zivilen», sprich den Besuchern ohne Häs. «Ein Hästräger weiß sich zu benehmen. Der kommt nicht auf die Idee, Unruhe zu machen», sagt Melanie Flax. Da mag die Lust auf Schabernack noch so groß sein. (pem)

 

Ein Monster und ein Weihergeist. Hans Altmannsperger und Melanie Flax im Häs der beiden Gruppen des Weißensberger Narrenvereins. Er feiert am Wochenende sein 33-jähriges Bestehen, für Narren ein Jubiläum. Foto: Matthias Becker

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