Amtsgericht
Urteil in Lindau - Marihuana übers Internet angeboten

Mit einer Geschichte vom unbekannten Dritten wollte sich ein 28-jähriger Westallgäuer vor dem Amtsgericht herausreden. Angeklagt war er wegen des Handels mit Betäubungsmitteln und Amphetaminen. Doch Richter Jürgen Burkart nahm dem Angeklagten seine Ausrede nicht ab und verurteilte ihn zu 60 Tagessätzen zu 10 Euro.

Seinen eigenen Marihuana-Konsum räumte der Angeklagte ein. Er sei depressiv und habe sich deshalb immer mal wieder Betäubungsmittel beschafft. Im Rahmen der Ermittlungen gegen seinen Lieferanten wurden Polizei und Staatsanwaltschaft auch auf den 28-Jährigen aufmerksam.

Doch blieb es nicht bei einer Vorstrafe wegen der Beschaffung von Betäubungsmitteln. Vielmehr entdeckten die Ermittler bei der Hausdurchsuchung auch verdächtige Daten auf dem Laptop des jetzt Angeklagten.

Über das Internet habe er mindestens 200 Gramm Rauschmittel zum Kauf angeboten und sei sich mit dem Abnehmer über ein spezielles Nachrichten-Programm handelseinig geworden – so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Das Programm habe er wohl auf seinem Laptop installiert, jedoch nie wirklich benutzt, gab der Angeklagte vor Gericht an.

Das sei wenig glaubhaft, befanden Staatsanwalt und Richter, denn nicht weniger als 13 600 Dialoge seien festgestellt worden.

Den strittigen Dialog mit dem Käufer der Betäubungsmittel habe es seinerseits auch nie gegeben, so der Angeklagte. Zur fraglichen Zeit im Februar 2011 sei er arbeitslos und deshalb häufig zuhause gewesen.

Immer wieder habe er Besuch gehabt – 'und was da hinter meinem Rücken am Laptop passiert ist, weiß ich nicht'. Letztlich könne er sich das Geschehene nur so erklären, dass einer seiner Besucher das Programm genutzt und den Handel perfekt gemacht habe.

Die vorliegenden Protokolle ließen erkennen, dass sich der als Verkäufer auftretende Laptop-Nutzer dem Abnehmer nicht habe vorstellen müssen. 'Das legt nahe, dass sie es waren, der dort am Laptop saß', so Richter Burkart. Alles andere seien Schutzbehauptungen.

Aber: 'Vielleicht wissen sie es ja selbst nicht mehr', so Burkart mit Verweis auf den Rauschmittel-Konsum des Angeklagten. Die von dessen Verteidiger vorgebrachten Zweifel teilte der Richter nicht und folgte auch nicht dessen Antrag auf Freispruch.

Vielmehr blieb er mit der verhängten Geldstrafe nur knapp unter dem Antrag des Staatsanwalts. Der hatte 70 Tagessätze zu 10 Euro gefordert. Den seinerzeit beschlagnahmten Laptop erhält der Angeklagte nun auf Antrag seines Rechtsanwalts zurück.

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